Am Opel-Werk in Eisenach warten Lkw-Fahrer darauf, ihre Ladung abliefern zu können. Bei der Produktion des Grandland X gibt es offenbar Probleme.
Am Opel-Werk in Eisenach stauen sich die Lkw. Offenbar läuft die Produktion des Grandland X nicht so wie geplant. Bildrechte: MDR/Ruth Breer

Eisenach Opel räumt Probleme beim Grandland-Start ein

Ende August hat Opel in Eisenach mit viel Pomp die Produktion des neuen Modells Grandland X gestartet. Für das Werk ein Neubeginn: Nach umfangreichen Umbauarbeiten wird jetzt anstelle der beiden Kleinwagen Adam und Corsa ein großes Auto gebaut. Wie das Handelsblatt berichtet, soll es beim Produktionsanlauf jedoch massive Probleme geben. Vor dem Werk stauen sich die Lkw.

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von Ruth Breer

Am Opel-Werk in Eisenach warten Lkw-Fahrer darauf, ihre Ladung abliefern zu können. Bei der Produktion des Grandland X gibt es offenbar Probleme.
Am Opel-Werk in Eisenach stauen sich die Lkw. Offenbar läuft die Produktion des Grandland X nicht so wie geplant. Bildrechte: MDR/Ruth Breer

Die Opel-Pressestelle versendet ein knappes Drei-Satz-Statement. Darin stellt sie fest, dass es "keine Schwierigkeiten" gebe, die Erwartungen der Kunden zu erfüllen - und ergänzt, dass der Grandland X ja an zwei Standorten produziert werde: neben Eisenach auch im französischen Sochaux, "wo die Produktion entsprechend angepasst wird". Der Eisenacher Betriebsratschef Bernd Lösche will sich gar nicht zum Artikel des Handelsblatts äußern, auch die IG Metall hält sich bedeckt. Zunächst bestätigen nur Insider MDR THÜRINGEN die Informationen des Zeitungsartikels: Es sei alles wahr. Am Montagabend meldet sich auf eine zweite Nachfrage ein Opel-Sprecher und räumt ein, es liefe noch nicht so, wie man sich das wünschen würde. Aber das sei in der Anlaufphase nicht ungewöhnlich. Die Umstellung sei diesmal sehr umfangreich gewesen.

Lkw-Staus vor den Werkstoren bei Opel in Eisenach

Schaut man rund um das Werk am Gries, dann vermittelt sich schon der Eindruck, dass etwas nicht ganz rund läuft bei Opel. Überall stehen viele Lastwagen. Am Montagvormittag warten mehr als 30 am Tor 2, stauen sich rechts und links der Zufahrt in langen Reihen. Vor Tor 1 sind eigens zwei große Lastwagenparkplätze mit mobilen Toiletten angelegt. Die weiß-türkisen Kunststoffhäuschen stehen dort erst seit drei Tagen, erzählt ein Brummifahrer. Er ist schon zwei Tage länger hier und wartet darauf, dass er seine Ladung los wird und neue mitnehmen kann. Ein anderer berichtet, dass er schon seit einer Woche hier parkt. Kaum ein Fahrer spricht deutsch, die Kennzeichen zeigen: Fast alle kommen aus Osteuropa, aus Polen, Tschechien, Rumänien.

Neue Parkplätze am Opel-Werk eingrichtet

Auf den beiden Plätzen stehen weitere knapp 30 Lastwagen, aber Opel erwartet offenbar noch mehr. Ein weiterer Parkplatz ist schon eingerichtet. Noch ist er mit Flatterband abgesperrt, daran die Schilder: Parken nur für Lkw. Es stimmt ganz offensichtlich etwas nicht mit dem Materialfluss.

Am Opel-Werk in Eisenach warten Lkw-Fahrer darauf, ihre Ladung abliefern zu können. Bei der Produktion des Grandland X gibt es offenbar Probleme.
Einige Lkw-Fahrer warten schon seit Tagen bei Opel. Mobile Toiletten sollen auf den Parkplätzen ein wenig Abhilfe schaffen. Bildrechte: MDR/Ruth Breer

In Zeiten termingenauer Produktion fehlen den Werken größere Lager, in denen Teile gesammelt werden können. Also bleiben sie auf den Lastwagen. Das spricht dafür, dass in den Montagehallen derzeit weniger produziert wird als geplant. Das Handelsblatt berichtet, es würden pro Schicht nur 90 statt 220 Autos vom Band laufen. Normalerweise wird die Produktion eines neuen Fahrzeugs schrittweise in einer Anlaufkurve hochgefahren. Das allein aber kann es nicht sein.

Insider spricht von Chaos bei Opel

Laut Zeitung ist das Werk mit rund 4.000 Fahrzeugen im Verzug. Schuld sein sollen beispielsweise der Einsatz von 20 Jahre alten Maschinen und Probleme mit der IT, die auf das System der neuen französischen Konzernmutter PSA umgestellt werden musste. PSA habe viel zu wenig Geld für den Modellwechsel eingeplant, teilte ein Insider MDR THÜRINGEN mit - auch seien die Teams überlastet, fehlten Mitarbeiter. Er berichtet von einem "unbeschreiblichen Chaos". Der Druck ist nun groß: Es wird laut Handelsblatt um Nachbesserung gestritten - und von den Beschäftigten Wochenend-Arbeit verlangt, um bei den Stückzahlen aufzuholen. Zu Zahlen sagt der Opel-Sprecher nichts. Es gehe, so sagt er, um "Systemoptimierung".

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 07. Oktober 2019 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 08. Oktober 2019, 13:36 Uhr

2 Kommentare

kruemel vor 1 Wochen

Ich höre immer nur Opel hier und Opel da. Die vielen Schlecker-Frauen und auch Bauarbeiter, die in der Vergangenheit ihre Jobs verloren haben wurden anscheinend schon vergessen. Wen juckt eigentlich Opel noch? Wenn die Operation GrandLand X vor die Wand geht, gehen in Eisenach ohnehin ein für alle Mal die Lichter aus. Und weiter…??? Die noch dort vorhandenen Mitarbeiter werden sich dann eben anderweitig um Arbeit kümmern müssen, genauso wie es vor Ihnen vielen tausenden Menschen gegangen ist, die ihren Job verloren haben. Und weiter??? Flexibilität nennt man das!! Deutschland ist groß und bietet viele Möglichkeiten auch außerhalb der Automobilindustrie mit all seinen Zulieferern. Der Markt im Kapitalismus regelt und regeneriert sich immer selber! Herrscht ein Überangebot, wird der ein oder andere Anbieter nun mal vom Markt verschwinden…Das war in der Vergangenheit immer so und wird in Zukunft auch so bleiben. Also hört auf zu heulen und nutzt lieber eure Chancen....

part vor 1 Wochen

Das geschieht dem Konzern recht, der am SUV- Wahnsinn festhält und sich keine Gedanken macht über seine eigene Geizgeilheitsmentalität. Doch weniger Opel auf europäischen Straßen bedeutet gleichzeit mehr Mobilität, weniger Unfälle und mehr Beschleunigung sowie weniger Streß bei vorausfahrenden ....- Fahrern.

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