Ein Mann guckt in die Kamera
Teamleiter bei Bosch: Marcel Beez Bildrechte: MDR/Julian Theilen

Wendekinder in Führungspositionen Marcel Beez: Vom Koch zum Teamleiter

Marcel Beetz war erst Koch und dann ein fleißiger Betriebswirt für Logistik. Sein Potential haben die Vorgesetzten erst spät erkannt. Nun ist er Teamleiter. Warum das auch an besserer Selbstvermarktung liegt, hat er uns im Bosch-Werk in Eisenach erzählt.

von Julian Theilen

Ein Mann guckt in die Kamera
Teamleiter bei Bosch: Marcel Beez Bildrechte: MDR/Julian Theilen

Essen und Trinken wird man immer. Das  haben ihm seine Eltern gesagt. Und weil ihm auch das Schulpraktikum in der Hotelküche gefallen hat, fängt Marcel Beez mit 15 Jahren in Suhl eben eine Kochausbildung an. Es herrscht Anfang der Neunziger auch in Suhl große Joblosigkeit. Die Eltern von Marcel Beez sind also froh, dass ihr Sohn überhaupt etwas findet. Heute, fast 25 Jahre später, ist Marcel Beez kein Koch mehr, sondern Leiter der Innovationslogistik bei Bosch in Eisenach.

Als Koch fehlten ihm die Perspektiven

"Mir haben irgendwann in der Gastronomie die Perspektiven gefehlt. Der Beruf hat mich intellektuell nicht ganz ausgefüllt, und ich wollte ins Management." Also studiert Beez in Schmalkalden Betriebswirtschaft mit Schwerpunkt Logistik und Produktion, schreibt seine Diplomarbeit bei Bosch. Von dort an begleiten ihn stickige Produktionshallen statt die Gerüche in einer Großküche. "Tatsächlich sind Logistik und Küche von den Aufgaben her ähnlich. In beiden Berufen brauchst du die richtigen Zutaten im richtigen Moment", sagt Beez und meint mit Zutaten in der Logistik vor allem Güter- und Informationsströme.

Beez entdeckt das Eigenmarketing für sich

Ein Mann sitzt auf einer Holzpalette
Marcel Beez steuert in der Logistik Güter- und Informationsströme. Bildrechte: MDR/Julian Theilen

Nun ist Beez Gruppenleiter. Es hat jedoch lange gedauert, bis er sich aus der Deckung getraut hat. Ständig weiterentwickeln wollte er sich schon immer, sagt er. Oft fehlte ihm aber der Mut, damit auch nach außen zu treten. "Ich war sehr introvertiert und deshalb nicht so sichtbar bei den Entscheidern. Ich war immer der Meinung: Leistung ist das, was wirklich zählt."  Eigenmarketing, Eigendarstellung aber auch. Deshalb holte sich Beez Ratschläge bei Führungskräften, wie er sich besser verkaufen kann. Dazu gehören auch die richtigen Netzwerke. Am Anfang empfindet er Kontaktpflege noch als anbiedernd. Doch diese Zweifel lässt er schnell hinter sich:  "Diese Beziehungen muss man einfach pflegen. Ich versuche regelmäßig zu meinen wichtigen Ansprechpartnern Kontakt zu halten."

Es ist auch dieser gewonnene Pragmatismus, der ihn in die Führungsposition gehievt hat. Soziologen weisen schon länger auf die Bedeutung von Netzwerken für den sozialen Aufstieg hin. Laut Axel Salheiser von der Universität Jena ist es vor allem Ostdeutschen nicht gelungen, in diese Netzwerke vorzustoßen. Zur Kontaktpflege gehören mittlerweile auch die sozialen Medien, besonders auch Berufsportale. 

Abteilungsleiter? Ein Auslandsaufenthalt ist Pflicht

Beez hat Ende vergangenen Jahres die Stelle als Gruppenleiter bei Bosch übernommen. Er ist seitdem für acht Mitarbeiter verantwortlich. In den nächsten Jahren komme für ihn ein Jobwechsel kaum in Frage, betont er. Aber danach, daraus macht er keinen Hehl, kann er sich eine Abteilungsleitung bei Bosch sehr gut vorstellen. Dann hätte er knapp 150 Kollegen zu führen. Aber Beez weiß auch, dass er dafür investieren muss. Ein Auslandsaufenthalt von zwei bis drei Jahren ist bei Bosch Pflicht, um eine Abteilung zu übernehmen. Und spätestens jetzt wird klar, dass neben Selbstvermarktung und Netzwerken auch die Flexibilität eine Rolle spielt, um in der Hierarchie weiter aufzusteigen. Noch hat Beez keine Familie. Die USA reizen ihn.

Sein Ehrgeiz spiegelt Beez´ bisherige Karriere wider: "Ich möchte immer besser werden und meine eigenen Grenzen ausloten", sagt er auf dem Weg zum Werkstor und wirkt dabei nicht verbissen. "Und wenn der Job Spaß macht, ist die Position zweitrangig." 

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Fazit | 13. Juni 2019 | 18:10 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 17. Juni 2019, 09:50 Uhr

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