MDR FERNSEHEN | 05.04.2020 | 22:55 Uhr + Online first ab 03.04. in der Mediathek "Der Retter von Gotha - Ritter von Gadolla"

Ein Film von Ute Gebhardt

"Damit Gotha leben kann, muss ich sterben." Stadtkommandant Joseph Ritter von Gadolla gilt als der "Retter von Gotha" - und wurde dafür als Deserteur standrechtlich erschossen. Die MDR-Dokumentation blickt zurück auf das Leben Gadollas.

Ein Schieferdach mit Turm. Titelschrift: Der Retter von Gotha. Rechts ist die Silhouette von Gadolla im Bild.
"Der Retter von Gotha - Ritter von Gadolla" - Die Doku beleuchtet das Leben des 1945 als Deserteur hingerichteten Stadtkommandanten von Gotha. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Am 1. April 1945 erreichten Kampfeinheiten der Amerikaner die Werra, am 16. April die Thüringer Ostgrenze. Es waren 16 dramatische Tage der Befreiung Thüringens, in denen noch Tausende starben - auf Todesmärschen, durch Bombardierungen, durch Hinrichtungen in letzter Minute. Ob Tod und Zerstörung oder Rettung - das lag oft in den Händen Einzelner. Der Film erinnert an einen dieser Retter und den April 1945.

Joseph Ritter von Gadolla war der Stadtkommandant von Gotha. Am 3. April 1945 stand die 4. Panzerdivision der 3. Amerikanischen Armee am Krahnberg und bei Goldbach - bereit zum Angriff auf Gotha. Gadolla ließ in Gotha weiße Fahnen hissen und fuhr den Amerikanern als Parlamentär entgegen. Er wurde gefasst, in Weimar inhaftiert und dort vor 75 Jahren, am 5. April 1945, standrechtlich erschossen.

Ein Panzer fährt durch eine Innenstadt.
Ein amerikanischer Panzer fährt 1945 durch die Gothaer Innenstadt... Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Da war Gotha schon frei. Gadollas letzte Botschaft soll geheißen haben: "Damit Gotha leben kann, muss ich sterben." Während die Amerikaner schon halb Thüringen eingenommen hatten, befahl Thüringens Gauleiter Fritz Sauckel weiterhin: "Wer vor dem Feind die weiße Fahne hisst, wird als Landesverräter und Deserteur behandelt."

Die US army in Gotha, April 1945
... Gadolla ließ damals weiße Fahnen hissen und bewahrte Gotha so vor möglicherweise dramatischen Gefechten. Bildrechte: National Archiv Washington

Joseph Ritter von Gadolla war sich vollkommen bewusst, dass seine Tat als "Fahnenflucht" galt. Das Militär war ihm von Kindheit an vertraut. Damit galt Gadolla als Deserteur - und das offiziell bis in die 1990er-Jahre. Es hat nach dem Kriegsende Jahrzehnte gedauert, bis die Erinnerung an ihn wieder lebendig wurde. Auch zur Erinnerungskultur der DDR passte er nicht, denn als adliger Offizier hatte er nichts mit dem antifaschistischen Widerstandskampf zu tun. Die Stadt Gotha hat nach der Wende aktiv um die Rehabilitierung gekämpft. Heute ist Ritter von Gadolla postum Ehrenbürger der Stadt Gotha.

Die Doku im MDR FERNSEHEN und zuerst in der Mediathek

Der Film von Ute Gebhardt verbindet die Spuren des Lebens von Joseph Ritter von Gadolla mit den Ereignissen im April 1945 und dem mühsamen Weg zum Gedenken an den Märtyrer Gadolla. Sehen Sie die Dokumentation am Sonntag, 5. April 2020, 22:55 Uhr im MDR FERNSEHEN und bereits ab Freitag, 3. April 2020, um 10 Uhr in der ARD-Mediathek.

Gadollaplatz vor dem Styria Verlag in Graz/Österreich
Im österreichischen Graz wurde ein Platz nach Gadolla benannt. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | "Der Retter von Gotha - Ritter von Gadolla" | 05. April 2020 | 22:55 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 26. März 2020, 10:47 Uhr

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