Eisenach Lutherhaus zeigt Ausstellung zum kirchlichen "Entjudungsinstitut"

Ein Mahnmal in Erinnerung an das "Entjudungsinstitut" zur Nazizeit in Eisenach. Auf einer rostigen Metallplatte steht neben einer Informationstafel die Aufschrift: Wir sind in die Irre gegangen...
In Eisenach erinnert schon ein Mahnmal an das berüchtigte "Entjudungsinstitut". Nun beschäftigt sich im Lutherhaus Eisenach eine neue Sonderausstellung mit dem Thema. Die Aufarbeitung dieses Teils der Eisenacher NS-Geschichte begann erst in den 1990er-Jahren. Bildrechte: Stiftung Lutherhaus Eisenach (Sascha Willms)
Ein Mahnmal in Erinnerung an das "Entjudungsinstitut" zur Nazizeit in Eisenach. Auf einer rostigen Metallplatte steht neben einer Informationstafel die Aufschrift: Wir sind in die Irre gegangen...
In Eisenach erinnert schon ein Mahnmal an das berüchtigte "Entjudungsinstitut". Nun beschäftigt sich im Lutherhaus Eisenach eine neue Sonderausstellung mit dem Thema. Die Aufarbeitung dieses Teils der Eisenacher NS-Geschichte begann erst in den 1990er-Jahren. Bildrechte: Stiftung Lutherhaus Eisenach (Sascha Willms)
Eine schwarze Ausstellungswand, auf der in leuchtenden weißen und gelben Darstellungen die Judenfeindlichkeit zur NS-Zeit erklärt wird.
Die Sonderausstellung trägt den Titel "Erforschung und Beseitigung. Das kirchliche 'Entjudungsinstitut‘ 1939–1945". Zu Beginn wird über die Traditionslinien des Antijudaismus und des Antisemitismus informiert, in denen das kirchliche "Entjudungsinstitut" stand. Bildrechte: MDR/Ruth Breer
Eine schwarze Ausstellungswand, auf der in leuchtenden weißen und gelben Darstellungen die Idee der "Entjudung" zur NS-Zeit erklärt wird.
Die Einrichtung wurde 1939 von elf evangelischen Landeskirchen auf der Wartburg gegründet. Der Name war Programm: "Institut zur Erforschung und Beseitigung des jüdischen Einflusses auf das deutsche kirchliche Leben". Ziel war es, Nationalsozialismus und Kirche kompatibel zu machen. Bildrechte: MDR/Ruth Breer
Ein Lüfungsgitter mit stilisierten Nazisymbolen in einer Ausstellungswand, daneben Erklärungen der Symbole.
Ein Lüftungsgitter aus der Kirche St. Marien in Bad Berka auf dem Jahr 1934 - mit Hakenkreuzen und umgedrehten Runen. Ein Beispiel dafür, wie sehr sich der Nationalsozialismus bis in die Kirchen verbreitet hatte. Bildrechte: MDR/Ruth Breer
Erläuterungen zu NS-Symbolen, die in einem Lüftungsgitter aus einer Kirche in Bad Berka verarbeitet wurden.
Die Symboliken waren mal subtil, mal eindeutig. In der Ausstellung bleibt ausführlich Raum für Erläuterungen. Bildrechte: MDR/Ruth Breer
Ein Schild mit der Aufschrift: Deutschchristlicher Gottesfeier - Es wird das Gesangbuch Großer Gott wir loben dich benutzt.
Schild aus der Eisenacher Georgenkirche: In der Thüringer Bischofskirche wurden sogenannte "deutschchristliche Gottesfeiern" abgehalten mit eigener Liturgie und eigenem Gesangbuch. Dabei handelte es sich um das Gesangbuch, aus dem das "Entjudungsinstitut" alle Hinweise auf die jüdischen Wurzeln und hebräische Begriffe entfernt hatte. In 87 Prozent der Lieder wurde eingegriffen. In einer hohen Auflage von 200.000 Stück erschien auch ein "entjudetes" Neues Testament. Bildrechte: MDR/Ruth Breer
Eine Steintafel mit der Aufschrift: An dieser Stelle verbrannten und verwüsteten am 9. November 1938 Bubenhände die Synagoge der Jüdischen Religionsgemeinschaft Eisenach.
Gedenkstein für die Eisenacher Synagoge - 1947 war noch verharmlosend von "Bubenhänden" die Rede, auch gesellschaftlich blieb die Auseinandersetzung mit dem Antisemitismus der Nationalsozialisten zunächst zaghaft. Erst im Jahr 1998 wurde die Tafel ersetzt. Bildrechte: MDR/Ruth Breer
Eine schwarze Ausstellungswand, auf der in leuchtenden weißen und gelben Darstellungen in einer Zeitreihe die Diskiminierung, Entrechtung und Ermordung der Juden in der NS-Zeit erklärt wird.
Die "Entjudung" betraf im Nationalsozialismus alle gesellschaftlichen Bereiche: Juden wurden im öffentlichen Leben diskriminiert, verdrängt bis hin zur Vernichtung. Die kirchlichen Karrieren der verantwortlichen des Instituts waren dagegen auch nach dem Krieg nicht zu Ende. In Ost und West verliefen sie meist nach einem kurzen Knick ungebrochen. So wurde beispielsweise Walter Grundmann, von 1939 bis 1943 Leiter des Instituts und damals Professor für "Völkische Theologie und Neues Testament" in Jena, 1954 zum Rektor des Katechetenseminars Eisenach - bildete also kirchliche Mitarbeiter aus. Bildrechte: MDR/Ruth Breer
Eine Kirchenglocke aus Tambach-Dietharz mit Nazisymbolen und Schriftzügen.
Die "Nazi-Glocke" aus Tambach-Dietharz, die in diesem Jahr abgehängt wurde. Die Glocke aus dem Jahr 1936 ist "dem Christus der Deutschen" gewidmet. Bildrechte: MDR/Ruth Breer
Zwei Männer halten mit weißen Handschuhen ein Schild mit der Aufschrift: Deutschchristliche Gottesfeier.
Die Projektleitung für die Sonderausstellung hat die Stiftung Lutherhaus Eisenach übernommen. Hier sind die beiden Kuratoren zu sehen: Dr. Jochen Birkenmeier, Wissenschaftlicher Leiter und Kurator der Stiftung, sowie Michael Weise M.A. Bildrechte: Stiftung Lutherhaus Eisenach (Sascha Willms)
Ein Mann baut eine Ausstellungswand zusammen, neben ihm liegt allerlei Werkzeug.
Die Ausstellung ist noch im Aufbau. Erst am Donnerstag wird sie um 18 Uhr eröffnet - zum Auftakt der Achava-Festspiele, die in diesem Jahr in Eisenach, Erfurt und Weimar stattfinden. Die Sonderausstellung soll dann bis zum 31. Dezember 2021 zu sehen sein. Bildrechte: MDR/Ruth Breer
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Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Das Fazit vom Tag | 17. September 2019 | 18:20 Uhr

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