Verbrechen Kunstdiebstahl von Gotha: Keine Spur zu Tätern - und viele Fragen

Der Countdown läuft: Am Freitag werden die fünf Gemälde aus dem Gothaer Kunstdiebstahl 1979 zum ersten Mal wieder in der Öffentlichkeit gezeigt - auf einer Pressekonferenz in Berlin. Im Dezember 2019 waren sie völlig unerwartet wieder aufgetaucht.

Zeitungsartikel nach dem Kunstraub von Gotha
Zeitungsartikel nach dem Kunstdiebstahl von Gotha. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Strafrechtlich ist der Fall verjährt. Die Kripo-Akten wurden geschlossen. Doch das Interesse am Weg der Bilder von 1979 bis zum Kaufangebot an die Stadt Gotha im Sommer 2018 ist groß. Was ist in den 40 Jahren seit der Diebstahlsnacht mit den fünf Gemälden niederländischer Alter Meister passiert? Waren sie immer zusammen bei einem Besitzer oder waren sie deutschland- oder gar europaweit verstreut und hingen in verschiedenen Wohn- oder Geschäftsräumen?

Das sind die bekannten Fakten:

Es ist die Nacht zum 14. Dezember 1979 in der die Diebe in die zweite Etage des Schlossmuseums im Schloss Friedenstein einsteigen. Mit Hilfe von extra angefertigten Steigeisen klettern sie am Blitzableiter nach oben. Untersuchungen haben ergeben, dass die Eisen im damaligen nichtsozialistischen Ausland hergestellt wurden. Über ein Fenster gelangen die Diebe in die Ausstellungsräume. Sie stehlen fünf Gemälde. An einem Strick lassen sie Bilder nach unten. Dieser war laut Polizeiakte vier Millimeter stark und ein sogenannter Mischbindfaden aus braunen, dunkelblauen und weißen Fäden.

Am Morgen des 14. Dezember 1979 wird um 7:10 Uhr die Polizei alarmiert. Mit einem Großaufgebot wird nach den Tätern und den Bildern gefahndet. Auch Spürhunde kommen zum Einsatz. Die Täter müssen über die Rampe am Herzoglichen Museum vorbei durch den Park bis zum Alten Schlachthof gelaufen sein. So steht es in der Polizeiakte, die auch eine Tatortzeichnung enthält. Dort parkten häufig auch Laster einer Fleischfabrik aus Rosenheim. So auch in dieser Nacht. An diesem Punkt verliert sich die Spur von Tätern und Bildern.

In der Polizeiakte steht, dass die Tat zwischen dem 13.12.1979, 18:00 Uhr und dem 14.12.1979, 7:00 Uhr passiert sein muss. Außerdem wurde der Versicherungsschaden zunächst auf 2,9 Millionen Mark geschätzt. Die Motivation der Täter sei zu diesem Zeitpunkt unbekannt gewesen, hieß es. Der Gothaer Kunstraub zog eines der größten Ermittlungsverfahren der DDR-Geschichte nach sich. Mehr als 100 Kripobeamte waren wochenlang mit diesem Fall beschäftigt. Die Täter allerdings konnten nicht geschnappt werden.

Offene Fragen:

Nach MDR THÜRINGEN-Recherchen ist eine sich immer mehr verhärtende Version der Tat, dass die Gemälde noch in der Nacht nach Westdeutschland gebracht wurden: mit einem Viehtransporter aus Rosenheim. Mehr als 1.000 Zeugen wurden befragt. Doch es bleiben viele Fragen offen.

Foto vom Kunstraub von Gotha
Foto vom eingeschlagenen Fenster. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Beispielsweise wurde nie mitgeteilt, wann der Rosenheimer Lkw über die Grenze nach Westdeutschland fuhr. Das zu ermitteln, wäre für die Staatssicherheit kein Problem gewesen. Auch das eingeschlagene Fenster wirft Fragen auf. Durch das Loch in der Scheibe wäre man nie mit der Hand an den Knauf gekommen, um es zu öffnen. In Zusammenhang mit dem Gothaer Kunstraub wurden auch zwei Todesfälle gebracht.

Zum einen war da der chinesische Trödelhändler aus Gotha, der 1981 erschlagen in seinem Geschäft gefunden wurde. Zum anderen die wissenschaftliche Mitarbeiterin des Schlossmuseums, die 1977 in Polen auf einer Geschäftsreise war. Sie wurde in ihrem Hotel in Polen tot in der Badewanne gefunden.

Der Kunstraub von Gotha bleibt ein Krimi. Es war der spektakulärste Kunstraub der DDR, dessen Details womöglich nie ganz aufgeklärt werden. Am Freitag aber könnte die Öffentlichkeit schon mehr über den Verbleib der Bilder in den letzten 40 Jahren erfahren.

Thüringen

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1979 wurden fünf Gemälde alter Meister aus dem Schlossmuseum in Gotha gestohlen. Lange blieb das als "Kunstraub von Gotha" bekannt gewordene Verbechen ungeklärt. 40 Jahre später sind die Werke wieder aufgetaucht.

Das Gemälde "Alter Mann" von Jan Lievens
Das Werk "Alter Mann" von Jan Lievens gelangte unter Ernst II. nach Gotha. Das Gemälde ist eine Rembrandt-Kopie. Das Original befindet sich heute in der Sammlung der Universität Harvard in den USA. Bildrechte: MDR/Stiftung Schloss Friedenstein
Das Gemälde "Alter Mann" von Jan Lievens
Das Werk "Alter Mann" von Jan Lievens gelangte unter Ernst II. nach Gotha. Das Gemälde ist eine Rembrandt-Kopie. Das Original befindet sich heute in der Sammlung der Universität Harvard in den USA. Bildrechte: MDR/Stiftung Schloss Friedenstein
Das Gemälde "Brustbild eines unbekannten Herrn mit Hut und Handschuhen" von Frans Hals
Das "Brustbild eines unbekannten Herrn mit Hut und Handschuhen" ist ein Werk des Niederländers Frans Hals und seiner Werkstatt. Bildrechte: Stiftung Schloss Friedenstein
Das Gemälde "Heilige Katherina" von Hans Holbein dem Älteren
Die "Heilige Katherina" von Hans Holbein dem Älteren entstandt um 1509/1510. Dargestellt ist vermutlich die Tochter eines 1478 hingerichteten Ratsherrn. Bildrechte: MDR/Stiftung Schloss Friedenstein
Das Gemälde "Selbstbildnis mit Sonne" von Anthonis van Dyck
Das "Selbstbildnis mit Sonnenblume" von Anthonis van Dyck. Bei dem Werk handelt es sich um eine Kopie des 1632 bis 1633 entstandenen Selbstportraits. Das Original befindet sich in der privaten Sammlung des Duke of Westminster. Bildrechte: MDR/Stiftung Schloss Friedenstein
Das Gemälde "Landstraße mit Bauernwagen und Kühen" von Jan Brueghel dem Älteren
Die "Landstraße mit Bauernwagen und Kühen" von Jan Brueghel dem Älteren kam unter Herzog Ernst II. von Sachsen-Gotha-Altenburg in die Kunstkammer. Bildrechte: Stiftung Schloss Friedenstein
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Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | THÜRINGEN JOURNAL | 15. Januar 2020 | 19:00 Uhr

2 Kommentare

part vor 25 Wochen

Unverkäufliche Kunstwerke werden gestohlen, wer hängt sich so etwas im Privatsalon auf und teilt es nicht mit Freunden, Bekannten und der Öffentlichkeit, richtig ein Fetischist, dem es vielleicht nicht um die Kunst ging aber um den Wert. Solche kleinen Dagoberts beherrschen leider große Bereiche des Finanzwesens weltweit und bekommen was sie wollen.

kleinerfrontkaempfer vor 25 Wochen

Die Spekulationen kochen wieder über. Das ist so sicher wie das Grüne Gewölbe!
Und selbstverständliche Fragen bleiben außen vor:
Welche Nationalität hat z.B der verstorbene EX-Besitzer, welche seine Erbengemeinschaft? Wann verstarb der chinesische Trödelhändler, wann die WIMI in Polen?
Ein Fall der gut ist für das Zeilenhonarar und viele bunte Bilder.

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