Gotha Unterstützung für Rücktrittsforderung beim Thüringer Feuerwehrverband

Der Gothaer Feuerwehrchef Andreas Ritter fordert den Rücktritt von Lars Oschmann als Vorsitzender des Thüringer Feuerwehrverbandes. Hintergrund ist unter anderem ein offener Brief des Verbandes, in dem Thüringens Innenminister Georg Maier (SPD) heftig kritisiert wurde. In dem Brief wurde Maier Ende Oktober vorgeworfen, die ehrenamtliche Arbeit der Feuerwehr in Misskredit gebracht zu haben.

Gothaer Feuerwehrchef Andreas Ritter
Andreas Ritter Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Das treffe nicht zu, sagte Ritter. Er könne die Vorgehensweise des Verbandsvorstandes nicht nachvollziehen und distanziere sich von dem Schreiben. Außerdem warf Ritter Oschmann vor, seine Funktion im Wahlkampf missbraucht zu haben. So habe er sich nicht nur als CDU-Kandidat für den Landtag in Einsatzuniform fotografieren lassen, sondern sich wenige Tage vor der Landtagswahl mit dem Brief an den Innenminister auch in persönlicher Form in den Wahlkampf eingeschaltet. Oschmann habe damit die politische Neutralität verletzt und eine rote Linie überschritten, sagte der Gothaer Feuerwehrchef.

Der Thüringer Landesfeuerwehrverband hatte in dem offenen Brief Innenminister Maier vorgeworfen, die Sorgen und Nöte des Verbands nicht ernst zu nehmen und dessen Arbeit zu missachten. Maier soll zuvor bei einem Feuerwehrtreffen in Bad Lobenstein geäußert haben, dem Verband seien nur neue Uniformen wichtig.

Kreisfeuerwehrverband unterstützt Rücktrittsforderung

Auch der Kreisfeuerwehrverband erklärte inzwischen, die Rücktrittsforderung gegen Lars Oschmann als Vorsitzender des Thüringer Feuerwehrverbandes. Der Kreisverbandsvorsitzende Klaus Steffen erklärte, die offene Kritik des Landesverbandes an Innenminister Georg Maier kurz vor der Landtagswahl sei eine einseitige politische Positionierung gewesen. Diese stehe dem Verband nicht zu. Steffen behauptet, dass die Basis des Feuerwehrverbandes seit langem die Meinung vertritt, dass die Landesverbands-Spitze zurücktreten sollte. Die Kameraden fühlten sich vom Präsidium nicht mehr vertreten.

Der Kreisfeuerwehrverband kritisierte zudem Oschmanns Rücktrittsforderung gegen den Präsidenten des Deutschen Feuerwehrverbandes, Hartmut Ziebs. Es handele sich um politisches Kalkül und Machtbesessenheit. Bundeschef Ziebs war von fünf seiner sieben Stellvertreter zum Amtsverzicht aufgefordert worden. Der Thüringer Oschmann ist einer dieser fünf Stellvertreter.

Kreisbrandinspektoren fordern sachliche Debatte

Der Kreisbrandinspektor des Ilm-Kreises, Sebastian Arnold, forderte eine sachliche Diskussion und einen konstruktiven Austausch des Innenministeriums mit dem Landesfeuerwehrband. Er forderte aber auch, die Anliegen der Feuerwehr nicht für Parteiinteressen zu missbrauchen. Landesfeuerwehrverband und Innenministerium sollten im Auge behalten, dass Thüringen gut ausgestattete und moderne Feuerwehren brauche. Zudem sollten beide das Ehrenamt würdigen. Der Kreisbrandinspektor des Landkreises Eichsfeld, Silvio Lobing, gab an, sich nicht an einer öffentlichen Diskussion beteiligen zu wollen.

Lars Oschmann
Lars Oschmann Bildrechte: imago/Karina Hessland

Der Schleizer Stadtbrandmeister Ronny Schuberth mahnte am Freitag eine eigene Vertretung der Thüringer Feuerwehren jenseits des Feuerwehrverbands an. Schuberth sagte MDR THÜRINGEN, viele Feuerwehren seien aus dem Verband ausgetreten oder nie Mitglied geworden. Das gelte etwa für sämtliche Feuerwehren der Stadt Schleiz. Es fehle ein Gremium, das als Mittler zwischen den einzelnen Feuerwehren und dem Innenministerium fungiere. Dieser Vertretung könnten die Stadt- und Kreisbrandinspektoren angehören sowie Vertreter von Berufs- und Werksfeuerwehren und der Landesfeuerwehrschule. Zur Rücktrittsforderung gegen Verbandschef Oschmann sagte Schuberth, da er dem Verband nicht angehöre, könne er sich dazu nicht äußern.

Lars Oschmann sagte MDR THÜRINGEN, die Rücktrittsforderung sei ihm bekannt. Er habe Andreas Ritter deshalb ein Gespräch angeboten, das Angebot habe dieser jedoch abgelehnt - ohne Angabe von Gründen. Oschmann kündigte an, die Vorgänge rund um den Offenen Brief an den Innenminister aufzuarbeiten. Am 2. Dezember werde es in Erfurt ein Treffen mit den Kreis- und Stadtfeuerwehrverbänden geben.

Quelle: MDR THÜRINGEN/dvs

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 15. November 2019 | 05:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 15. November 2019, 18:07 Uhr

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