Bundeswehr Gothaer Aufklärer werden nach Mali und Litauen geschickt

Porträt Autor Dirk Reinhardt
Bildrechte: MDR/Dirk Reinhardt

Wieder einmal schickt die Bundeswehr Soldaten und Soldatinnen aus Thüringen in den Auslandseinsatz. Rund 130 Aufklärer aus Gotha werden ab März im westafrikanischen Mali Dienst im Rahmen der UN-Mission Minusma machen. Etwa 50 weitere Angehörige des Bataillons verlegen im April nach Litauen zur EFP-Battlegroup der Nato. Dort lösen sie auch die Panzergrenadiere aus Bad Salzungen ab, die seit Sommer in dem baltischen Land waren.

Appell der Bundeswehr in Mühlberg
Appell der Bundeswehr in Mühlberg Bildrechte: MDR/Dirk Reinhardt

Die Bundeswehr hat am Freitag Soldaten und Soldatinnen des Aufklärungsbataillons 13 aus Gotha in den Auslandseinsatz verabschiedet. Rund 200 Soldaten der Einheit werden in den kommenden Wochen und Monaten im Rahmen des Nato-Einsatzes "Enhanced Forward Presence" (EFP) in Litauen sowie des UN-Einsatzes in Mali Dienst tun. An dem Verabschiedungsappell in Mühlberg im Kreis Gotha nahmen zahlreiche Einwohner und Angehörge der Soldaten teil. Mühlberg ist Partnergemeinde einer Kompanie des Aufklärungsbataillons.

Bataillonskommandeur Oberstleutnant Matthias Weber sagte, die Truppe sei für die bevorstehenden Einsätze "hervorragend ausgebildet und vorbereitet". Die kommenden Monate würden den Soldaten und Soldatinnen in den Einsätzen "einiges abverlangen". Er sei aber zuversichtlich, dass ihre Aufgaben meisterten und gesund wieder in die Heimat zurückkehrten. Im Gespräch mit MDR THÜRINGEN verwies Weber darauf, dass die Auslandseinsätze der Soldaten auch für deren Angehörige eine schwierige Zeit der Trennung sein würden. Die Bundeswehr werde versuchen, die Familien so gut wie möglich zu unterstützen.

Gothas Oberbürgermeister Knut Kreuch (SPD) sagte, die Menschen in der Stadt wüssten um die Herausforderungen für die Soldaten in den Einsätzen. "Wir sind in Gedanken bei Ihnen." Landrat Onno Eckert (SPD) sagte, die Bundeswehr sei eine Parlamentsarmee, die vom Bundestag in Auslandseinsätze geschickt werde. Diese Entscheidungen seien also "Entscheidungen aus der Mitte des Volkes heraus".

Aufklärer aus Thüringen liefern Informationen für UN-Hauptquartier

Nach Angaben der Bundeswehr wird die 3. Kompanie des Aufklärungsbataillons mit 120 bis 130 Mann ab März in Mali im Einsatz sein. Dort sind die Gothaer Aufklärer Teil des Bundeswehr-Kontingents für die UN-Mission Minusma. Der größte Teil des deutschen Kontingents ist in Gao im Nordosten des Landes stationiert. Von dort aus sammeln die Aufklärer mit unbemannten Drohnen, auf Patrouillen zu Fuß und mit Fahrzeugen Informationen über Bewegungen etwa von Milizen oder Terrorgruppen, aber auch über Flüchtlingsströme und anderes mehr. Diese Informationen werden laut Bundeswehr dem Hauptquartier der Vereinten Nationen in Bamako zur Verfügung gestellt.

Radpanzer des Typs Fennek in der Kaserne des Aufklärungsbataillons 13 in Gotha
Gepanzerte Fahrzeuge des Typs Fennek der Aufklärer in Gotha Bildrechte: MDR/Dirk Reinhardt

Das Mandat der Bundeswehr schließt einen bewaffneten offensiven Einsatz der Bundeswehr in Mali aus. Das gilt auch für die zweite Mission, an der die Bundeswehr vor Ort beteiligt ist - die Ausbildungsmission EUTM der Europäischen Union. Diese hat die Aufgabe, die malische Armee auszubilden. In den beiden Mali-Missionen seien derzeit rund 1.000 deutsche Soldaten und Soldatinnen im Einsatz, sagte ein Sprecher des Einsatzführungskommandos der Bundeswehr MDR THÜRINGEN. Rund 850 davon seien in der Mission Minusma eingebunden.

Bundeswehr: "Fragile" Lage in Mali

Das westafrikanische Land Mali wird seit Jahren durch Konflikte zwischen Regierung, islamistischen Milizen und der Bevölkerungsgruppe der Tuareg destabilisiert. Im Norden des Landes hatten islamistische Milizen im Jahr 2012 einen eigenen Staat ausgerufen, mit der Hauptstadt Gao. Im Jahr darauf hatte Frankreich militärisch in den Konflikt eingegriffen und die Islamisten zurückgedrängt. 2015 schlossen die Konfliktparteien ein Waffenstillstands-Abkommen, dessen Einhaltung die UNO mit ihrer Minusma-Mission überwacht.

Die Situation im Land wird von der Bundeswehr als "fragil" eingeschätzt. Sie habe sich zuletzt verschlechtert, sagte der Sprecher des Einsatzführungskommandos dem MDR. Im Januar dieses Jahres waren zwei belgische Armeepatrouillen in Sprengfallen geraten. Dabei wurden mehrere Soldaten verletzt. Die belgischen Aufklärer sind Teil der größtenteils von der Bundeswehr gestellten Aufklärungskompanie in Gao. Der Sprecher des Einsatzführungskommandos sprach von einer "erheblichen Bedrohungslage". Die deutschen Soldaten seien aber auf ihren Einsatz intensiv vorbereitet worden.

Unbemannte Drohne in der Kaserne des Aufklärungsbataillons 13 in Gotha
Zur Ausstattung des Aufklärungsbataillons gehören auch unbemannte - und unbewaffnete - Drohnen. Bildrechte: MDR/Dirk Reinhardt

Soldaten aus Gotha in Litauen im Einsatz

In Litauen stellt die Bundeswehr seit einigen Jahren die Führung und den größten Teil der Truppen eines multinationalen Nato-Bataillons. Hintergrund ist die Enhanced Forward Presence (EFP) der Nato, die auf Abschreckung gegenüber Russland zielt. Anlass war die Annexion der Krim durch Russland. Dabei stellt die Nato seit Anfang 2017 in den drei baltischen Ländern Litauen, Lettland und Estland sowie in Polen jeweils 1.000 Mann starke Bataillone, die dort permanente Manöver mit den einheimischen Armeen durchführen.

In Litauen waren seit vergangenen Sommer rund 500 Soldaten aus Thüringen im Einsatz, vor allem Angehörige des Panzergrenadierbataillons 391 aus Bad Salzungen. Sie werden nun von Panzergrenadieren aus Sachsen abgelöst sowie von Angehörigen des Aufklärungsbataillons 13 in Gotha. Die Truppen der Nato-Bataillone werden alles sechs Monate ausgetauscht, da die Nato sich in Verträgen mit Russland verpflichtet hatte, auf dem Gebiet der ehemaligen Staaten des Warschauer Paktes keine Truppen dauerhaft zu stationieren.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 14. Februar 2020 | 19:00 Uhr

5 Kommentare

martin vor 15 Wochen

@jochen: Söldnertruppe? Bekommt der Bund Geld für den Einsatz der Bundeswehr? Und ich dachte immer, dass wir Steuerzahler die Einsätze bezahlen würden.

Also ich finde es nicht schlecht, wenn sich die Bundeswehr was dazu verdient. Das Einwerben von Drittmitteln in der Forschung ist sowohl üblich wie nötig.

MAENNLEiN-VON-DiESER-WELT vor 15 Wochen

Wofür wurde die Bundeswehr Ihrer Meinung nach geschaffen ?
Zum Skat dreschen im Offiziers-Casino im Steigerwald ?

Sie können sich ja mit einer Petition an den Deutschen Bundestag wenden und um den Austritt Deutschlands aus der NATO bitten - oder sind Truppenteile noch
immer Mitglied im Warschauer Vertrag....???


...ich möchte Sie erleben, wenn die Bundeswehr wirklich gegen
die Feinde im Inneren vorgeht und die Demokratie nach Innen
verteidigt... !

jochen1 vor 15 Wochen

Es ist unterirdisch, wie die heute nicht einsatzbereite Bundeswehr für Söldner-Dienste in aller Welt missbraucht wird.
Die Bundeswehr als reine Verteidigungstruppe gegründet als Krisenbewältiger für die ganze Welt ? Dafür wurde die Bundeswehr nicht geschaffen.

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