Ein Propellerflugzeug auf dem Werkflughafen in Gotha
Gotha, Werksflugplatz der Gothaer Waggonfabrik am 05. Juli 1939: Fritz Platz rollt mit der Gotha Go 150 zum Rekordversuch Bildrechte: Adelheid Krajewski-Platz

Vor 80 Jahren Gothaer Flugzeug stellt Höhenweltrekord auf

Am 3. Juli 1939, kurz vor dem Ausbruch des Zweiten Weltkrieges, hat ein kleines Flugzeug aus Gotha Luftfahrtgeschichte geschrieben. An diesem Tag vor 80 Jahren schaffte eine Gotha Go 150 einen Höhenweltrekord, der bis heute nicht übertroffen wurde.

von Andreas Metzmacher

Ein Propellerflugzeug auf dem Werkflughafen in Gotha
Gotha, Werksflugplatz der Gothaer Waggonfabrik am 05. Juli 1939: Fritz Platz rollt mit der Gotha Go 150 zum Rekordversuch Bildrechte: Adelheid Krajewski-Platz

Es war ein sonniger Morgen am 5. Juli 1939, keine Wolken am Himmel, die Temperatur betrug 19,5 Grad. Ideales Flugwetter also. Auf dem Werksflugplatz der Gothaer Waggonfabrik wird gerade ein Flugzeug zum Start vorbereitet. Ziemlich schmucklos stand sie da, die kleine zweimotorige Maschine. Unlackiert, eher wie ein unfertiger Rohbau. Überall nur das rohe Sperrholz mit dem die Maschine beplankt war. Der fehlende Lack hatte einen guten Grund: auch Farbe hat Masse und die Maschine sollte leicht sein.

Auf den ersten Blick war das speziell für den Rekordversuch gebaute Flugzeug kaum von einer anderen Go 150 aus der Serienproduktion zu unterscheiden. Doch ein Blick in das Cockpit verriet den Unterschied. Auch hier zählte jedes Gramm: Die Techniker hatten nur das eingebaut, war für den Rekordflug wirklich nötig war. Das Doppelsteuer, der zweite Sitz, Feuerlöscher, Kompass und elektrische Ausrüstung – selbst die Bremsanlage, waren entfernt worden.

Auch beim Zusammenbau des Flugzeuges hatten die Techniker darauf geachtet, nur die leichtesten Bauteile aus der laufenden Serienproduktion zu verwenden. Jedes Teil wurde extra gewogen. Die einzigen Kompromisse für die angepeilte Rekordhöhe waren um einen Meter verlängerte Tragflächen und eine Sauerstoffanlage für den Piloten.

Ein Propellerflugzeug auf dem Werkflughafen in Gotha 42 min
Gotha, Werksflugplatz der Gothaer Waggonfabrik am 05. Juli 1939: Fritz Platz rollt mit der Gotha Go 150 zum Rekordversuch Bildrechte: Adelheid Krajewski-Platz

Auch Motorenlieferant Zündapp hatte die beiden Motoren extra getrimmt. Den Weltrekord in dieser Flugzeug-Kategorie hielt der tschechische Major Karel Brazda, der am 16. März 1938 mit einer Tatra T-101 eine Rekordhöhe von 7.470 Metern erzielt hatte. Diesen Rekord galt es zu schlagen. 8.000 Meter sind das Ziel. Könnte die Go 150 mit ihren beiden Zündapp-Motoren von je 50 PS, die eine normale Gipfelhöhe von nur 4.500 Metern erreichte, das überhaupt schaffen? Bei ersten Testflügen der als Go 150 S bezeichneten Maschine konnten immerhin schon 7.000 Meter erreicht werden, aber ganze 1.000 Meter mehr waren ein weiter Weg.

Otto Krüger, ein unabhängiger Sportzeuge des Aero-Clubs von Deutschland war extra nach Gotha gereist und präparierte das Flugzeug mit einem Höhenschreiber, plombierte die Einfüllstutzen der Tanks und führte das Start- und Landungsprotokoll. Pilot war Fritz Platz, Leiter der Flugerprobung. Er war wegen seines geringen Körpergewichts ausgewählt worden. Bevor es losgeht, macht Fritz Platz die übliche Vorflugkontrolle. Er läuft um die Maschine herum, schaut nach Leckstellen und prüft alle Funktionen des Flugzeuges, checkt den Luftdruck des Fahrwerks und die Funktion des Seiten- und Querruders. Nachdem er sich davon vergewissert hatte, dass alles in Ordnung ist, besteigt er das Flugzeug. Platz prüft nochmal alle Instrumente, wirft die Motoren an und rollt zur Startbahn des Gothaer Flugplatzes.

Eine Urkunde die eine Flughöhe von 8048m bestätigt.
Werbeblatt der Gothaer Waggonfabrik nach dem Rekordflug: Durch den Beginn des Zweiten Weltkrieges blieb der Firma der wirtschaftliche Erfolg mit der Go 150 versagt. Nur zehn Maschinen wurden gebaut. Bildrechte: Andreas Metzmacher/MDR

Am Haltepunkt wirft er nochmal einen Blick auf alle Instrumente, dann beschleunigt er. Um 7:36 Uhr, nach etwa 350 Metern, so protokolliert es Otto Krüger, hebt das Flugzeug ab. Langsam gewinnt die Go 150 an Höhe. Nach etwa 45 Minuten erreicht Fritz Platz eine Höhe von 7.000 Metern. Doch von da an geht es nur noch sehr langsam höher. Endlich, nach unendlichen weiteren 45 Minuten zeigt der Höhenmesser deutlich mehr als 8.000 Meter an. Es ist geschafft! Platz nimmt das Gas weg und sinkt langsam wieder hinunter. Um 9:31 Uhr landet das Flugzeug sicher auf dem Flugplatz, wo es schon von der versammelten Führungsetage der Gothaer Waggonfabrik freudig erwartet wird. 

Otto Krüger baut die verplombten Höhenschreiber aus und liest eine Flughöhe von 8.048 Meter ab - ein neuer Weltrekord! Anschließend werden die Instrumente an das Zentralprüflaboratorium der Deutschen Versuchsanstalt für Luftfahrt in Berlin-Adlershof geschickt, wo sie noch einmal offiziell ausgewertet werden. Am 7. September 1939 wird der Rekordflug als nationaler Rekord bestätigt und beim Weltluftsportverband FAI in Paris eingereicht. Zu dieser Zeit befand sich das Deutsche Reich schon im Krieg, der Zweite Weltkrieg war ausgebrochen. Am 6. Dezember 1939 bestätigt dann auch die Fédération Aéronautique Internationale (FAI), trotzdem die Bestleistung der Gotha Go 150 als neuen Höhenweltrekord in dieser Klasse. Da die FAI die Klassifizierung nach dem Krieg veränderte, gilt der Höhenweltrekord noch heute. Er ist praktisch eingefroren und gilt als immerwährender Rekord.

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Kulturnacht | 23. Juni 2019 | 22:05 Uhr

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