Wolf läuft in Fotofalle
Ein Wolf in der Fotofalle (Archivbild). Bildrechte: NABU Thüringen

Der Abschuss von Wölfen soll leichter werden Zielscheibe trotz Artenschutz?

Das Bundeskabinett hat ein neues Gesetz zum Umgang mit dem Wolf auf den Weg gebracht. Nach Wolfsrissen soll es künftig einfacher sein, Raubtiere in der Region abzuschießen. Das sieht der Gesetzentwurf von Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) vor. Demnach sollen künftig schon "ernste" Schäden für Nutztierhalter als Grund für die Bejagung ausreichen.

von Sandra Voigtmann

Wolf läuft in Fotofalle
Ein Wolf in der Fotofalle (Archivbild). Bildrechte: NABU Thüringen

Zuchtbetriebe müssen für dieses Vorgehen nun nicht mehr in ihrer Existenz bedroht sein. Die Wölfe dürfen auch dann geschossen werden, wenn unklar ist, welches Tier genau zum Beispiel eine Schafherde angegriffen hat. In Thüringen gibt es bisher eine nachgewiesene Wölfin mit festem Revier bei Ohrdruf im Landkreis Gotha.

Umweltministerium begrüßt das Schließen von Gesetzeslücken

Das Thüringer Umweltministerium begrüßt, dass Regelungslücken, die im Zusammenhang mit dem Wolf im Bundesnaturschutzgesetz vorhanden sind, nun geschlossen werden - insbesondere die Abschusserlaubnis für Wolf-Hund-Hybriden. Wichtig sei aus Sicht des Ministeriums auch, dass endlich ein Fütterungsverbot von Wölfen gesetzlich verankert werde. Das sieht auch der NABU Thüringen so. Immer wieder würden Hobby-Jäger oder Fotografen Wölfe anfüttern, so Silvester Tamás, Sprecher der Landesarbeitsgruppe Wolf und Luchs beim NABU Thüringen.

Dass Wölfe allerdings auch dann geschossen werden können, wenn unklar ist, welches Tier genau angegriffen hat, hält Tamás für einen Schnellschuss. Ähnlich sieht das der BUND Thüringen, dem der Gesetzentwurf zu weit geht. Er schwäche den Artenschutz. Die dort enthaltenen Änderungen zum erleichterten Abschuss von Wölfen bezögen sich teilweise nicht nur auf den Wolf. Quasi durch die Hintertür würde auch der Schutz vieler anderer Arten geschwächt wie Fischotter, Eisvogel oder Kranich. Das ist für uns nicht akzeptabel, so Burkhard Vogel, Landesgeschäftsführer des BUND gegenüber MDR THÜRINGEN. Dass nach Rissen von Weidetieren ganze Wolfsrudel abgeschossen werden können, sei der falsche Weg. Stattdessen ist es nach Ansicht des BUND Thüringen notwendig, den Wolf zu identifizieren, der die Schäden verursacht, und diesen nach klaren Kriterien zum Abschuss freizugeben. Das sieht auch NABU-Wolfsexperte Tamás so: "Der gesunde Menschenverstand verbietet es, dass ein Wolf abgeschossen wird, ohne zu wissen, ob er überhaupt ein Weidetier gerissen hat."

Naturschützer wünschen sich mehr Unterstützung der Schafzüchter

Kritisch wird auch die Abschusserlaubnis für Wölfe gesehen, wenn "ernste" Schäden für Nutztierhalter drohen. Das sei zu unkonkret und Auslegungssache, so Tamás und Umweltministerium. Letzteres hätte sich eine konkretisierende Regelung gewünscht, so ein Sprecher des Thüringer Umweltministeriums. Es hätte hier die Möglichkeit bestanden, praxisorientierte und vor allem vollzugsfreundliche Regelungen zu treffen. Dies sei mit der gewählten Formulierung nicht gelungen. Sowohl BUND als auch NABU hätten sich eine stärkere finanzielle und technische Unterstützung der Schafzüchter gewünscht. Stärkerer Herdenschutz sei die bessere Alternative zum Abschuss von Wölfen. Schließlich stehe der Wolf unter Artenschutz.

Bauernverband begrüßt Erlaubnis zur Jagd

Laut Thüringer Bauernverband war es dagegen längst überfällig, die Hürden für den Abschuss von Wölfen herabzusetzen. Auch der Abschuss der Ohrdrufer Wölfin wird für die Schäfer jetzt wieder zum Thema. Die Erfahrungen hätten gezeigt, dass die Herdenschutzmaßnahmen nicht ausreichend vor Angriffen schützen können. Die in Thüringen ansässige Wölfin hat den betroffenen Schäfern in den letzten Jahren nicht nur „ernste Schäden“ zugefügt, sagte ein Sprecher des Thüringer Bauernverbandes MDR THÜRINGEN. Hier sei es durchaus gerechtfertigt von „existenziellen“ Schäden zu sprechen. Allein im Jahr 2019 gingen sechs Nutztierrisse nachweislich auf das Konto der Ohrdrufer Wölfin. Darunter auch zwei Fohlen. Bei weiteren Rissen stünden die amtlichen Ergebnisse noch aus. Die Dunkelziffer der gerissenen Tiere dürfte viel höher liegen. Das beweist laut Thüringer Bauernverband, dass die Wölfin den Hybriden beigebracht hat, über die Schutzzäune zu springen und gezielt Nutztiere zu reißen. Vor diesem Hintergrund begrüße man, dass weitere Mitglieder des Rudels oder das ganze Rudel sowie Hybriden geschossen werden dürfen.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | MDR THÜRINGEN Nachrichten | 22. Mai 2019 | 22:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 22. Mai 2019, 20:48 Uhr

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1 Kommentar

23.05.2019 06:46 Hans dampf 1

Ein guter Tag für Thüringen.

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