Wartburg
Die Wartburg bei Eisenach: Hier wurde vor 80 Jahren ein "Entjudungsinstitut" errichtet. Bildrechte: dpa

Dunkles Kapitel der Kirchengeschichte Eisenach erinnert an Gründung von "Entjudungsinstitut" vor 80 Jahren

1939 versuchten Nationalsozialisten, jüdische Einflüsse auf Lehre und Praxis der evangelischen Kirche zu beseitigen. Auf der Wartburg wurde dazu ein sogenanntes Entjudungsinstitut gegründet. Die Aufarbeitung begann spät.

Wartburg
Die Wartburg bei Eisenach: Hier wurde vor 80 Jahren ein "Entjudungsinstitut" errichtet. Bildrechte: dpa

Ein Mahnmal soll künftig in Eisenach an ein dunkles Kapitel der Kirchengeschichte erinnern. Vor 80 Jahren hatten elf evangelische Landeskirchen ein sogenanntes kirchliches Entjudungsinstitut gegründet. Die evangelische Kirche in Mitteldeutschland (EKM) will die Wirkung und Geschichte der antisemitischen Einrichtung aus der Zeit des Nationalsozialismus nun verstärkt aufarbeiten. Am 6. Mai wird das Denkmal etwa 100 Meter unterhalb des früheren Institutsgebäudes eingeweiht.

Zusätzlich zum Mahnmal sollen im September eine Ausstellung im Lutherhaus und eine wissenschaftliche Tagung folgen. Die Sonderausstellung trägt den Titel "Erforschung und Beseitigung. Das kirchliche 'Entjudungsinstitut' 1939-1945". Während der Tagung sollen bisherige Forschungserkenntnisse zusammengetragen werden.

Ziel der Nazis: Jüdisches aus kirchlichen Texten streichen

Das sogenannte Entjudungsinstitut wurde im Jahr 1939 hoch oben auf der Wartburg gegründet. Fünf Mitarbeiter und bis zu 200 Partner hatten die Aufgabe, alles Jüdische aus kirchlichen Texten zu streichen. Außerdem sollte die Kirche auf ideologischen Kurs mit der Nazi-Regierung gebracht werden. Begriffe wie Juden und Israel wurden beispielsweise aus Gesangsbüchern entfernt. Die Bücher wurden dann in großer Stückzahl in Umlauf gebracht.

Die Landesbischöfin der evangelischen Kirchengemeinde Mitteldeutschland, Ilse Junkermann, spricht am 25.05.2017 auf dem Ökumenischen Himmelfahrtsgottesdienst unter dem Motto «Kirchentag auf dem Weg» in Magdeburg (Sachsen-Anhalt). Die Kirchentage auf dem Weg im Reformationsjahr 2017 sind Begleitveranstaltungen des 36. Deutschen Evangelischen Kirchentages in Berlin und Wittenberg.
Die Landesbischöfin der evangelischen Kirchengemeinde Mitteldeutschland, Ilse Junkermann, Bildrechte: dpa

Die Arbeit kam zum Erliegen, als Mitarbeiter für den Krieg eingezogen wurden. Nach Kriegsende erhielten die Mitarbeiter Positionen in Wissenschaft und Kirche. Die geschichtliche Aufarbeitung begann erst nach 1990.

Die evangelische Landesbischöfin, Ilse Junkermann, spricht 80 Jahre danach von Schamgefühl und einem Irrweg ihrer Kirche. Aus ihrer Sicht braucht es immer einen gewissen Abstand, um sich zur Schuld zu bekennen. "Uns ist es sehr wichtig, an die Geschichte des sogenannten Entjudungsinstituts zu erinnern", sagte Junkermann am Dienstag in Erfurt. Angesichts zunehmenden Antisemitismus' sehe die EKM eine große Geschichtsvergessenheit, so Junkermann. Dieser wolle die Kirche entgegentreten.

Quelle: MDR THÜRINGEN/dpa

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Fazit vom Tag | 23. April 2019 | 18:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 23. April 2019, 21:05 Uhr

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