Muldenkipper vor dem Werk von Bell Equipment in Eisenach.
Bell Equipment hat einen Teil seiner Produktion aus Südafrika nach Eisenach verlagert. In drei Jahren benötigt das Werk so viel Stahl, wie im Eiffelturm in Paris verbaut ist. Bildrechte: MDR/Birgit Schindler

Erfolgsgeschichte Bell verlagert Produktion von Riesen-Lkw nach Eisenach

Allein die Räder sind so hoch wie ein Mensch, die Fahrzeuge sind weit über zehn Tonnen schwer. Bell Equipment baut in Eisenach spezielle Muldenkipper und exportiert sie in alle Welt. Nun gibt es eine neue Produktion im Thüringer Werk - und weitere sollen folgen.

von Birgit Schindler

Muldenkipper vor dem Werk von Bell Equipment in Eisenach.
Bell Equipment hat einen Teil seiner Produktion aus Südafrika nach Eisenach verlagert. In drei Jahren benötigt das Werk so viel Stahl, wie im Eiffelturm in Paris verbaut ist. Bildrechte: MDR/Birgit Schindler

In Eisenach-Kindel ist am Freitag die Produktion von knickgelenkten Muldenkippern offiziell eingeweiht worden. Der südafrikanische Baumaschinenhersteller Bell Equipment investiert in den Standort 13 Millionen Euro und schafft 60 neue Arbeitsplätze. Die Muldenkipper werden bereits seit 2003 in Eisenach montiert, nun ergänzt eine Produktion den Standort. Die Dumper sind für den europäischen Markt bestimmt.

Fahrzeuge aus Eisenach für Steinbrüche und unwegsames Gelände

Sie fallen schon auf, die großen gelben Baumaschinen, die zu Testfahrten auf dem Kindel ausrücken. Knickgelenkte Muldenkipper, die in Steinbrüchen, beim Trassenbau oder irgendwo im unwegsamen Gelände gebraucht werden. Die südafrikanische Bell-Gruppe gilt als weltweite Nummer drei der Hersteller von Transportfahrzeugen und sagt von sich, das größte Sortiment für viele Einsatzgebiete zu haben - zum Beispiel Kipper mit besonders breiten Reifen und einem geringen Bodendruck für den Einsatz in Mooren.

Eine Frau neben einem Muldenkipper von Bell Equipment im Werk in Eisenach.
Größenvergleich: unsere Redakteurin neben einem Muldenkipper von Bell Equipment. Eine Mulde fasst 20 Kubikmeter, ein Reifensatz kostet 36.000 Euro. Die größten hier gebauten Fahrzeuge haben eine Nutzlast von 50 Tonnen. Bildrechte: MDR/Birgit Schindler

Bell Equipment verlagert Produktion von Südafrika nach Thüringen

Seit 2003 werden in Eisenach die Kipper montiert, viele Teile kamen aus Südafrika. Den Stahl hatte man aber erst nach Südafrika bringen müssen. Doch Transporte kosten Zeit und Geld, so entschied die Bell-Gruppe 2015, auch die Produktion nach Thüringen zu verlagern. Markt- und Währungsschwächen verzögerten den Ausbau, doch nun steht die neue Werkhalle.

Die Roboter tanzen noch etwas ungelenk, sollen dann aber im Zwei-Schicht-Betrieb exakte Schweißnähte an den Mulden ziehen. Bis zu 440 Muldenkipper werden pro Jahr gebaut, allesamt für den Markt auf der Nordhalbkugel der Erde.

Elektro- und autonome Fahrzeuge noch Zukunftsmusik

Angetrieben werden die Kipper von leistungsstarken Diesel-Motoren. Zur Zeit läuft die Umstellung auf EU-Norm 5. Ein Elektromodell ist noch nicht in Sicht, vor allem aus zwei Gründen: Noch gibt es nicht so große Batterien und das Fahrzeug kann im normalen Fahrbetrieb die Energie noch nicht zurückgewinnen. Während die Bagger in großen Minen an Stromkabeln hängen, geht das in Steinbrüchen und in unwegsamen Gelände nicht.

Der Einsatz in sehr unterschiedlichen Landschaften macht auch autonomes Fahren bisher fast unmöglich, heißt es bei Bell. Wettbewerber des Unternehmens arbeiten bereits an Lösungen für den fahrerlosen Betrieb, aber auch nur dort, wo große routinierte Strecken absolviert werden können.

Ein großer Motor für ein Fahrzeug von Bell Equipment im Werk in Eisenach.
Dieser in Eisenach verbaute Motor wiegt 1,1 Tonnen und hat 470 PS. Bildrechte: MDR/Birgit Schindler

Bell hat in Eisenach noch Platz für mehr

Ab November werden auch die Motorhauben der Kipper in Eisenach montiert. Bisher kamen die immer als "Passagiere" in den Mulden aus Südafrika. Weil dieser Transport nun entfällt, muss auch ihre Produktion verlagert werden. Und Aufsichtsratschef Gary Bell kündigte an, dass auch die Fertigung weiterer Baugruppen nach Eisenach verlagert wird. Das Werk ist modular aufgebaut und etwas Platz ist auch noch auf dem Grundstück, sodass Bell seine Erfolgsgeschichte in Thüringen wohl weiter schreiben wird.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 28. September 2019 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 28. September 2019, 19:49 Uhr

2 Kommentare

part vor 3 Wochen

Auch in Europa wird es künftig neue riese Tagebau- Löcher geben, weil der Hunger nach Rohstoffen und seltenen Erden steigt, besonders bei Gold. Was liegt also näher diese noch etwas kleineren Ausführungen von Ungetümen fast ortsnah zu bauen. Immerhin, auf jeden Fall nützlicher als ein Leopard II oder Abrahams sowie Merkiva.

Mensch vor 3 Wochen

Ich dacht das Klima soll gertettet werden? Achso, Geld......aaaaah! Und wer bekommts?

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