Eine Wölfin mit Zitzen auf einer Straße
Ein Bild der Ohrdrufer Wölfin von einer Fotofalle aus. (Archivbild) Bildrechte: MDR/Thüringer Ministerium für Umwelt, Energie und Naturschutz

Natur Bauernverband beantragt Abschuss der Ohrdrufer Wölfin

27 Wolfsübergriffe allein im Jahr 2019 weist das Thüringer Umweltministerium in seiner Statistik aus – mit 42 toten oder verletzten Weidetieren. Zu viel, findet der Thüringer Bauernverband und verlangt nun die Freigabe zum Abschuss der Ohrdrufer Wölfin vom Umweltministerium. Die Behörde schließt eine Genehmigung dafür nicht aus - wenn nachgewiesen ist, dass das Tier hohe Zäune überwindet.

Eine Wölfin mit Zitzen auf einer Straße
Ein Bild der Ohrdrufer Wölfin von einer Fotofalle aus. (Archivbild) Bildrechte: MDR/Thüringer Ministerium für Umwelt, Energie und Naturschutz

Der Thüringer Bauernverband hat am Freitag offiziell den Abschuss der Wölfin von Ohrdruf beantragt. Der Verband übergab ein Schreiben an das Umweltministerium in Erfurt und erklärte, die Wölfin sei aus Sicht der Tierhalter zum Problemfall geworden, da sie sich auf das Reißen von Nutztieren spezialisiert habe und ihre Fähigkeiten an ihre Nachkommen weitergebe. Außerdem überwinde sie selbst hohe Weidezäune. Der Verband sieht daher die Kriterien für eine sogenannte Entnahme der Wölfin erfüllt.

Umweltministerium schließt Abschuss nicht aus

Das Umweltministerium schließt eine solche Genehmigung nicht aus. Umweltstaatssekretär Olaf Möller (Grüne) sagte MDR THÜRINGEN, wenn zweifelsfrei feststehe, dass die Wölfin mehrfach die Weidezäune überwunden habe, werde das Land aktiv. Bisher fehlten dafür aber noch die Beweise.

CDU contra Nabu

Unterstützt werden die Landwirte von der CDU-Fraktion im Thüringer Landtag. Deren Agrarexperte Marcus Malsch sagte, die Wölfin und ihr Nachwuchs seien eine Gefahr nicht nur für die umgebende Landwirtschaft. Naturschützer halten den Abschuss der Wölfin dagegen für überzogen und strafrechtlich relevant. Der Naturschutzbund (Nabu) meint, es fehle der Nachweis dafür, dass die Wölfin für die zahlreichen Schafsrisse tatsächlich verantwortlich ist.

"Untypisches Verhalten"

Dies Wölfin hatte in diesem Jahr erneut Junge zur Welt gebracht, die von einem Haushund abstammen. Für die Landwirte sind spätestens damit die Kriterien erfüllt, die einen Abschuss – oder im Verwaltungsdeutsch "die Entnahme" der an sich streng geschützten Wölfin rechtfertigen. Sie zeige ein untypisches Verhalten, indem sie sich bereits zum zweiten Mal mit einem Haushund gepaart hat. Sie überspringe auch die neuen höheren Zäune von 1,20 Meter Höhe, die von den Schäfern rund um Ohrdruf noch extra mit Flatterband versehen worden waren. Und sie stelle die Schäfer vor existenzielle Herausforderungen – so einige der Punkte in der Begründung des Antrags.

Zunahme von Wolfsübergriffen

Ein gerissenes Schaf liegt auf einem Feld.
Anfang Juli hatte mutmaßlich ein Wolf ein Schaf auf dem Truppenübungsgelände in Ohrdurf gerissen. (Archivfoto) Bildrechte: Gerd Steuding

Bei der ersten Welle der Wolfsrisse im Jahr 2017 hatte es bis Ende Juli 14 Wolfsrisse gegeben – in zwei Nächten. In diesem Jahr wurden bis Ende Juli bereits 27 Wolfsübergriffe verzeichnet – mit 42 toten oder verletzten Weidetieren. Inzwischen betrifft es nicht nur Schafe und Ziegen, sondern es wurden auch Fohlen und Kälbchen gerissen. Das geht aus der Statistik des Thüringer Umweltministeriums hervor. Der Bauernverband beklagt, dass bisher der Tierschutz-Aspekt in der Wolfs-Debatte zu kurz gekommen ist. Das "Tierleid auf der Koppel" müsse stärker in den Fokus genommen werden.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 02. August 2019 | 12:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 02. August 2019, 05:00 Uhr

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20 Kommentare

04.08.2019 07:58 Hans Dampf 20

Abschuss sofort!

03.08.2019 18:33 martin 19

@18 rasselbock: Interessanter Gedanke - aber leider nicht durchführbar, weil: Was hat der Bauernverband mit der Natur zu tun? Da gibt es meines Wissens keine Berührungspunkte, die eine Entnahme aus der Natur ermöglichen würden ....

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