Regional-Geschichte Stiftung digitalisiert Film-Schatz des Automobilwerks Eisenach

Autorenbild Ruth Breer
Bildrechte: MDR/Daniela Dufft

Zum Fundus des Museums "Automobile Welt Eisenach" zählen mehr als 1.000 Filmrollen. Diesen historischen Schatz macht die AWE-Stiftung jetzt zugänglich: Kuratoriumsmitglied Enrico Martin digitalisiert das Material ehrenamtlich in seiner Werkstatt. Eine aufwändige Arbeit mit erstaunlichen Ergebnissen.

Das macht schon etwas süchtig, räumt Enrico Martin ein. "Wenn es einmal läuft, der erste Film interessant war und der zweite auch, dann schaut man stundenlang und digitalisiert dabei – und will eigentlich gar nicht aufhören." Jeden Wochentag von 16 bis 20 Uhr bis zum Frühjahr, so der Plan, widmet er seiner neuen Aufgabe.

Mediales Erbe Filme des Automobilwerks Eisenach wandern in den Rechner

Mehr als 1.000 Rollen mit Filmen zählen zum Fundus der Stiftung Automobile Welt, die in Eisenach das Erbe des Automobilwerks pflegt. Ein gelernter Computertechniker digitalisiert den medialen Schatz gerade- ehrenamtlich.

Ein Mann mit einer Filmrolle, im Hintergrund stehen zwei Wartburg-Pkw.
Enrico Martin, Mitglied des Kuratoriums der Stiftung Automobile Welt Eisenach, digitalisiert den Filmbestand in seiner Werkstatt. Bildrechte: MDR/Ruth Breer
Ein Mann mit einer Filmrolle, im Hintergrund stehen zwei Wartburg-Pkw.
Enrico Martin, Mitglied des Kuratoriums der Stiftung Automobile Welt Eisenach, digitalisiert den Filmbestand in seiner Werkstatt. Bildrechte: MDR/Ruth Breer
Dosen mit Filmrollen aus dem Bestand des früheren Automobilwerks Eisenach vor der Digitalisierung.
Erwartet hatte Enrico Martin vor allem technische Filme. Die gibt es, aber dazu sehr viel mehr. Bildrechte: MDR/Ruth Breer
Dosen und Spulen mit Filmrollen aus dem Bestand des früheren Automobilwerks Eisenach vor der Digitalisierung.
Es geht um eine Hinterlassenschaft in drei Formaten: 8, 16 und 35 mm. Über die Treuhandanstalt gelangte dieser Fundus an das Eisenacher Stadtarchiv. Von dort wanderte er mit Gründung der Stiftung Automobile Welt ins Museum. Bildrechte: MDR/Ruth Breer
Magnet-Tonband aus dem Bestand des früheren Automobilwerks Eisenach vor der Digitalisierung.
"Festspielkalender 1974": Magnet-Tonband des Amateurfilm-Studios des damaligen Automobilwerks Eisenach. Bildrechte: MDR/Ruth Breer
"Vorbereitet sein -Wartburg 353 im Winterfahrverkehr": Kundendienst-Film des Automobilwerks Eisenach von 1978 auf Serbokroatisch.
"Vorbereitet sein - Wartburg 353 im Winterfahrverkehr": Kundendienst-Film des Automobilwerks Eisenach von 1978 auf Serbokroatisch. Bildrechte: MDR/Ruth Breer
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In der privaten Werkstatt stapeln sich die silbernen Filmdosen, liegen Listen mit den Verzeichnissen, einiges ist schon blau markiert als erledigt. Projektor, Leinwand, Computer, dazu einiges selbst gebastelt, um die alten Filme zu digitalisieren.

Enrico Martin, der Vorsitzende des Allgemeinen Wartburgfahrer-Clubs, der jedes Jahr große Wartburg-Treffen auf der Eisenacher Spicke organisiert, ist für Einsatz und Begeisterung für das frühere Automobilwerk bekannt. Als gelernter Computertechniker verfügt er über das nötige Fachwissen und hat deshalb für das Kuratorium des Eisenacher Automobilmuseums diese Aufgabe übernommen. Ehrenamtlich.

Betriebsfilmstudio hielt Geschehen in Eisenach fest

Es geht um eine Hinterlassenschaft von mehr als 1.000 Filmen in drei Formaten: 8, 16 und 35 mm. Über die Treuhandanstalt gelangte dieser Fundus an das Eisenacher Stadtarchiv. Von dort wanderte er mit Gründung der Stiftung Automobile Welt ins Museum.

Erwartet hatte Enrico Martin vor allem technische Filme. Die gibt es, aber dazu sehr viel mehr. Die Hobbyfilmer vom Betriebsfilmstudio Automobilwerk Eisenach (AWE) haben das Geschehen im Werk, aber auch rund um Eisenach festgehalten: neue Maschinen, den Karl-Marx-Orden 1974 für das AWE, Ministerbesuche, Feiern auf der Wartburg, den Sommergewinn, die Eröffnung der Gedenkstätte Eisenacher Parteitag oder das Pionierlager Wilhelmsthal im Jahr 1956. Viele Propaganda-Filme gehören auch dazu, Stichwort "Kampfgruppen".

Kundendienstfilme in vielen Sprachen

Die alten Aufnahmen von Eisenach "live und in Farbe" begeistern Enrico Martin und wecken Kindheitserinnerungen. Zu den "Perlen" gehören für ihn die Filme vom Rennsportkollektiv. Sie zeigen beispielsweise die Silberpfeil-Rennwagen aus den 1950er Jahren auf einem Stadtkurs in Leipzig - und ihre Fahrer, "diese irren Hunde", die nach dem Aussteigen die Rennbrillen abnehmen und dann eine schwarze Stirn haben vom Dreck auf der Fahrt.

Wartburg-Fans werden sich vermutlich besonders über die Kundendienst-Filme freuen, vermutet Martin. Sie wurden professionell von der DEFA im Auftrag des Automobilwerks produziert - in vielen verschiedenen Sprachen. Den Händlern und Vertragswerkstätten im In- und Ausland wird darin erklärt, wie Vergaser und Zündkerzen eingestellt, wie Fahrzeuge repariert oder auf den Winter vorbereitet werden.

Kinoabende und DVDs

Diese Schätze sollen künftig auch öffentlich präsentiert werden. Allerdings nicht kostenlos auf einer Internet-Plattform, sagt Enrico Martin. Er hält beim Digitalisieren bereits besonders interessante Filmsequenzen fest und denkt an Kinoabende im Automobilmuseum, auch an die Veröffentlichung von DVDs zu besonderen Themen. Seine ehrenamtliche Arbeit soll sich auf diese Weise für die Stiftung auszahlen. Allerdings liegt noch einiges vor ihm. Der nächste Winter ist bereits fest eingeplant.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 13. Januar 2020 | 19:00 Uhr

1 Kommentar

Baldur von Ascanien vor 35 Wochen

Den Enthusiasmus in allen Ehren. Aber bitte nicht einfach abfilmen. Schon garnicht das wertvolle Material durch eine alte Meoclub 16 laufen lassen, wo man zudem auch noch das unsynchronisierte Blendenflimmern sieht. Vielleicht findet sich ja ein Sponsor damit die Filme, Bild für Bild, gescannt werden können. Dann ist auch das Anschauen ein Genuss. Vielleicht kann ja sogar das MDR Fernsehen dabei helfen?

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