Thüringen Kleine Tiere - große Wirkung: Wie der Borkenkäfer den Wald beherrscht

Seit Monaten sorgt ein fünf Millimeter großer Käfer in Thüringen für Schlagzeilen und Ärger bei den Waldbesitzern - der Fichtenborkenkäfer. Er hat sich massenhaft über Thüringens Wälder hergemacht. Allein im August zerstörten Borkenkäfer wie Buchdrucker und Kupferstecher landesweit rund 230.000 Festmeter Holz.

Thüringenforst spricht von einem besorgniserregenden Ausmaß. Ursächlich dafür ist der lange und trockene Sommer in Kombination mit den Winterstürmen 2017/2018. Das hat dem Borkenkäfer reichlich bruttaugliches Material verschafft.

Borkenkäfer
Die Grafik zeigt: Im Vegleich zum Jahr 2003 sind deutlich mehr Festmeter Holz vom Borkenkäfer befallen. Bildrechte: MDR

Vor allem der Osten Thüringens ist mit seinen fichtenreichen Wäldern betroffen. Die Forstämter Schleiz, Weida, Neustadt und Saalfeld-Rudolstadt melden gravierenden Borkenkäferbefall durch den Buchdrucker. In Südthüringen ist es das Forstamt Sonneberg und in Westthüringen sind es die Forstämter Marksuhl und Bad Salzungen, die besonders unter dem Borkenkäfer leiden.

In den beiden letzteren Forstämtern hatte im Frühjahr zudem der Sturm "Irenäus" nochmals zugeschlagen. Laut Thüringenforst ist der Borkenkäferbefall im August bereits doppelt so intensiv gewesen wie im sogenannten Jahrhundertsommer 2003. Damals waren 110.000 Festmeter vom Borkenkäfer befallen gewesen.

Schätzt man den Stehendbefall der Monate September und Oktober, so muss von rund 600.000 Festmeter Käferholz im Freistaat bis zum Jahresende 2018 ausgegangen werden.

Horst Sproßmann Sprecher Thüringenforst

Das bedeute für die Thüringer Waldbesitzer allein im Bereich des sogenannten Käferholzes Verluste im zweistelligen Millionenbereich. Sproßmann geht derzeit von 16,8 Millionen Euro aus. Die Käfer bohren sich in die Baumrinde, um dort ihre Eier abzulegen. Sie zerstören dabei die Wasser- und Nährstoffleitbahnen der Fichten. Nach Angaben von Experten bildet der Schädling in diesem Jahr bereits seine dritte Generation. Normal sind eine bis eineinhalb Generationen.

Gesamtschäden von 115 Millionen Euro erwartet

Insgesamt geht Thüringenforst in einer vorläufigen Bilanz von einem Schaden in Höhe von 115 Millionen Euro in den Thüringer Wäldern aus. Diese seien auf die Winterstürme, den Borkenkäfer und die anhaltende Trockenheit zurückzuführen, wie Sprecher Horst Sproßmann sagte.

Kaputte Wälder Thüringenforst im Wettlauf mit dem Borkenkäfer

Kleiner Käfer - große Wirkung: Laut Thüringenforst ist der Borkenkäferbefall im August bereits doppelt so intensiv gewesen wie im sogenannten Jahrhundertsommer 2003.

Borkenkäfer
Klein, aber vernichtend: zwei verschiedene Borkenkäfer, rechts der Kupferstecher, links der Buchdrucker. Bildrechte: MDR/Ruth Breer
Borkenkäfer
Klein, aber vernichtend: zwei verschiedene Borkenkäfer, rechts der Kupferstecher, links der Buchdrucker. Bildrechte: MDR/Ruth Breer
Borkenkäfer
Ganz groß als Modell: Buchdrucker mit Larven in verschiedenen Stadien. Bildrechte: MDR/Ruth Breer
Borkenkäfer
Forstamtsleiter Dirk Fritzlar (li) vom Forstamt Hainich-Werratal und Ansgar Pape vom Forstamt Marksuhl mit dem Käfermodell. Bildrechte: MDR/Ruth Breer
Borkenkäfer
Typische Fraßspuren: rechts vom kleineren Kupferstecher, links vom Buchdrucker. Bildrechte: MDR/Ruth Breer
Borkenkäfer
Rote Spitzen: diese Fichten haben Dürre und Käferbefall nicht überlebt. Derzeit ein häufiger Anblick in den Thüringer Wäldern. Bildrechte: MDR/Ruth Breer
Borkenkäfer
Auch Lärchen sind betroffen. Ein besonders aggressiver Borkenkäfer befällt diese Nadelbäume. Bildrechte: MDR/Ruth Breer
Borkenkäfer
Im Vergleich: die Käfer haben sich durch die Trockenheit explosionsartig ausgebreitet. Den wirtschaftlichen Schaden allein für das Forstamt Marksuhl beziffert Amtsleiter Ansgar Pape auf mehrere Millionen Euro. Bildrechte: MDR
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Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 13. September 2018 | 05:00 Uhr

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Di 25.09.2018 10:45Uhr 00:32 min

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Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 13. September 2018 | 05:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 13. September 2018, 14:16 Uhr

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3 Kommentare

13.09.2018 09:21 Jakob 3

Vielleicht gehören die Fichten dort einfach nicht hin und die Natur regelt das nun selbst.

13.09.2018 06:23 Berliner 2

Tja, selbst schuld - mehr fällt mir dazu nicht ein ....

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