Elektromobilität als Chance Bosch kündigt weitere Millioneninvestition in Eisenach an

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Die Autobranche sorgt in Westthüringen immer wieder für schlechte Nachrichten. Davon zeigt sich ein Unternehmen eher unbeeindruckt: Die Robert Bosch Fahrzeugelektrik Eisenach GmbH behauptet sich mit ihrem Sensorwerk stabil in einem schwierigen Umfeld. Mehr noch: In den Umbrüchen der Branche sieht man dort eher Chancen als Risiken.

Blick in eine Halle mit Technik für die jüngste Produktionslinie des Luftmassenmessers
Die in Eisenach gefertigten Sensoren und Getriebesteuerungen werden Angaben des Unternehmens zufolge weltweit von Automobilherstellern eingesetzt. Bildrechte: MDR/Ruth Breer

Tiefgreifend ist der Wandel in der Automobilbranche. Weltweit werden weniger Autos produziert, und das bleibt auch noch eine Weile so, sagt der kaufmännische Geschäftsführer der Robert Bosch Fahrzeugelektrik Eisenach GmbH, Andreas Fischer.

Das Westthüringer Werk ist aber so breit aufgestellt, dass es Rückgänge bei einem Produkt mit Zuwächsen bei anderen ausgleichen kann. Die Entwicklung sei, gerade angesichts des Marktumfeldes, "sehr zufriedenstellend", sagt Fischer. Weniger Auftragsspitzen als in den vergangenen Jahren, als das Schichtsystem kaum noch Steigerungen zuließ, aber dennoch stabil. Durch technische Verbesserungen stimmen die Kosten. Die Produkte, verschiedene Sensoren für die Autobranche vom Drucksensor bis zum Luftmassenmesser, verkaufen sich weltweit.

Bosch sieht Elektromobilität als Chance

Mehr noch: Bei Bosch in Eisenach sehen die Verantwortlichen im Wandel hin zur Elektromobilität mehr Chancen als Risiken. Das Eisenacher Werk ist Leitwerk für Sensortechnik, ist für andere Bosch-Werke weltweit zuständig bei Planung, Fertigung und Qualität in der Sensorfertigung. Sensoren wird es auch in Elektro-Autos und beim Autonomen Fahren geben – wenn auch andere als bisher: Da baut man im Eisenacher Werk auf die besonderen Kompetenzen. Um die Zukunftschancen zu nutzen, wird immer wieder viel Geld investiert: 150 Millionen Euro in den vergangenen fünf Jahren, allein 42 Millionen Euro in diesem Jahr. Weitere 35 Millionen Euro sind für 2020 geplant. Das Geld fließt in neue Produktionslinien, aber auch in die Infrastruktur des Werks.

48-Volt-Batterie für weniger CO2-Ausstoß

Bei einem weiteren Projekt mit Zukunft war das Eisenacher Werk zuständig für den Produktionsprozess: Die 48-Volt-Batterie. In China wird sie bereits in Serie gefertigt –Europa soll folgen, über den Standort wird im kommenden Jahr entschieden. Auch das Eisenacher Werk hat sich beworben.

Ein 48-Volt-Bordnetz hilft, Sprit und Emissionen zu sparen, erklärt der technische Werkleiter Uwe Löbel. Im Unterschied zur herkömmlichen 12-Volt-Batterie können Systeme mit höherer Spannung deutlich mehr Funktionen übernehmen. In diese Batterien lässt sich viel schneller Strom einspeichern und wieder entnehmen.

Ein Bosch-Mitarbeiter hält Bestandteile eines Luftmassenmesser in seiner Hand
Ein Mitarbeiter zeigt Bestandteile eines Luftmassenmessers. Bildrechte: MDR/Ruth Breer

So kann beispielsweise die Bremsenergie zurückgewonnen und fürs Beschleunigen genutzt werden. Auch das sogenannte "Segeln" kann unterstützt werden. Ist das Auto gleichmäßig bei 70 bis 100 km/h auf der Landstraße unterwegs, würde sich der Verbrenner abschalten und ein kleiner Elektromotor den Antrieb übernehmen. Erst wenn wieder höhere Leistungen gefragt wären wie beim Überholen, würde sich der Verbrennungsmotor wieder einschalten. Eine Art Mini-Hybrid, der den Herstellern helfen würde, den CO2-Ausstoß ihrer Flotte zu senken. In fünf Jahren, so schätzt Löbel, könnte jeder fünfte Neuwagen über ein 48-Volt-System verfügen.

Mehr Mechatroniker ausbilden

Die Fertigung im Werk auf dem Wartenberg ist hochgradig automatisiert. Mitarbeiter halten die Prozesse am Laufen, überprüfen die Qualität. Dabei legt Bosch immer schon viel Wert auf eine gute Ausbildung. Jetzt hat das Unternehmen sein Konzept geändert. Zum einen will es künftig mehr Mechatroniker ausbilden, um dem Nachwuchs eine breitere Basis zu geben.

Zum anderen setzt es auf Fachinformatiker, die mit ihren Programmier- und Servicefertigkeiten in der Produktion gefragt sind. Mit den richtigen Berufsfeldern wolle man die Zukunft in der Industrie 4.0 meistern, so Andreas Fischer. Jedes Jahr bildet Bosch rund 25 junge Leute aus. Derzeit lernen rund 160 Azubis im Werk, davon sind 93 von Bosch, die anderen von Partnerunternehmen.

Die Zahl der Mitarbeiter ist mit insgesamt 1.800 seit Jahren konstant. Auftragsspitzen wurden in der Vergangenheit meist mit Leiharbeitern abgefangen. Von ihnen braucht Bosch derzeit weniger. Wenn jetzt ein Produkt weniger gefragt ist, werden die Mitarbeiter "querversetzt" - dorthin, wo es besser läuft. Auch das setzt voraus, dass die Beschäftigten gut ausgebildet und flexibel sind. Mit ihnen und den notwendigen Zukunftsinvestitionen bleibt das Werk wettbewerbsfähig und kann auf die Herausforderungen des "unruhigen Marktes" reagieren.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Das Fazit vom Tag | 29. November 2019 | 18:00 Uhr

1 Kommentar

IM Larve vor 31 Wochen

Eine gute Nachricht für alle Mitarbeiter und für Eisenach.

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