Blick auf die Mauer der Wartburg vor blauem Abendhimmel.
Blick auf die mächtige Mauer der Wartburg. Bildrechte: MDR/Stephan Flad

Touristen und Bauauflagen Wartburg: 20 Jahre Erfahrungen mit Weltkulturerbe

Wer ins Unesco-Welterbe aufgenommen wird, gehört zu den kulturellen Schwergewichten im Land und kann mit mehr Schutz und Aufmerksamkeit rechnen. Seit 20 Jahren schon zählt die Wartburg zum Welterbe. Dieser Adelsschlag brachte Lust, mitunter aber auch Last.

von Ruth Breer

Blick auf die Mauer der Wartburg vor blauem Abendhimmel.
Blick auf die mächtige Mauer der Wartburg. Bildrechte: MDR/Stephan Flad

Die gute Nachricht erfuhr Burghauptmann Günter Schuchardt vor 20 Jahren morgens im Radio - und war völlig überrascht. Keiner der vielen Gutachter, die im dem siebenjährigen Antragsverfahren die Wartburg besuchten, hatte durchblicken lassen, ob die Bewerbung Aussicht auf Erfolg habe. Dann aber gelang im ersten Anlauf die Aufnahme ins Welterbe. Schuchardt erinnert sich an viele Glückwünsche, auch von Verwaltern bereits bestehender Welterbestätten. Sie hätten scherzhaft geschrieben, nun seien alle Sorgen vorbei, es kämen Besucher ohne Ende und die Kassen würden nie leer sein.

Mehr Besucher vor allem aus dem Ausland

Konzertgäste laufen Richtung Hauptgebäude auf dem Gelände der Wartburg.
Inzwischen steigt der Anteil ausländischer Besucher Bildrechte: MDR/Stephan Flad

Das Etikett "Welterbe" zieht vor allem Weitgereiste an. Inzwischen kommt jeder vierte der rund 300.000 Gäste, der im Jahr eine Führung auf der Wartburg bucht, aus dem Ausland, allen voran US-Amerikaner und Niederländer. Vor 20 Jahren waren es noch deutlich weniger, schwankte der Anteil zwischen neun und 16 Prozent. Auch Besucher aus Asien planten häufig ihre Auslandsaufenthalte mit Hilfe der Welterbe-Liste, sagt Günter Schuchardt. Ihre Zahl ist in den vergangenen Jahren gestiegen.

35 Millionen Euro Investitionen in die Burg

Mit dem Titel sind keine direkten materiellen Vorteile verbunden. Allerdings verpflichten sich alle beteiligten staatlichen Stellen bereits im Antragsverfahren, die künftige Welterbestätte in einem guten Zustand zu halten. Das erleichtere den Zugang zu Fördermitteln, sagt der Burghauptmann. Mit einem Programm des Bundes, das eigens für die Welterbe-Orte aufgelegt wurde, konnten die Burgmauern aufwändig restauriert und gesichert werden. Insgesamt, so schätzt Schuchardt, flossen in den vergangenen 20 Jahren mit Hilfe von Bund und Land rund 35 Millionen Euro in die Bausubstanz. Zuletzt wurde zum Reformationsjubiläum die Vorburg saniert.

Wartburg
Geld von der UNESCO gibt es nicht für die zahlreichen Bauaktivitäten auf der Burg - der Titel hilft aber bei Fördermittelgebern Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Lust – und Last des Welterbe-Status

Beim Thema Bau allerdings zeigt sich auch eine Kehrseite des Welterbe-Status. Alle größeren Arbeiten und Nutzungsänderungen müssen mit den Experten vom internationalen Denkmalrat Icomos abgestimmt werden.

...und am unteren Ende angebaut.
Gebaut wird nicht nur an Vorzeigestellen: Sanierung der Zisterne Bildrechte: MDR/Ruth Breer

Sie kommen ohnehin etwa jährlich zu Besuch und schauen nach dem Rechten. Denn zwei Werte halten die Welterbe-Hüter ganz hoch: Authentizität und Unversehrtheit. Wer dagegen verstößt, riskiert Ärger und letztlich den Titel. Da wird schon mal genauer nachfragt, ob dieses oder jenes alte Bauteil tatsächlich aus statischen Gründen weichen muss. Deshalb versuche die Wartburg-Stiftung, "Unesco-konform" zu planen und zu bauen, sagt Schuchardt. Man warte vor Bauarbeiten stets das O.K. aus Paris ab.

Problem Barrierefreiheit im Denkmal

Das scheint gut zu funktionieren - an einem Punkt aber kollidieren die Unesco-Regeln seit Jahren mit den Plänen der Wartburg-Stiftung: wenn es um die Erreichbarkeit und die Barrierefreiheit der Burg geht. Gerade für ältere Besucher oder Menschen mit Behinderungen ist der steile Aufstieg ein starkes Hindernis. In der Vergangenheit kollabierten immer wieder Menschen auf der Burg, es gab sogar schon Todesfälle.

Für Busreisegruppen sind die Kleinbusse, die vom Parkplatz bis vor das Burgtor pendeln, sehr zeitraubend: sie fassen jeweils nur acht Besucher. Seit den 1990er-Jahren gab es deshalb immer wieder neue Pläne, um den Weg in die Burg zu erleichtern: vom Stollenbau zu einem Aufzug über einen Sessellift bis zum Schrägaufzug auf Schienen. Alles lehnte die Unesco bisher ab - zu groß die Eingriffe in die Substanz oder in die Blickbeziehungen. Burghauptmann Günter Schuchardt hofft, dass es mittelfristig zum Umdenken und zu einer Lösung kommt. Barrierefreiheit und Denkmalschutz dürften kein Widerspruch sein, sagt er, Menschen mit Behinderungen hätten ein Recht auf Teilhabe, also auch auf den Burgbesuch. Das umzusetzen und den Welterbetitel zu behalten - das bleibt eine Zukunftsaufgabe.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Zuletzt aktualisiert: 04. Dezember 2019, 05:00 Uhr

2 Kommentare

Immen weiter verdrehen bis es passt vor 2 Tagen

Die armen Esel, ich wiege 120 kg.

kpmdr2019 vor 2 Tagen

Keine Aufzuege oder mehr Busse sondern mehr Esel zum Behinderten Transport auf die Wartburg...

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