IG Metall Doppelkrise für Auto- und Zulieferindustrie in Thüringen

Autorenbild Ruth Breer
Bildrechte: MDR/Daniela Dufft

Westthüringen ist stark von der Auto- und Zulieferindustrie geprägt. Die ist derzeit doppelt unter Druck: zum einen durch den Wandel hin zur Elektromobilität, zum anderen durch die Corona-Krise. Jörg Köhlinger, Chef des IG Metall Bezirks Mitte, hat am Dienstag in Eisenach das Land aufgefordert, die Unternehmen in dieser schwierigen Lage zu unterstützen.

Links Jörg Köhlinger, Chef des IG-Metall Bezirks Mitte, rechts Uwe Laubach, Geschäftsführer der IG Metall Eisenach während einer Pressekonferenz.
Am Dienstag trafen sich Jörg Köhlinger (links) und Uwe Laubach (rechts) zum Gespräch. Bildrechte: MDR/Ruth Breer

Der Westen des Freistaats ist derzeit das Sorgenkind der IG Metall: dort, wo die Industrie besonders stark abhängt von der kriselnden Autobranche. Der Geschäftsführer der IG Metall Eisenach, Uwe Laubach, nennt die Zahlen: 3.000 Stamm-Beschäftigte und 800 Leiharbeiter haben in den vergangenen drei Jahren ihren Job verloren. Vom Unternehmen Mitec blieben nach Insolvenz und Verkauf 260 von einst knapp 1.000 Arbeitsplätzen erhalten. Noch schlechter ging es für JD Norman, vorher Rege Motorenteile, aus: Durch die Corona-Krise fand der Insolvenzverwalter letztlich keinen Investor, obwohl es zuvor mehrere Interessenten gegeben hatte. Im Rege-Werk auf dem Kindel arbeiteten einst etwa 1.100 Menschen.

Robuste Brücken in die Zukunft bauen

IG-Metall-Bezirkschef Jörg Köhlinger rechnet nicht damit, dass sich die Lage in der Branche im Herbst rasch ändert. Sie werde angespannt bleiben, sagt er.

Das bedeute: weiter viel Kurzarbeit, wachsende Liquiditätsengpässe. Kein Geld, um in den Wandel hin zur Elektromobilität - in die sogenannte Transformation - zu investieren. Besonders kämpfen müssten kleine und mittlere Betriebe mit wenig Eigenkapital. Da drohten auch Insolvenzen, fürchtet Köhlinger. Er sieht die Politik in der Pflicht, den Unternehmen zu helfen, die Transformation zu bewältigen. Die Industrie und die Beschäftigten brauchten "robuste Brücken in die Zukunft".

Zeitweise Industriebeteiligungen des Landes

Das Land Thüringen sei mit einigen Vorschlägen und Ideen, unter anderem mit dem Fonds für Innovation und Wachstum, in die richtige Richtung gegangen, lobt Köhlinger. Allerdings sollten die Vorschläge jetzt auch umgesetzt werden. Neue Ideen, Cluster bilden, Programme zur Bewältigung der Transformation fordert der Gewerkschafter. Unternehmen brauchten bei finanziellen Engpässen Liquiditätshilfen. Auch der zeitlich begrenzte Einstieg des Landes in Industriebeteiligungen kann aus Köhlingers Sicht sinnvoll sein, um Unternehmen für die Dauer der Krise über Wasser zu halten und Arbeitsplätze zu sichern.

Zweites industrielles Standbein für Westthüringen

Für die Region Westthüringen hofft IG-Metall-Geschäftsführer Uwe Laubach auf ein zweites industrielles Standbein. Wie das aussehen könnte? Da müssten sich viele zusammensetzen bei einem Branchendialog, sagt er - von Unternehmen bis zur Wissenschaft. Eine Idee könnte beispielsweise das Recyceln von Batterien sein. Das Land müsse zu allererst einmal wahrnehmen, wie arg gebeutelt die Region ist, sagt Laubach. Er rechnet nicht damit, dass JD Norman das letzte Unternehmen war, für das es keine Zukunft mehr gibt.

Quelle: MDR THÜRINGEN/jn

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 14. Juli 2020 | 18:00 Uhr

4 Kommentare

Rasselbock vor 4 Wochen

Sehr geehrter Herr Leistner
Was Ladestaionen angeht:goingelectric.de. Lithium Batterien: Das meiste Lithium wir woanders gebraucht, Handys, Laptops etc. Unschwer werden Sie erkennen, Sie liegen falsch. Gewinnung von Lithium: Das lithiumhaltige Wasser müsste man ja nicht unter freiem Himmel eindampfen, aber, kurzsichtige sogenannte Ökonomen wollen es so, es ist die billigste Methode.

Hans Frieder leistner vor 4 Wochen

Solange weder Energieversorgung noch Stromnetz so ausgebaut sind, daß problemlos überall im Land - von Flensburg bis Mittenwald - E Autos sinnvoll sind, wird es keinen Wandel geben. Abgesehen davon wird immer verschwiegen, daß für die Batterien die Umwelt zerstört und Kinderarbeit in Afrika und Südamerika gefördert wird. Warum demonstriert da niemand?

Rasselbock vor 4 Wochen

Auch wenn man es nicht gerne hört: Diese Krise hat die deutsche Autoindustrie sich selbst geschaffen. Wer moderne technische Entwicklungen nicht bedient oider gar negiert hat es nicht besser verdient. TESLA, der Konzern ist mehr wert als die deutsche Autoindustrie. Die sind doch nicht alle doof die zu dieser Einschätzung kommen. Deutschlands Automanager, sie sind einfach zu überheblich, man kann ihr konservatives Gejammere nicht mehr erhören. Wenn nun reihenweise Jobs wegbrechen, man hat es nicht besser verdient.

Mehr aus der Region Eisenach - Gotha - Bad Salzungen

Mehr aus Thüringen

Ausgrabungen in Eisfeld 1 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Die Umgebung von Eisfeld im Kreis Hildburghausen war viel früher besiedelt als bisher angenommen. Das zeigen neue Ausgrabungen.

Fr 14.08.2020 14:45Uhr 00:28 min

https://www.mdr.de/thueringen/sued-thueringen/hildburghausen/video-eisfeld-ausgrabungen-kelten-100.html

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Video
Ein Feuerwehrmann löscht von einer Drehleiter aus einen Brand in Sonneberg. 1 min
Bildrechte: MDR THÜRINGEN JOURNAL

In Sonneberg hat es durch einen Brand in einer Werkstatt eine massive Rauchentwicklung gegeben. Zeitweise galt eine amtliche Warnmeldung für die Gegend.

Fr 14.08.2020 08:59Uhr 00:40 min

https://www.mdr.de/thueringen/sued-thueringen/sonneberg/video-brand-sonneberg-100.html

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Video