Thüringer Tradition Zum Gruseln schön: Krampus- und Perchtenmasken aus Friedrichroda

Am Vorabend des Nikolaus treibt der Krampus sein Unwesen. Oft tritt er in Scharen in den Dörfern der Alpen auf und bemalt böse Kinder mit schwarzer Farbe im Gesicht. Der Krampus selbst sieht zum Fürchten aus. Er trägt eine gruselige Holzmaske und einen Fellumhang. Und was viele nicht wissen, solche Krampusmasken werden auch in Friedrichroda im Thüringer Wald geschnitzt. Ein Besuch beim einzigen deutschen Maskenschnitzer nördlich des Rennsteiges.

Eine Maske mit echten Hörnern.
Mit Hörnern wiegt eine Maske bis zu vier Kilogramm. Bildrechte: MDR/Sandra Voigtmann

Es duftet nach Holz und auf dem Boden liegen Späne. Die Werkstatt von Markus Völlmer ist gerade mal 30 Quadratmeter groß und befindet sich in einem Häuschen am hinteren Teil seines Grundstückes.

Wer die Werkstatt in Friedrichroda betritt, fühlt sich ein bisschen wie bei Meister Eder. Der Pumuckl, sagt Völlmer, fehle aber hier. Doch wer dem Holzbildhauer ins Gesicht schaut, sieht das Funkeln in seinen Augen und den verschmitzten Blick. Der freundliche Kobold in der Werkstatt ist er eigentlich selbst. Da braucht es gar keinen Pumuckl.

Mit dem Schalk im Nacken lässt Markus Völlmer seiner Fantasie freien Lauf und schnitzt die unterschiedlichsten Masken - mit tiefen Falten, verzerrten Mündern, langen Nasen oder riesigen Hauern. Sein Handwerk beherrschen heute in Deutschland nicht mehr viele. Er ist der einzige Maskenschnitzer nördlich des Rennsteiges, sagt er.

In Süddeutschland und Österreich ist das Handwerk noch weiter verbreitet. Dabei habe das Maskenschnitzen in Thüringen einst auch Tradition gehabt, sagt er. Schon Martin Anderson Nexö schrieb in seiner Novelle "Die Puppe" darüber. Nexö kam 1910 nach Finsterbergen und beobachtete die Heimarbeiter bei der Herstellung von Puppen. Wenn im Winter draußen nicht gearbeitet werden konnte, wurden auch Masken aus Pappmaché gemacht oder aus Holz geschnitzt.

Schon als Junge in der Werkstatt geholfen

Maskenschnitzer Markus Völlmer hält eine Maske.
Maskenschnitzer Markus Völlmer widmet sich auch gruseligen Masken mit viel Liebe zum Detail. Bildrechte: MDR/Sandra Voigtmann

Völlmer schnitzt heute das ganze Jahr über. Ein kleines Holzöfchen macht die Werkstatt in den kalten Monaten schön warm. In den Ofen kommt Birke, auf die Werkbank allerdings meist Linde, ab und an auch Weymouthskiefer. Das Werkzeug hängt nach Sorten und Größen sortiert an der Wand oder liegt auf der Arbeitsfläche. Da sind Hohleisen - kleine, große, dicke, dünne in verschiedenen Stichen. Neben Stemmeisen und Bildhauereisen liegen große und kleine Schnitzmesser und einige runde Holzklüpfel.

Das sieht viel aus, sagt Völlmer. Aber er brauche tatsächlich jedes dieser Werkzeuge. Sagt er und nimmt sich einen der Holzklötze, die auf dem Boden stehen und darauf warten, bearbeitet zu werden. Als kleiner Junge habe er schon bei seinem Vater, der Tischlermeister war, in der Werkstatt geholfen. Schon damals mochte er den Holzgeruch, sagt er. Das Holz will er nicht missen. Holz sei seine Leidenschaft.

Echte Hörner vom Schaf oder Blessbock

Stechbeitel in einer Wandhalterung.
Mit Hilfe verschiedener Werkzeuge entstehen aus Holzklötzen Masken. Bildrechte: MDR/Sandra Voigtmann

Markus Völlmer hat Zimmermann gelernt. Vor 15 Jahren hat er sich selbstständig gemacht - als Holzbildhauer. Seitdem stellt er auch Holzmasken her. Hat er sich erst einmal für einen Holzklotz entschieden, lässt er es entweder einfach so laufen, sagt er, oder er macht sich vorher eine Skizze. Das helle Holz der Linde ist leicht zu bearbeiten. Und so haut und sticht er grobe Späne aus dem Holz. Nach und nach werden die Arbeiten immer feiner. Die Ohren und Gesichtszüge schnitzt er fast liebevoll. Er achtet auf Symmetrie. Auch ein gruseliges Gesicht hat die nötig, meint er.

Irgendwann beginnt er, das Holz glatt zu schleifen. Dann kommen die Augen in die Maske. Die gießt Völlmer auch selbst aus Kunstharz. Später werden sie noch mit LEDs beleuchtet. Anschließend bekommt die Maske noch Fell aufs Haupt. Das ist meist von der Ziege, aber auch vom Schaf. Auch eine Haarpracht aus Pferdehaar ist möglich, so wie bei seinem gruseligen Schneewittchen.

Die Krönung sind dann noch echte Hörner. Die kommen vom Steinbock, der Ziege, dem Schaf oder gar vom Blessbock. Dann wiegt die Maske bis zu vier Kilogramm. Manche Masken bezieht Völlmer noch mit Leder und färbt dieses ein. Dann wirkt die Maske als hätte sie echte Haut.

Je nach Aufwand braucht Völlmer für eine Maske zwei bis vier Tage. Mindestens 500 Euro kostet eine Maske. Markus Völlmers Lieblingsmaske ist mit Leder bezogen und grün eingefärbt. Sie hat einen Pferdeschweif auf dem Haupt und leuchtend grüne Augen. Zwei riesige Hauer zeigen gen Himmel.

Maske aus Thüringen nach Kalifornien geschickt

Er trägt seine Lieblingsmaske auch als Friedrichrodaer Bergteufel. Im Verein, der auch das Herbstfest "Kürbisse glühen" im Ort organisiert, sind inzwischen 20 Bergteufel, die seine Masken tragen. Liebhaber seiner Masken gibt es aber weltweit. Sogar in die USA - nach Los Angeles - hat er schon Masken geschickt. Meist bestellen aber Krampus- und Perchtengruppen aus dem Alpenraum bei ihm.

Der Krampus ist eine Schreckgestalt in Begleitung des heiligen Nikolaus. Während der Nikolaus die braven Kinder beschenkt, werden die unartigen vom Krampus bestraft, in dem sie mit Pech bemalt werden - im Gesicht beispielsweise. Während der Raunächte vom 24. Dezember bis zum 6. Januar treiben Perchtengruppen in den Dörfern der Alpen ihr Unwesen. Auch sie tragen geschnitzte Masken, die zum Teil aus der Friedrichrodaer Werkstatt von Markus Völlmer kommen.

Krampusse & Bergteufel Zu Besuch beim Maskenschnitzer von Friedrichroda

Ein Brauch, der in Thüringen fast ausgestorben war, wird in Friedrichroda wiederbelebt. Gruselige Bergteufel sollen die Geister des Winters verteiben. Erschaffen werden die teuflischen Wesen in einer kleinen Werkstatt.

Eine Maske mit echten Hörnern.
Gruselig: Mit dieser Teufelsmaske sollen die bösen Wintergeister vertrieben werden. Es ist nur eine von vielen, die in der kleinen Werkstatt in Friedrichroda erschaffen werden. Bildrechte: MDR/Sandra Voigtmann
Eine Maske mit echten Hörnern.
Gruselig: Mit dieser Teufelsmaske sollen die bösen Wintergeister vertrieben werden. Es ist nur eine von vielen, die in der kleinen Werkstatt in Friedrichroda erschaffen werden. Bildrechte: MDR/Sandra Voigtmann
Maskenschnitzer Markus Völlmer hält eine Maske.
Markus Völlmer ist nach eigenen Aussagen der einzige deutsche Maskenschnitzer nördlich des Rennsteiges. Bildrechte: MDR/Sandra Voigtmann
Markus Völlmer bearbeitet ein Stück Holz
Am Anfang sehen die Masken so aus. Das helle Holz der Linde ist gut zu bearbeiten. Bildrechte: MDR/Sandra Voigtmann
Eine unbemalte Holzmaske auf der Werkbank
Hat Markus Völlmer sich erst einmal für einen Holzklotz entschieden, lässt er es entweder einfach so laufen, sagt er, oder er macht sich vorher eine Skizze. Bildrechte: MDR/Sandra Voigtmann
Eine rötliche Teufelsmaske
Je nach Aufwand braucht Völlmer für eine Maske zwei bis vier Tage. Die Krönung sind dann noch echte Hörner. Die kommen vom Steinbock, der Ziege, dem Schaf oder gar vom Blessbock. Bildrechte: MDR/Sandra Voigtmann
Reporterin trägt Teufelsmaske
MDR THÜRINGEN-Reporterin Sandra Voigtmann testet die vier Kilogramm schwere Maske. Bildrechte: MDR/Sandra Voigtmann
Eine weibliche Teufelsmaske
Diese Maske heißt "gruseliges Schneewittchen". Die Haare stammen von einem Pferd. Bildrechte: MDR/Sandra Voigtmann
Krampus im Wald
Einige Masken werden mit Leder bezogen. In den Augen stecken LEDs. Bildrechte: MDR THÜRINGEN/Thüringer Bergteufel e.V.
Krampusse auf Treppe
Getragen werden die Masken von den Friedrichrodaer Bergteufeln. Auch Krampus- und Perchtengruppen aus dem Alpenraum gehören zu den Abnehmern. Bildrechte: MDR THÜRINGEN/Thüringer Bergteufel e.V.
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Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Johannes und der Morgenhahn | 05. Dezember 2019 | 07:00 Uhr

Und bevor Markus Völlmer seine Lieblingsmaske aufsetzt, äußert er noch einen Wunsch. Auch in Thüringen sollten sich die Menschen wieder auf solche Traditionen besinnen. Die Perchta sei ja eine Art Frau Holle, sagt er, und die wohne ja bekanntlich in den Hörselbergen bei Eisenach. Ein ansteckendes Lachen schallt aus der Maske des leidenschaftlichen Handwerkers. Er wirft sich noch einen Umhang aus Yak- und Ziegenfell über. Zum Abschied gibt es eine tierisch duftende Umarmung.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Johannes und der Morgenhahn | 05. Dezember 2019 | 07:40 Uhr

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