Ein Mann, Pfarrer Georg Heidbrink, und eine Frau, Jeanette Heidbrink, stehen nebeneinander und sind in Finsterbergen das Prinzenpaar.
Bütt statt Kanzel: Pfarrer Georg Heidbrink und seine Frau Jeanette. Bildrechte: MDR/Ruth Breer

Finsterbergen Zum Karneval steigt der Pfarrer in die Bütt

Einmal Karnevalsprinz sein - für einen Rheinländer ist das kein ungewöhnlicher Traum. Für einen Pfarrer allerdings schon. In Finsterbergen halten Pfarrer Georg Heidbrink und seine Frau Jeanette in der 44. Saison das närrische Zepter in der Hand. Vom Karneval kann man durchaus für die Kanzel lernen, meint der Theologe.

Ein Mann, Pfarrer Georg Heidbrink, und eine Frau, Jeanette Heidbrink, stehen nebeneinander und sind in Finsterbergen das Prinzenpaar.
Bütt statt Kanzel: Pfarrer Georg Heidbrink und seine Frau Jeanette. Bildrechte: MDR/Ruth Breer

"Ach wär ich nur ein einzig Mal - ein schmucker Prinz im Karneval" - mit diesem rheinischen Karnevalsschlager ist Gregor Heidbrink in Bonn aufgewachsen. Es sei schon "ein heimlicher Traum gewesen, mal da oben zu stehen", erzählt er - und den hat er sich jetzt erfüllt. Vor drei Jahren erstmals in der Bütt, nun Prinz.

Ein Mann, Pfarrer Georg Heidbrink, und eine Frau, Jeanette Heidbrink, stehen nebeneinander und sind in Finsterbergen das Prinzenpaar.
So sieht das Pfarrerehepaar im Alltag aus. Bildrechte: MDR/Ruth Breer

An seiner Seite Ehefrau Jeanette. Sie stammt aus der Nähe von Magdeburg und wäre von alleine nie darauf gekommen, diese Rolle zu übernehmen. Aber sie erfüllt ihrem Mann den Wunsch gern. Es sei eine "große Ehre und auch ganz schön, einmal Prinzessin zu sein". Blau und golden glänzen die prächtigen Gewänder des Prinzenpaares: sie mit kleiner Krone, er mit Pelzkragen und Barett. So halten sie Hof, und das nicht nur einmal. Allein sieben Büttenabende feiert der Finsterberger Karneval Klub in der Karnevalshochburg am Thüringer Wald. Fast immer sind alle 300 Plätze im rot-weiß geschmückten Saal des Gasthofs "Zur Linde" besetzt, das vierstündige Programm stemmt allein der FKK mit seinen rund 100 Mitgliedern.

Einen cooleren Verein gibt es hier nicht, sagt Pfarrer Heidbrink. Die beiden Wochenenden vor Rosenmontag hat er predigtfrei - sonst wäre das Programm nicht zu schaffen. Um die vier Kinder kümmern sich an den Abenden die eigens angereisten Großeltern.

Bütt statt Kanzel

Als Heiliger Martin stand der promovierte Theologe erstmals vor drei Jahren in der Bütt. Die Figur habe er geschaffen, um als Kirchenmann erkennbar zu bleiben und trotzdem ein kabarettistisches Programm machen zu können, mit Gitarre und Liedern. Das kam an. Und Heidbrink stellte fest, dass er von der Bütt für die Kanzel lernen kann: In der Bütt zählt das Timing, die Betonung, die präzise Sprache. Alles muss sitzen, damit Witze funktionieren, der Text ankommt. Auch wenn es eine ganz andere "Redegelegenheit" ist, wie der Pfarrer sagt. In der Kirche kennt er sein Stammpublikum, beim Karneval nicht. Bei seinen Predigten versucht er heute mehr an das gesprochene Wort zu denken - "mehr wie Harald Schmidt zu sprechen als wie ein Theologieprofessor".

Ein Mann, Pfarrer Georg Heidbrink, und eine Frau, Jeanette Heidbrink, stehen nebeneinander und sind in Finsterbergen das Prinzenpaar.
Und so als Prinzenpaar im Karneval Bildrechte: MDR/Ruth Breer

Trotz der Pflichten als Prinz steigt er auch dieses Jahr wieder in die Bütt. Als Förster tritt Gregor Heidbrink gemeinsam mit seiner knapp zwölfjährigen Tochter Sarah auf. Er als etwas spießiger Vater, der Wert auf gemeinsame Sonntagsausflüge legt - sie als kesse Göre mit Handy in der Hand, die Wandern öde findet. Sarah verrät, dass der Vater viel aufgeregter vor den Auftritten ist als sie. Er habe großes Lampenfieber, sagt Heidbrink, sei schon 20 bis 30 Minuten vorher "im Tunnel", ganz konzentriert, spiele die Gitarre warm und prüfe, ob die Batterien reichten.

Aber diese Anspannung kennt er auch vom Heiligabend-Gottesdienst, bei manchen Beerdigungen oder Hochzeiten. Die sei wichtig, sagt er. Und erzählt, dass er viel übt für die Auftritte im Karneval. Er sei "kein spontaner Kasper", alles müsse durchdacht und geprobt sein.

Tanzen lernen über das Internet

Ein Mann, Pfarrer Georg Heidbrink, und eine Frau, Jeanette Heidbrink, stehen nebeneinander und sind in Finsterbergen das Prinzenpaar.
Als Förster in der Bütt, gemeinsam mit Tochter Sarah Bildrechte: MDR/Ruth Breer

Die größte Herausforderung für die Aufgabe als Prinzenpaar war aber weder die Rede noch das Kostüm, sondern: das Tanzen. Das musste das Ehepaar erst lernen und üben. Mit Anleitungen aus der Internet-Plattform YouTube, erzählt Heidbrink, haben er und seine Frau sich die notwendigen Schritte "draufgeschafft". Immer, wenn eine Viertelstunde Zeit war im stressigen Alltag. Auch das hat offenbar gut geklappt. Die Präsidentin des FKK, Liane Heft, ist voll des Lobes über die närrischen Hoheiten: "Sie sind mit Herz und Seele dabei, schlagen sich prima - und wir sind froh und stolz, dass wir die beiden haben."

Quelle: MDR THÜRINGEN

Zuletzt aktualisiert: 04. Februar 2018, 06:40 Uhr

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