Ein Mann, Andreas Prinz von Sachsen-Coburg und Gotha, schaut im Jahr 2014 in die Kamera.
Andreas Prinz von Sachsen-Coburg und Gotha schaut im Jahr 2014 in die Kamera. Das Oberhaupt hat die repräsentiven Aufgaben mittlerweile an seinen Sohn, Erbprinz Hubertus, abgegeben. Bildrechte: MDR/Andreas Prinz von Sachsen-Coburg und Gotha

Der Adel in Thüringen Andreas Prinz von Sachsen-Coburg und Gotha "Thüringen wird immer ein Teil von mir sein"

Er liebt schnelle Autos, auch wenn er sie nicht mehr selbst fahren kann. Er isst gern Käsekuchen mit Rosinen, macht gern Sport, wenn auch eher gediegen. Prinz Andreas ist 75 Jahre alt und das Oberhaupt der Familie Sachsen-Coburg und Gotha. Mit Thüringen, der Heimat seiner herzoglichen Vorfahren, verbindet er nicht nur Kunst und Kultur.

von Juliane Maier-Lorenz

Ein Mann, Andreas Prinz von Sachsen-Coburg und Gotha, schaut im Jahr 2014 in die Kamera.
Andreas Prinz von Sachsen-Coburg und Gotha schaut im Jahr 2014 in die Kamera. Das Oberhaupt hat die repräsentiven Aufgaben mittlerweile an seinen Sohn, Erbprinz Hubertus, abgegeben. Bildrechte: MDR/Andreas Prinz von Sachsen-Coburg und Gotha

Andreas Prinz von Sachsen-Coburg und Gotha empfängt seine Gäste meist im Wintergarten. Der Raum, in dem herrschaftlich anmutenden Haus in Coburg ist hell und von Sonnenlicht durchflutet. Es scheint der Hauptaufenthaltsort des 75-jährigen Oberhauptes des Hauses Sachsen-Coburg und Gotha zu sein. Hier hat er alles, was er braucht: einen gemütlichen Ledersessel, daneben die neueste PC- und Handytechnik, vor sich eine große Leinwand für Film und Fernsehen. Auf dem Fensterbrett stehen etliche Modelle schneller Rennautos. Denn Autos liebt Prinz Andreas, auch wenn er sie wegen seiner Krankheit, Parkinson, nicht mehr selbst fahren kann.

Seit 1998 ist er das Oberhaupt des einstigen Herzogtums um Gotha und Coburg mit Sitz auf Schloss Callenberg. Mehr als 15 Jahre leitete er die Stiftung des Hauses, repräsentierte Sachsen-Coburg und Gotha in der Öffentlichkeit, war in verschiedenen Stiftungen, so auch der Stiftung Schloss Friedenstein, aktiv. Die Aufgaben hat er mittlerweile an seinen Sohn, Erbprinz Hubertus, abgegeben.

Verzweigt in mehrere europäische Königshäuser

Das Haus Sachsen-Coburg und Gotha zählte bis zur Abdankung der Monarchie in Deutschland 1918 zu den bedeutendsten Herrscherdynastien in Europa. Durch geschickte Heiratspolitik war es mit fast allen Fürstenhäusern eng verwandt, Sachsen-Coburg und Gothaer saßen einst auf etlichen europäischen Thronen. Prinz Albert von Sachsen-Coburg und Gotha (1819 - 1861), Sohn des Herzogs Ernst I. und seiner Frau Luise von Sachsen-Gotha-Altenburg, heiratete 1840 die englische Königin Victoria. Eine Tatsache, von der die Stadt noch bis heute profitiert - bis heute hält sie noch gute Kontakte zu den Windsors.

Zwei Männer stehen auf einem Platz neben einem Plakat der Ernestiner-Ausstellung.
Prinz Andreas mit seinem Sohn Erbprinz Hubertus. Bildrechte: MDR/Conny Mauroner

Gruß- und Glückwunschkarten aus dem schwedischen und belgischen Königshaus stehen auf der Anrichte im Haus von Andreas Prinz und seiner Frau Carin. Die Wände zieren Familienportraits und Naturlandschaften, in der Küche backt die Haushälterin gerade Käsekuchen mit Rosinen. Nach Autos eine weitere Leidenschaft des Prinzen, der ansonsten eher sympathisch "normal" als adelig versnobt wirkt. "Ach wissen Sie, man kommt nackt auf die Welt und geht nackt wieder. Ich wollte nie 'Everybody's Darling', stattdessen fair sein", sagt der 75-Jährige.

Das galt auch für die Zeit nach der Wende, als der Prinz alles daran setzte, den enteigneten Besitz in Thüringen wieder in Familieneigentum zu bringen. Mehr als 7.000 Hektar Wald und Land bekam er zugesprochen, bewirtschaftet jetzt das Gebiet in Thüringen mit einem Forstbetrieb. Die adelige Familie verzichtete nach der Wende unter anderem auf Kunstschätze und Immobilien im Wert von rund 270 Mio. Euro und erhielt als Ausgleich rund 800 Hektar Landeswald im Wert von 15 Mio. Euro. Prinz Andreas: "Das Land Thüringen ist voll von Kultur, dort gehört sie hin."

Mit dem Rad nach Gotha

Prinz Andreas ist ein gern gesehener Gast in der ehemaligen Residenzstadt Gotha. Er weiß, dass seine Wurzeln hier liegen. Auf Schloß Friedenstein hat seine Tochter Stephanie im Juli 2018 standesamtlich geheiratet. "Das Schloss und das Herzogliche Museum mit seiner Kunst und Kultur ist einfach einmalig. Gotha ist für unsere Familie extrem wichtig." Aufgewachsen in Amerika, lebte der 75-Jährige seit 1965 in Deutschland, zunächst mit seiner Frau Carin und den Kindern Stephanie und Hubertus in Hamburg, seit 1975 in Coburg. Hier kam auch das dritte Kind Alexander zur Welt. An seine ersten Besuche in Gotha nach 1990 kann er sich noch heute genau erinnern: "Ich bin sehr vorsichtig durch die Stadt gefahren, die Straßen waren fast alle gepflastert. Das weiß ich noch. Und die Menschen haben mich sehr herzlich empfangen. Es herrschte dort ein einzigartiges Wir-Gefühl."

Eine Karte zeigt die Verteilung der Herzog- und Fürstentümer in Thüringen von 1826 bis 1918.
Die Verteilung der Herzog- und Fürstentümer in Thüringen von 1826 bis 1918. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Das Haus Sachsen-Coburg und Gotha Das herzogliche Haus Sachsen-Coburg und Gotha ist ein Zweig des deutschen Adelsgeschlechtes der Wettiner und hat seinen Stammsitz in Coburg. Seine Ahnherren regierten von 1423 bis 1547 als sächsische Kurfürsten und später als Coburger Herzöge, ab 1826 unter den Namen Sachsen-Coburg und Gotha. Das Haus gilt bis zum Ende der Monarchie in Deutschland 1918 als die bedeutendste europäische Herrscherdynastie. Die Familienbeziehungen des Hauses mit den europäischen Königshäusern stammen größtenteils aus der Zeit von Prinz Albert von Sachsen-Coburg und Gotha und seiner Frau, Queen Victoria von England. Durch ihre neun Kinder und 42 Enkelkinder wurden die dynastischen Linien von Großbritannien und Coburg fortgeführt. Außerdem regierten die Nachkommen von Queen Victoria und Prinz Albert auch im deutschen Kaiserreich, Russland, Rumänien, Jugoslawien, Griechenland, Spanien, Norwegen, Schweden und Dänemark. 1918 weigerte sich Herzog Carl Eduard zunächst die Macht durch die Anhänger der Novemberrevolution anzuerkennen. Am 13. November dankt er schließlich ab, wird im Dritten Reich zum SA-General und Geheimdiplomat Adolf Hitlers.
Quelle: www.schloss-callenberg.com

2012 hat er die offiziellen Pflichten und Termine als Oberhaupt des Hauses Sachsen-Coburg und Gotha an seinen Sohn, Erbprinz Hubertus, abgegeben. Auch wegen seiner Parkinson-Erkrankung. Aber selbst, wenn der Körper heute nicht mehr so mitmacht, der Geist ist fit, sagt der 75-Jährige. Er schrieb 2015 seine Biographie, ist nach wie vor gut in die Coburgsche Politik vernetzt. Seine Frau Carin leidet seit 1997 an Multipler Sklerose. "Ich war sehr viel unterwegs, habe sie allein gelassen. In unserem Ruhestand wollte ich mit ihr reisen und die Zeit nachholen. Es ist traurig, dass das wegen ihrer Krankheit nicht mehr geht", schreibt das Oberhaupt in seinem Buch. Projekte hat der Prinz trotzdem viele: Er macht auch wegen seiner Krankheit viel Sport und will 2019 mit dem Liegerad in Etappen nach Gotha fahren. "Mir ist es wichtig, eine Heimat zu haben und Wissen über unsere Familie weiterzugeben", bekennt der 75-Jährige.

Abdankung des Adels in Thüringen 1918 Unmittelbar nach dem Ende des I. Weltkrieges wurde am 9. November 1918 in Deutschland die Republik ausgerufen. Das Ende der Monarchie war besiegelt. Der letzte deutsche Kaiser Wilhelm II. dankte am 30. November ab. Thüringen war territorial zersplittert, hier drängten sich acht Monarchien auf kleinsten Raum: Großherzogtum Sachsen-Weimar-Eisenach, Herzogtum Sachsen-Coburg und Gotha, Sachsen-Meiningen und Sachsen-Altenburg sowie die Fürstentümer Schwarzburg-Rudolstadt sowie Schwarzburg-Sondershausen, das Fürstentum Reuß ältere (Greiz) und jüngere Linie (Gera).

Quelle: MDR THÜRINGEN

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Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Kulturnacht | 18. November 2018 | 22:10 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 18. November 2018, 15:12 Uhr

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1 Kommentar

20.11.2018 06:46 Royalist 1

Danke für diese schöne Serie, die mir viele neue Einblicke vermittelte. Weitere Folgen wären mir sehr willkommen.

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