Tambach-Dietharz Pläne für neues Pumpspeicherwerk gestoppt

Der Stadtwerke-Verbund Trianel hat seine Planung für ein neues Pumpspeicherwerk an der Schmalwassertalsperre bei Tambach-Dietharz im Landkreis Gotha endgültig gestoppt. Eine Sprecherin sagte MDR Thüringen, das Projekt lasse sich nicht wirtschaftlich realisieren. Eigentlich brauche Deutschland für die Energiewende das Speicherpotential. Aber es gebe keine Perspektive, das investierte Geld zurückzuverdienen. Für das Pumpspeicherwerk wären Investitionen in Höhe von über einer Milliarde Euro nötig, der Bau hätte zehn bis 15 Jahre gedauert. Über den bisher betriebenen Planungsaufwand wollte Trianel keine Angaben machen. Es seien jedoch noch keine Flächen in Thüringen gekauft worden.

Auch ein ähnliches Projekt in Höxter in Nordrhein-Westfalen wird demnach nicht weiter verfolgt. Trianel und die verbundenen Stadtwerke wollen sich nun stärker auf den deutschlandweiten Ausbau der erneuerbaren Energien konzentrieren.

Reaktionen: Enttäuscht und gelassen

Wasser spiegelt sich in der Schmalwassertalsperre, um die Sperre herum sind Bäume.
Die Schmalwassertalsperre bei Tambach-Dietharz. Bildrechte: MDR/Joachim Kästner

Die Thüringer Landesregierung bedauerte die Entscheidung. Umweltstaatssekretär Olaf Möller (Die Grünen) sagte MDR THÜRINGEN, zum einen gehe damit dem Freistaat eine Investition von rund einer Milliarde Euro verloren. Zum anderen würden die Pumpspeicherkraftwerke für die Energiewende benötigt. Schuld ist für Möller die Bundesregierung. Sie hat es nach Ansicht des Grünen-Politikers versäumt, die Voraussetzungen zu schaffen, dass Pumpspeicherkraftwerke wirtschaftlich betrieben werden können. Unter anderem müssen die Betreiber solcher Kraftwerke bisher auch Netzentgelte zahlen.
Der Bürgermeister von Tambach-Dietharz, Marco Schütz, reagierte gelassen auf das Aus für das Projekt. Einerseits hätte seine Stadt zwar mit dem Kraftwerk Gewerbesteuern einnehmen können. Andererseits wäre der Bau des Werks mit großen Eingriffen in die Natur verbunden gewesen.

Das Wasserspeicherkraftwerk Schmalwasser sollte nach Trianel-Angaben eines der größten in Deutschland werden. Thüringen hatte die Talsperre saniert und 2005 aus der Trinkwasserversorgung genommen. Trianel hatte geplant, 1,4 Milliarden Euro zu investieren. Mehrere Bürgerinitiaten hatten damals gegen die Pläne, das Werk zu bauen, protestiert.

Pumpspeicherkraftwerke Pumpspeicherwerke (PSW) funktionieren als Energiespeicher so: Sie haben ein Ober- und ein Unterbecken mit einem nennenswerten Höhenunterschied an einem steilen Hang. Wasser wird in das Oberbecken gepumpt. Bei Strombedarf wird dann das Wasser zum gewünschten Zeitpunkt ins Unterbecken abgelassen und treibt dabei Turbinen und Generatoren an, die Strom erzeugen.
Das Hochpumpen verbraucht mehr Energie als die Turbinen beim Ablassen (Wirkungsgrad unter 100 Prozent) erzeugen. Rentabel sind PSW daher nur durch ausreichend große Strompreis-Differenzen.
Deutschlands größtes Pumpspeicherwerk arbeitet in Goldisthal (Kreis Sonneberg).

See-große Wasserfläche mit Betoneinfassung. Am Rand Informationstafel zur Umgebung
Pumpspeicherkraftwerk Goldisthal Bildrechte: MDR/Christian Schneider

Quelle: MDR THÜRINGEN

AKTUELLES AUS THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Die Nachrichten | 31. Juli 2018 | 08:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 31. Juli 2018, 20:13 Uhr

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46 Kommentare

02.08.2018 15:36 Eulenspiegel 46

Hallo Helmut Deubner 42
Da haben sie natürlich Recht. Die Wasserspeicherwerke sind nur ein Teil der Lösung. Da gibt es aber auch noch andere sehr umfassende Projekte.
Ganz kurz angedeutet:
Überschüssiger Strom-Wasserstoff-Lagerung-Hybridkraftwerk oder andere Möglichkeiten
Oder:
Power to Gas
Überschüssiger Strom- in zwei Schritten zu Methan Erdgasnetz-Lagerung-an jeden beliebigen Ort nutzbar

02.08.2018 10:19 Steuerzahler 45

@42: Vielen Dank für Ihren erklärenden Beitrag. Gleichwohl halte ich die unausgesprochene These „deshalb gar kein PSW“ betreiben für nicht zielführende. Wie Sie zutreffend darstellen, wird man mit dieser Form der Energiespeicherung nicht alle Probleme der Energiewende lösen können. Es ist jedoch ein erster Schritt in die richtige Richtung - und diesen nicht zu gehen, dass ist nach meiner Meinung falsch.

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