Von Eisenach nach Eschwege Mit Fahrrad, Bus und Bahn im einstigen Grenzgebiet unterwegs

Autorenbild Ruth Breer
Bildrechte: MDR/Daniela Dufft

Von Eisenach ins hessische Eschwege fährt schon seit Jahren länderübergreifend ein durchgehender Bus. An den Wochenenden bis Ende Oktober auch als Fahrradbus mit Heckträger, denn die Route führt parallel zum beliebten Werratalradweg. Allerdings gibt es noch einige Haken - und das Angebot ist weitgehend unbekannt. Wir haben es getestet.

Bus der Linie 170 mit Heckträger
Ein Heckträger an einigen Bussen macht es möglich, Fahrräder mitzunehmen. Bildrechte: MDR/Ruth Breer

Wer den Fahrradbus nehmen will, muss früh aufstehen: Um 8 Uhr fährt der erste Bus mit Heckträger von Eisenach nach Eschwege. Der nächste geht erst um 12 Uhr. Also radeln wir zu zweit bei einstelligen Temperaturen am Samstagmorgen zum Eisenacher Busbahnhof und hoffen, dass der Platz auf dem Heckträger reicht. Denn reservieren kann man die Plätze nicht. Ein Bus der Linie 170 fährt am Bahnsteig ein, hat aber, O Schreck, keinen Träger am Heck. Kein Problem, beruhigt uns der sehr entspannte Busfahrer: Wir dürfen die Räder mit in den Bus nehmen. Die nächste Überraschung beim Bezahlen: Das Ticket für die 90 Minuten lange Fahrt bis Eschwege kostet 6,30 Euro pro Nase, die Räder sind frei. Das ist deutlich günstiger als mit dem Zug. Da hätten wir in Bebra umsteigen müssen und wären eine Viertelstunde länger unterwegs gewesen.

Ein Mann mit Fahrrad – Peter Schütz, Vorsitzender des ADFC Wartburgkreis
Der Vorsitzende des ADFC im Wartburgkreis, Peter Schütz, findet die Idee eines länderübergreifenden Fahrradbusses gut: Zwischen Eisenach und Eschwege gelangt man mit der Bahn nicht an den Werratalradweg. Bildrechte: MDR/Ruth Breer

ADFC: Informationen zu Fahrradbus-Angebot schwer zu finden

Anfrage beim ADFC Wartburgkreis: Wie sieht man dort das Angebot des Fahrradbusses? Der Vorsitzende Peter Schütz ist etwas überrascht, hat er doch bisher nicht davon gehört. Die Informationen über den Bus sind schwer zu finden, wie er nach etwas Recherche feststellt. Die Idee findet Schütz gut, denn zwischen Eisenach und Eschwege kommt man - anders als im Süden - nicht mit der Bahn an den Werratalradweg. Und die geringe Kapazität? "Wenn das Angebot beworben wird, stellt man sicherlich fest, dass es irgendwann nicht mehr ausreicht - und dann müsste aufgestockt werden", ist er überzeugt. Der Bus habe immer noch das Image als Verkehrsmittel für Schüler, Ältere oder Menschen ohne Auto, meint Schütz. Das sei aber längst überholt. Man müsste solche Angebote wie den Fahrradbus nur bekannter machen.

Alle Busse nehmen Fahrräder mit

Marketing ist bisher eine Schwachstelle, wie Horst Schauerte einräumt, der Vorstand des kommunalen Verkehrsunternehmens Wartburgmobil. Bisher wurde nur ein Flyer zum Fahrradbus in der Infostelle am Busbahnhof ausgelegt, mehr nicht. Da müsse man noch mehr tun. Denn mit dem Fahrradbus könnten Radler ihre Reichweite ausdehnen oder Strecken abkürzen, meint Schauerte. Auch bei schlechtem Wetter sei er eine gute Alternative für Radwanderer. Wofür er eigentlich gar nicht groß werben will: Alle Busse im Landkreis nehmen Fahrräder ohne Aufpreis mit. Auch das ist weitgehend unbekannt. Es funktioniert aber nur, wenn ausreichend Platz ist. Rollstuhlfahrer und Kinderwagen haben Vorrang.

Vier Fahrräder im hinteren Eingang

An diesem Samstag sind wir lange die einzigen Fahrgäste im Bus. Erst in Treffurt steigt eine Frau zu, auf der hessischen Seite wird der Bus langsam voller. In Wanfried warten zwei weitere Radfahrer. Der Mann und sein kleiner Sohn schieben ihre Räder in den hinteren Eingang. Da passt nun niemand mehr rein. Der Mann muss nach Eschwege zur Arbeit, erzählt er einer Bekannten, und will anschließend mit dem Kind zurückradeln. An der nächsten Haltestelle eine Frau mit Kinderwagen: ihr bleibt nur der Platz am vorderen Eingang. Gegen halb 10 ist Eschwege erreicht, die meisten Fahrgäste sind bis hierhin gefahren. Nach einem schnellen Kaffee zum Aufwärmen schwingen wir uns auf die Räder und machen uns auf den Heimweg nach Eisenach durch die Spätsommer-Sonne.

Drei länderübergreifende Buslinien

Die Linie 170 Eisenach-Eschwege ist eine von drei thüringisch-hessischen Busverbindungen des Verkehrsunternehmens Wartburgmobil. Finanziert wird dieser Verkehr gemeinsam mit den hessischen Partnern jeweils bis zur Landesgrenze. Rund 16.500 grenzüberschreitende Fahrten verzeichnet es pro Jahr auf dieser Linie, ähnlich viele auf der Verbindung Bad Salzungen-Bad Hersfeld. Rund 1.000 sind es zwischen Geisa und Hünfeld. Der Fahrrad-Heckträger auf der Linie 170 wird allerdings kaum genutzt, teilt das Unternehmen mit - im Bus seien es an den Wochenenden maximal zwei Räder pro Fahrt. Da haben wir also einen Ausnahmefall erlebt.

Buchungssystem für Linienbusse wird getestet

Warum aber kann man keine Fahrradplätze im Bus reservieren? Das könnte in Zukunft möglich sein, sagt Wartburgmobil-Vorstand Horst Schauerte. Ein Buchungssystem für den Linienverkehr wird gerade in der Rhön getestet und könnte, wenn es gut funktioniert, auch auf den Fahrradbus übertragen werden. Dann wären Plätze für Räder verlässlich zu buchen - nicht unwichtig, wenn man eine Tour plant. Nach Angaben von Schauerte erwägt Wartburgmobil auch, im für den Regionalverkehr Busse anzuschaffen mit größerem Freiraum am hinteren Eingang, ähnlich wie bei Stadtbussen. Dann könnten mehr Fahrräder mitgenommen werden. Denn Heckträger seien noch nie beliebt gewesen, sagt er. Gerade teure E-Bikes ließen die Besitzer ungern aus den Augen.

Öffentlichen Nahverkehr und Tourismus besser verbinden

Neben dem Marketing soll auch die Zusammenarbeit von ÖPNV und Tourismus deutlich verbessert werden, kündigt der Unternehmenschef an. Sichtbares Zeichen: Der Verein Werratal Touristik  ist im Juli in die Geschäftsstelle von Wartburgmobil in Bad Salzungen eingezogen. Die Touristiker sollen die Verkehrsleute beraten: Wo sind für Radfahrer besonders wichtige Haltestellen? Sie sollen künftig auch besser ausgeschildert werden, beispielsweise mit Wegweisern zum Werratalradweg. Und auch andere Radwege könnten mit einer Busanbindung attraktiver für Radfahrer werden: wie der Rhönradweg, der Feldatal- oder der Ulsterradweg im Süden des Wartburgkreises. Es gibt auch eine direkte Busverbindung von Eisenach nach Geisa. Auch da, sagt Schauerte, sind schon Radfahrer mitgefahren. Und ganz zuletzt erfahre ich auch noch, warum unser Bus der Linie 170 keinen Heckträger hatte. Den Schlüssel vom richtigen Bus hatte der Fahrer am Freitagabend versehentlich mit nach Hause genommen.

Quelle: MDR THÜRINGEN/uka

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Das Fazit vom Tag | 27. September 2020 | 18:15 Uhr

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