Nach Schloss-Enteignung Verfahren im Rechtsstreit um Schloss Reinhardsbrunn eröffnet

Der Freistaat steht erneut vor einem mehrmonatigen Rechtsstreit im Kampf um das bereits enteignete Schloss Reinhardsbrunn bei Friedrichroda: Nach einem Gläubiger-Widerspruch hat das Landgericht Meiningen ein Verfahren eröffnet.

Ein Schild mit der Aufschrift "Einsturzgefahr Betreten verboten" an einem Bauzaun
Schloss Reinhardsbrunn Bildrechte: MDR/Axel Hemmerling

Eine Gerichtssprecherin sagte MDR THÜRINGEN, einen Verhandlungstermin gebe es noch nicht. Er soll aber noch in diesem Jahr angesetzt werden. Der Widerspruch hatte die geplante offizielle Übertragung des Schlosses an das Land platzen lassen. Die Landesregierung hatte das Vorgehen als "verantwortungslos" bezeichnet.

Inhaber von Grundschuld über drei Millionen Euro

Nach Angaben der Thüringer Staatskanzlei ist auf den Gläubiger im Grundbuch von Schloss Reinhardsbrunn eine Grundschuld von drei Millionen Euro eingetragen. Der Gläubiger halte die Enteignung des Schlosses für rechtswidrig. Die Grundschuld würde entschädigungslos verfallen, wenn die Enteignung vollzogen wird. Christfried Boelter vom Förderverein des Schlosses sagte MDR THÜRINGEN, bei dem Gläubiger handele es sich um einen früheren Mitbesitzer. Die Eigentümer des Schlosses im Thüringer Wald hatten mehrfach gewechselt, während die historischen Mauern zusehends verfielen.

Das Landesverwaltungsamt hatte den aktuellen Eigentümer von Reinhardsbrunn auf Antrag der Landesregierung vor einem Jahr enteignet, um das kulturhistorisch bedeutsame Schloss vor dem weiteren Verfall zu bewahren. Der Eigentümer klagte gegen diesen Schritt, zog seinen Widerspruch aber später zurück. Der eigentliche Enteignungsbeschluss ist daher rechtskräftig.

Land kann nicht in Sicherung investieren

In dem neuen Gerichtsverfahren geht es um die sogenannte Ausführungsanordnung des Landesverwaltungsamtes, welche die Übertragung der Immobilie an das Land regelt. Solange der Rechtsstreit andauert, kann Thüringen nicht in die Sanierung investieren. Das Land hält nach Angaben von Ministerpräsident Bodo Ramelow (Die Linke) 1,9 Millionen Euro allein für Sicherungsarbeiten bereit. Für die eigentliche Sanierung ist voraussichtlich eine zweistellige Millionensumme nötig.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 29. Juli 2019 | 07:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 29. Juli 2019, 20:55 Uhr

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3 Kommentare

29.07.2019 21:50 Enrico Pelocke 3

Das Wohl des Schlosses soll Vorrang haben vor dem Wohl der Hypotheken. Das Schloß ist ein einmaliges Baudenkmal und unwiederbringlich, wenn es verfallen ist. Dann hat der Geldverleiher auch nichts davon. Da muß der Geldverleiher eben die Grundschuld auf anderes Eigentum vom Schuldner eintragen und das nächste Mal besser aufpassen, wofür er Geld gibt. Das Schloß darf darunter jedenfalls nicht leiden.

29.07.2019 11:08 Elbdampfer 2

Es gibt sogenannte "Investoren", die eine Immobilie extra nur dafür kaufen, um auf das Haus eine millionenschwere Grundschuld eintragen zu lassen. Das ist reine Zockerei. Ob das Gebäude verfällt, ist den Eigentümern dann egal. Hauptsache sie haben Geld gemacht, durch die Grundschuld. Um den Rest kann sich dann die Allgemeinheit kümmern - oder ein Dummer, der die Ruine samt Schulden übernimmt.

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