Das mehrstöckige Gebäude des Amtsgerichtes in Gotha
Amtsgericht Gotha Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Prozess wegen Untreue 200.000 Euro aus Justizkasse entwendet: Ex-Justiz-Angestellte vor Gericht

Fast 400 Mal hat eine Ex-Angestellte der Justizkasse in Gotha Geld von Schuldnern in die eigene Tasche gesteckt. Deshalb steht sie seit Montag vor Gericht. Die Staatsanwaltschaft wirft ihr Untreue vor.

Das mehrstöckige Gebäude des Amtsgerichtes in Gotha
Amtsgericht Gotha Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Weil sie rund 200.000 Euro veruntreut haben soll, muss sich eine ehemalige Justiz-Mitarbeiterin seit Montag vor Gericht verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft der 62-Jährigen vor, in den Jahren 2012 bis 2016 Geld aus der Kasse der Justizzahlstelle im Amtsgericht Gotha entwendet zu haben. Ihr werden Betrug und Untreue im besonders schweren Fall vorgeworfen. Zum Prozessauftakt vor dem Landgericht Erfurt gab die Angeklagte die Taten zu.

Insgesamt fast 400 Mal soll die Frau eingezahltes Geld von Schuldnern nicht in voller Höhe verbucht, sondern jeweils Teilbeträge in die eigene Tasche gesteckt haben. Das soll vor allem bei Bareinzahlungen geschehen sein. Die jeweiligen Forderungen gegen die Schuldner soll die Frau als in voller Höhe eingegangen verbucht haben. Wegen mangelhafter Kontrolle fiel der Schwindel jahrelang nicht auf.

Eher zufällig erwischt

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft ist die Angeklagte sehr geschickt vorgegangen. Das bestätigte die Bezirksrevisorin im Zeugenstand. Alle Justizzahlstellen würden einmal im Jahr unangekündigt kontrolliert. In Gotha sei das fast immer in den ersten drei Monaten des Jahres passiert. Geprüft würden dann immer die letzten 14 Tage.

Erwischt wurde die Angeklagte dann eher zufällig. Als im Februar 2017 ein Fehlbetrag von 50 Cent in der Gothaer Kasse festgestellt wurde, habe sie sich sofort die Unterlagen der vergangenen Jahre angeschaut, so die Zeugin. Dabei sei ihr aufgefallen, dass in den ersten Monaten eines jeden Jahres - bis zur Revision - keine Fehlbeträge zu verzeichnen waren. Kaum waren die Kontrolleure wieder weg, hätte wieder Geld in der Kasse gefehlt.

Beschuldigte will Geld zurückzahlen

Das Bargeld musste nach der Einzahlung verschiedenen Titeln zugeordnet werden, je nachdem ob Geldbußen, Geldstrafen, Gerichtskosten oder Gebühren für Grundbuchauszüge entrichtet wurden. Die Gesamtsumme der Tageseinnahmen sei nur im Kassenbuch aufgeführt worden. Diese Summe sei in vielen Fällen nicht korrekt gewesen, so dass die Fehlbeträge auf den ersten Blick nicht zu erkennen waren.

Im Prozess vor dem Landgericht Erfurt kündigte die Frau am Montag an, das Geld zurückzuzahlen. Die Chancen für eine Bewährungsstrafe stehen dennoch schlecht. Der Staatsanwalt strebt wegen der Vielzahl der Taten eine Strafe ohne Bewährung an. Ein Deal wurde abgelehnt. Als Amtsträgerin habe die Angeklagte eine besondere Verantwortung gehabt, so der Staatsanwalt.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 18. Februar 2019 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 18. Februar 2019, 21:11 Uhr

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9 Kommentare

19.02.2019 14:35 Rudimeter 9

Was ist dass denn für eine unangekündigte Kontrolle, wenn diese Kontrolle in Gotha immer in den ersten 3 Monaten des Jahres erfolgt

'? In diesem Fall sollten- und ich denke das werden- die Richter unbedingt das Handeln der Bezirksrevision in die Beurteilung einbezogen werden. Da ist doch wohl mindestens ein Geschmäkle drin. Ich hoffe, dass die Bezirks Revisorin hier nicht auch noch dran verdient hat.

19.02.2019 11:59 martin 8

@6 robert: Bevor Sie gegen Mitkommentatoren polemisieren: Artikel (ggf. noch einmal) in Ruhe lesen, versuchen zu verstehen und dann Kommentare schreiben.

Sie hätten dann wenigstens die Chance gehabt zu verstehen, dass aufgrund der Unterschlagungen keiner der Schuldner ins Gefängnis musste, weil die Beträge gegen die Gläubiger korrekt verbucht wurden. Also kann sie im Knast niemanden treffen, der aufgrund ihrer Unterschlagungen dort gelandet ist.

Wie geschrieben: Sie hätten die Chance gehabt ....

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