Rennsteig Hoffnung für marodes Schloss "Hohe Sonne"

35 Jahre Leerstand haben am früheren Jagdschloss "Hohe Sonne" bei Eisenach ihre Spuren hinterlassen: das Gebäude ist stark geschädigt. Doch jetzt versucht ein neuer Eigentümer, die Anlage wiederzubeleben. Nebengebäude werden abgerissen, eine Wanderherberge mit Gastronomie ist geplant. Das barocke Schloss soll noch in diesem Jahr gesichert werden.

Verfallenes Gebäude
Das Jagdschloss "Hohe Sonne" erwacht aus dem Dornröschenschlaf. Bildrechte: MDR/Ruth Breer

"Die 'Hohe Sonne' ist ein gesegneter Ort", sagt der Eisenacher Architekt Michael Salzmann. Allein schon der Name! "Wenn in Eisenach Nebel ist, dann scheint auf der Hohen Sonne die Sonne, gibt es in Eisenach Schneematsch, liegt oben Schnee." Direkt am Rennsteig tummeln sich Einheimische und Urlauber, der Parkplatz ist fast immer voll. Eine touristische Nutzung könnte die Zukunft sichern, ist Salzmann überzeugt: "Da kann man nichts falsch machen, die Touristen sind schon da, nur die Location stimmt nicht."

Gewölbtes Parkett und eingestürzte Decken

Das ist wohl wahr. 1985 schloss die HO ihre Gaststätte "Hohe Sonne" im früheren Jagdschloss, schon damals aufgrund von Baumängeln. Seither liegt die Schlossanlage weitgehend im Dornröschenschlaf. Das eigentliche Schloss, der Mittelbau der Anlage, hat stark gelitten und bröckelt schon von außen. Innen aber sieht es noch schlimmer aus: Im einstigen Speisesaal wellt und wölbt sich das Parkett, von der Decke und von den Wänden blättert die Farbe.

An einigen Stellen hat Feuchtigkeit bereits Decken einstürzen lassen, gleich durch zwei Etagen kann man nach oben schauen. Schutt liegt an manchen Stellen fast kniehoch. Traurig sieht es im hinteren Saal aus, der im barocken Stil erhalten ist, mit Stuckdekoren und Ofennischen. Auch dort hat die Decke nachgegeben, Eindringlinge haben Stuck und Wände mit Silberfarbe besprüht.

Schloss "Hohe Sonne" erwacht aus dem Dornröschenschlaf

Winterlandschaft
So sah das barocke Jagdschloss "Hohe Sonne" am Rennsteig mal aus. Im 18. Jahrhundert ließ Herzog Ernst August I von Sachsen-Weimar-Eisenach die Anlage als Jagdschloss errichten. Im Jahr 1900 folgte ein größerer Umbau. Bildrechte: MDR/Ruth Breer
Winterlandschaft
So sah das barocke Jagdschloss "Hohe Sonne" am Rennsteig mal aus. Im 18. Jahrhundert ließ Herzog Ernst August I von Sachsen-Weimar-Eisenach die Anlage als Jagdschloss errichten. Im Jahr 1900 folgte ein größerer Umbau. Bildrechte: MDR/Ruth Breer
Verfallenes Gebäude
So sieht die "Hohe Sonne" aktuell aus. Links im Hintergrund der Küchenbau, auch als "Kleine Sonne" bekannt. Sie muss dem Bagger weichen, wie auch der Marstall auf der anderen Seite des Haupthauses. Bildrechte: MDR/Ruth Breer
Mann
Er arbeitet an den Plänen, um der Schlossanlage eine Zukunft zu verschaffen: Architekt Michael Salzmann vom Eisenacher Büro bpe Bildrechte: MDR/Ruth Breer
Imbiss Biergarten
Bislang empfängt nur ein kleiner Imbiss die Wanderer am Rennsteig. Bildrechte: MDR/Ruth Breer
Plan
Der Plan des Architekturbüros für das Ensemble aus Jagdschloss und "Kleiner Sonne". Das Schloss soll Hotel werden, der Küchenbau eine Wanderherberge mit Gastronomie. Mehrere Anbauten sind geplant. Bildrechte: MDR/Ruth Breer
Raum in verfallenem Gebäude
35 Jahre Leerstand. Weil viel Feuchtigkeit eindrang, wellt sich das Parkett stark. Bildrechte: MDR/Ruth Breer
Raum in verfallenem Gebäude
In vielen Räume ist die Decke eingebrochen. Bildrechte: MDR/Ruth Breer
Raum in verfallenem Gebäude
Irgnedwo unter dem Vandalismus verstecken sich barocker Stuck und Ofennischen. Bildrechte: MDR/Ruth Breer
Bagger neben Gebäude
Das Haupthaus steht unter Denkmalschutz. Alles andere wird neu gebaut. Aus der "kleinen Sonne" wurden mehrere Container Schutt geholt. Bildrechte: MDR/Ruth Breer
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Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Das Fazit vom Tag | 25. Oktober 2020 | 18:10 Uhr

Abriss des Küchenbaus

Doch der Dornröschenschlaf scheint vorerst vorbei zu sein. Rund um die Gebäude ist das Unterholz gerodet. Neben dem Küchenbau links vom Schloss stehen Container und ein Bagger. Das Gebäude, auch bekannt als "Kleine Sonne", ist bereits entkernt und wird in diesen Tagen abgerissen. Vom Marstall und einem weiteren Nebengebäude ist nur noch ein Trümmerhaufen übrig.

Den Abriss hat die Stadt genehmigt. Als erhaltenswertes Denkmal gilt nur noch der Mittelbau des Schlosses. Die "Kleine Sonne" und der Marstall sollen in alter Kubatur neu entstehen als Wanderherberge mit Gastronomie. In einem zweiten Schritt soll das Schloss restauriert und zum Hotel werden. Zuletzt, so der Plan, werden auch die Außenanlagen wieder hergestellt, der barocke Terrassengarten und die Allee Richtung Wilhelmsthal.

Mann
Architekt Michael Salzmann Bildrechte: MDR/Ruth Breer

Bratwurst und Bionade

In seinem Eisenacher Büro stellt Michael Salzmann die Pläne für den Ersatzneubau vor. Im Erdgeschoss die Gastronomie: schlicht, aber hochwertig. "Bratwurst und Bionade", sagt Salzmann - der normale Wanderer sei eher ein Bildungsbürger. Im Obergeschoss sind zwölf Zimmer geplant mit Unterkünften für Wanderer. Die Baugenehmigung erwartet Salzmann demnächst und hofft, dass die Wanderherberge im Spätherbst 2021 stehen wird.

Dazu zwei Kläranlagen auf dem Grundstück, um das Abwasserproblem zu lösen. Nicht das einzige in der besonderen Lage im Thüringer Wald. Die Vielzahl der Probleme mit Wasser und Abwasser, Denkmalschutz, Naturschutzrecht und der nahen Bundesstraße, so erzählt Salzmann, habe in der Vergangenheit verhindert, dass sich an der Hohen Sonne etwas entwickeln konnte.

Imbiss Biergarten
Wo jetzt noch Imbiss ist, sollen bald Wanderer übernachten können. Bildrechte: MDR/Ruth Breer

Erfolgreiche Investorensuche

Mehrfach wechselte die Schlossanlage in den vergangenen 30 Jahren den Besitzer. Zuletzt gehörte es einer Firma in der Schweiz. Der reichten offenbar die Pachteinnahmen vom Imbiss, sonst tat sich nichts mehr. Salzmann gelang es, die Firma davon zu überzeugen, mit ihm einen Vertrag über eine Projektentwicklung abzuschließen.

Er machte Pläne, sprach mit der Denkmalbehörde und suchte nach einem Investor - und die Schweizer verpflichteten sich im Gegenzug, nicht an andere zu verkaufen. Das hat letztlich geklappt: Salzmann gewann "Rebo Consult", ein Unternehmen aus Unterbreizbach für seine Pläne, im vergangenen Jahr haben die Thüringer die Schlossanlage gekauft.

Fünf Millionen Euro für Wanderherberge

Geschäftsführer Dirk Bodes kennt die Hohe Sonne seit Jahren. Er sei mindestens 200 Mal dort vorbeigefahren und habe sich immer gewundert, dass nix passiert, sagt er am Telefon. Dass der Standort touristisch funktioniere, davon sei er fest überzeugt. Von den Behörden fühlt sich Bodes gut unterstützt. Fünf Millionen Euro investiert das Unternehmen in den ersten Bauabschnitt, die Wanderherberge.

Was die Sanierung des barocken Schlossbaus kosten wird? Schwer zu sagen, meint Bodes und verweist auf den schlechten Zustand, die einfache Holzrahmenbauweise und die Wände voller Schwamm. Noch im Herbst sollen das Gebäude gesichert, Stuckelemente und das markante Türmchen abgenommen werden, damit keine weiteren Schäden entstehen. "Das können Sie nicht allein lösen", sagt Bodes und hofft auf Fördermittel. Schließlich solle die Hohe Sonne wieder "ein bisschen Highlight werden".

Raum in verfallenem Gebäude
Noch sehen die Decken schlimm aus. Bildrechte: MDR/Ruth Breer

Baugeschichte Hohe Sonne In den 1740er-Jahren hatte Baumeister Gottfried Heinrich Krohne die Schlossanlage am Rennsteig im Auftrag des Herzog Ernst August I von Sachsen-Weimar-Eisenach erbaut. Geschaffen wurden damals Blickbeziehungen zur Wartburg und zum Schloss Wilhelmsthal. Um das Jahr 1900 herum wurde das Jagdschloss umfangreich um- und ausgebaut. Auch in der Folgezeit erhielt es noch Anbauten. Zum Ensemble gehören zwei weitere Gebäude: auf der Linken ein Küchenbau, die sogenannte "Kleine Sonne" mit Marstall, auf der Rechten das "Jägerhaus", das das Land Thüringen separat verkaufte.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Das Fazit vom Tag | 25. Oktober 2020 | 18:10 Uhr

2 Kommentare

Insomnia vor 5 Wochen

Schön, dass sich was tut! Als Einheimische vermeiden wir die Hohe Sonne beim Wandern zwar jetzt schon (zumindest bei gutem Wetter), weil es dort sowie in der Drachenschlucht stets völlig überlaufen ist. Aber das zeigt ja nur, dass es für touristische Zwecke bestens geeignet ist und sich auch finanziell für den Investor lohnen sollte.

Leider passiert auch an vielen anderen schönen Orten rund um Eisenach nicht viel. Es wäre sehr wünschenswert, die Stadt und umliegende Gemeinden würden in ein besseres Wanderwegenetz und durchgehender Ausschilderung und thematischen Rundwanderwegen investieren. Viele Wege sind immer schlechter begehbar, z.B. an den Hörselbergen. Und gleichzeitig würde sich hier eigentlich so vieles thematisch anbieten, wie z.B. ein Themenwanderweg zur Sagen- und Märchenwelt. Die Gegend ist zu schön, um immer nur auf Wartburg und Rennsteig zu fokussieren.

MAENNLEiN-VON-DiESER-WELT vor 5 Wochen

Im zarten Alter von drei Jahren lernte ich hier meine erste Freundin kennen - 1976 !

Ach, wie hat sich die Zeit verändert. Ach, wie schön ist sie geblieben —

auch in ihrem heutigen morbiden Charme, die schöne Sonne ! 🌞

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