Die Praxis schließt Eisenach: Aus für ARD-Fernsehserie "Familie Dr. Kleist"

Vor fast genau 16 Jahren, am 13. April 2004, sendete die ARD die erste Folge der Fernsehserie "Familie Dr. Kleist". Seither wurden in 129 Folgen in neun Staffeln Geschichten erzählt über medizinische Notfälle und familiäre Verwicklungen, im Mittelpunkt der Eisenacher Arzt Christian Kleist und seine quirlige Mehrgenerationen-Patchwork-Familie. Eine zehnte Staffel wird es nicht mehr geben. Die Quoten seien unterdurchschnittlich, begründet die ARD das Ende für die Serie.

Dr. Sandmann (Luca Zamperoni, h.M.), Christian (Francis Fulton-Smith, 2.v.l.), . Tanja (Christina Athenstädt, 3.v.l.), Clara (Lisa-Marie Koroll, l.), Paul (Julian König, r.), Charlotte (Anne Sophie Triesch, 3.v.r.), Rosalie (Nelly Hoffmann, v.M.) und Piwi (Meo Wolf, 2.v.r.) blicken in die Kamera.
Dr. Sandmann (Luca Zamperoni, h.M.), Christian (Francis Fulton-Smith, 2.v.l.), Tanja (Christina Athenstädt, 3.v.l.), Clara (Lisa-Marie Koroll, l.), Paul (Julian König, r.), Charlotte (Anne Sophie Triesch, 3.v.r.), Rosalie (Nelly Hoffmann, v.M.) und Piwi (Meo Wolf, 2.v.r.). Bildrechte: ARD/Volker Roloff

Die Mischung aus Arzt- und Familienserie war damals neu und schnell erfolgreich. Hauptdarsteller Francis Fulton Smith hatte stets nicht nur rätselhafte Symptome zu klären und Patienten zu retten, sondern auch allerhand Probleme mit seiner Familie zu lösen: vom alltäglichen Streit mit Pubertierenden bis zu Trennung und Tod. Mit dieser Kombination war die Serie sehr lange erfolgreich, zunächst im ARD-Hauptprogramm am Dienstagabend um 20.15 Uhr, ab 2016 im Vorabendprogramm. In diesem werbefinanzierten Umfeld sind die Einschaltquoten besonders wichtig. Da reichten die zuletzt erreichten knapp 2,2 Millionen Zuschauer und ein Marktanteil von 8,9 Prozent den ARD-Programmverantwortlichen nicht mehr.

Christian (Francis Fulton-Smith, M.) ist außer sich vor Wut - die Polizistin Remanaka Walter (Aline Hochscheid, r.) und ihr Kollege Herrmann Wiebel (Michael Schiller, l.) können ihn kaum zurückhalten.
Ein Bild aus den Anfängen der ersten Staffel. Bildrechte: © MDR/Norbert Kuhröber

Der Abschied falle nach so langen Jahren nicht leicht, so die Verantwortliche vom MDR, Jana Brandt. Darstellerinnen und Darsteller hätten "mit viel kreativer Spielfreude die turbulenten Geschichten um die Arztfamilie in Eisenach lebendig gemacht". Und auch ARD-Programmdirektor Volker Herres bedankt sich beim gesamten Team für Einsatz und Kreativität.

Francis Fulton-Smith im Mittelpunkt

Im Mittelpunkt von Praxis und Familie stand 16 Jahre lang Francis Fulton Smith in seiner Rolle als Christian Kleist. Er war das Aushängeschild der Serie. Drei Frauen gab es nacheinander an seiner Seite - dargestellt von Christina Plate, Ursula Buschhorn und Christina Athenstädt. Prominent besetzt die ältere Generation mit Uta Schorn, Ulrich Pleitgen und Walter Plathe. Aber auch junge Schauspiel-Talente aus der Region konnten sich in der Serie entfalten - wie beispielsweise Lisa Marie Koroll, die in den "Bibi und Tina"-Filmen zum Jungstar avancierte.

Dr. Christian Kleist (Francis Fulton-Smith) und Tanja Ewald (Christina Athenstädt)
Dr. Christian Kleist (Francis Fulton-Smith) und Tanja Ewald (Christina Athenstädt) in Folge 113. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Eisenacher Schokoladenseiten

Drei wichtige Pfeiler habe die Serie gehabt, sagt Produzentin Winka Wulff von der Produktionsfirma Polyphon: Francis Fulton-Smith, die Arztthemen und Eisenach. Tatsächlich ist die Stadt selten schöner präsentiert worden als in dieser Serie. Altstadt und Plätze, Luftaufnahmen und Panoramablicke, Wartburg und Südviertel. Unbezahlbares Marketing für die Stadt, sagt Oberbürgermeisterin Katja Wolf, die das Aus für die Serie sehr bedauert.

Aber umgekehrt hätten sich auch viele Eisenacher sehr mit der Serie identifiziert. Immerhin gab es dort nicht nur die Schokoladenseiten der eigenen Stadt zu sehen, sondern auch Nachbarn und Bekannte als Komparsen oder Kleindarsteller. Das verbindet. Wenn in der Stadt gedreht wurde, dann fanden das die Eisenacher eher interessant als störend. Und tatsächlich fanden durch die Serie auch einige Touristen den Weg nach Eisenach, um sich an den Originaldrehorten umzuschauen. Sogar ein eigener Stadtrundgang wurde für sie entwickelt.

Premierenfeiern mit Fans

Die größten Fans in Eisenach versammelten sich stets bei den Premierenfeiern. Jede neue Staffel wurde mit einem "Public Viewing" begonnen - ob im Bürgerhaus, im Foyer des "Thüringer Hof" oder zuletzt im Klinikum. Und manchmal waren dann auch einige der Darsteller dabei und gaben fleißig Autogramme.

Die Jahre für Eisenach als Filmstadt gehen nun zu Ende. Die Produktionsfirma will in den nächsten Monaten die Villa in der Südstadt räumen, in der die "Familie Dr. Kleist" in den letzten Jahren zuhause war, übrigens die dritte. Und auch der zweite wichtige Drehort im Ortsteil Stedtfeld wird aufgelöst, wo die Praxisräume aufgebaut waren. Über das Ende sei sie schon traurig, sagt Produzentin Winka Wulff. Aber sie hätten eine tolle Zeit in Eisenach gehabt und tolle Leute kennengelernt. Die Produktion sei sehr gut unterstützt worden, von den Behörden und von den Eisenachern hinter und vor der Kamera. "Das Team und die Darsteller haben sich in Eisenach wohlgefühlt".

Quelle: MDR THÜRINGEN/ls

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