Menschen stehen vor einem Mahnmal aus Stahl
Ilse Junkermann, Bischöfin der evangelischen Kirche Mitteldeutschland, hat zusammen mit Vertretern von fünf weiteren Landeskirchen das Mahnmahl enthüllt. Bildrechte: MDR/Samira Wischerhoff

Religion Mahnmal als Schuldbekenntnis der Kirchen enthüllt

80 Jahre nach der Gründung des sogenannten "Entjudungsinstituts" ist am Montag in Eisenach ein Mahnmahl installiert worden. Es gilt als mahnende Erinnerung und Schuldbekenntnis von acht evangelischen Landeskirchen für die Gründung des "Instituts zu Erforschung und Beseitigung des jüdischen Einflusses auf das deutsche kirchliche Leben".

Menschen stehen vor einem Mahnmal aus Stahl
Ilse Junkermann, Bischöfin der evangelischen Kirche Mitteldeutschland, hat zusammen mit Vertretern von fünf weiteren Landeskirchen das Mahnmahl enthüllt. Bildrechte: MDR/Samira Wischerhoff

"Wir sind in die Irre gegangen." So steht es in weißen Buchstaben auf dem eineinhalb meter großen, rostigen Mahnmal, das jetzt bei einer Kreuzung in Eisenach steht, nicht weit entfernt von dem ehemaligen Gebäude des damaligen "Entjudungsinstituts". Ziel dieses Instituts war es, die jüdischen Wurzeln des Christentums zu vernichten, alle positiven Hinweise auf das Volk Israel und das Judentum aus der Bibel zu entfernen und die Lehre der evangelischen Kirche an die nationalsozialistische Ideologie anzupassen.

Menschen stehen vor einem Mahnmal aus Stahl
Am Montag wurde das Mahnmal in Eisenach enthüllt. Bildrechte: MDR/Samira Wischerhoff

Die Löcher in dem Mahnmal sollen daran erinnern, wie das Institut versucht hat, Teile des Judentums aus dem neuen Testament und dem evangelischen Gesangbuch zu entfernen. Ilse Junkermann, die Bischöfin der evangelischen Kirche Mitteldeutschland, hatte zu der Gedenkveranstaltung am Vormittag eingeladen und zusammen mit Vertretern von fünf weiteren Landeskirchen das Mahnmahl enthüllt.

Die Auseinandersetzung mit innerkirchlichem Antisemitismus vor und während des Nationalsozialismus ist auch heute noch ein wichtiges Aufgabenfeld. Argumentationsmuster, die immer noch im gesellschaftlichen Diskurs Verwendung finden, müssen identifiziert werden. Außerdem muss man sich mit den Biografien der haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiter des genannten Instituts befassen, auch mit ihren Karrieren im Nachkriegsdeutschland.

 Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 06. Mai 2019 | 18:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 06. Mai 2019, 18:42 Uhr

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14 Kommentare

08.05.2019 09:12 martin 14

@13 vigilando: Schon klar; die Reformation kam ja erst "ein paar Jahre später" - deshalb ja auch die Frage, ob sich die Katholiken Ihrer Meinung nach da völlig raushalten sollten....

Falls man den 30jährigen Krieg als tatsächlich religiös motiviert betrachtet, käme der als Alternative in Betracht.

Aber um zum ernsten Kern zurückzukehren: Ich finde es notwendig, dass eine Instanz die ethisches Handeln einfordert (egal ob eine Religion, Weltanschauung, ...) sich auch zu den Fehlern in der eigenen Historie bekennt - auch wenn es manchmal "etwas länger" dauert ....

07.05.2019 22:47 vigilando ascendimus 13

@Martin
Die Kreuzzüge waren nun eindeutige katholisch!

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