Ferkel in einer Schweinezucht
Ferkel in einer Schweinezucht (Symbolbild). Bildrechte: IMAGO

Waltershausen Thüringer Schweinehalter fordern mehr Unterstützung

Mehr Wertschätzung - das wünschen sich die Thüringer Schweinehalter. Für sie heißt das zum einen mehr gesellschaftliche Anerkennung für ihre Arbeit, zum anderen aber auch mehr Geld für ihre Produkte, Ferkel und Fleisch. Denn immer neue Auflagen für die Zucht belasten die Betriebe bis an die Grenze, so die Interessengemeinschaft Thüringer Schweinehalter (IGS) am Mittwoch in Waltershausen.

von Ruth Breer

Ferkel in einer Schweinezucht
Ferkel in einer Schweinezucht (Symbolbild). Bildrechte: IMAGO

Kostendeckend waren die Erzeugerpreise in den vergangenen anderthalb Jahren nicht, rechnet der Vorsitzende der IGS, André Telle, vor: 30 statt 60 Euro für ein Ferkel - und 1,39 Euro für ein Kilo Fleisch statt des eigentlich "fairen und ehrlichen Preises" von 1,80 Euro. Denn die Bauern müssen investieren in Tierwohl und Umweltschutz, das sehen neue Vorschriften vor, die auf die Schweinehalter zukommen. Das bestätigt auch Simone Müller von der Thüringer Landesanstalt für Landwirtschaft und ländlichen Raum: Die anstehenden Mehrkosten der Bauern für die Einhaltung von Umweltstandards und Tierwohl-Vorschriften schätzt sie auf 50 bis 55 Euro pro Schwein. Um das abzufangen, sagte Müller, müssten die Erzeugerpreise um 40 Prozent angehoben werden - für den Verbraucher hieße das ein Plus von 10 Prozent für Wurst und Schnitzel.

Unsicherheit bei den Bauern

Der Bestand an Schweinen in Thüringen ist von 2017 auf 2018 um knapp zwei Prozent gesunken. Auch die Zahl der Betriebe schrumpfte von 208 auf 190. Die Thüringer Landwirtschaftsministerin Birgit Keller sagt, der Druck auf die Branche sei nicht nur an diesen Zahlen ablesbar. In ihrem Ministerium seien in den vergangenen vier Jahren deutlich weniger Fördermittel für Investitionen abgerufen worden. Die Schweinehalter seien verunsichert: Viele Anforderungen an Tier- und Umweltschutz seien noch unklar - man warte auf eine Nutztierverordnung vom Bund, so Keller. Ferkelkastration und das Kupieren der Schwänze sind weitere Baustellen. Und so fordert André Telle beim Schweinegipfel in Waltershausen auch mehr Planungssicherheit für sich und seine Kollegen.

Umweltschutz contra Tierwohl?

Bisweilen liegen auch die Ziele Umweltschutz und Tierwohl miteinander im Konflikt. Wenn beispielsweise der Filtererlass für bestehende Schweineställe umgesetzt werden soll, dann verringern sich zwar so die Emissionen in die Umwelt, sagt Telle - das aber würde die Lüftungssystem in den Ställen so verändern, dass mehr Schadgase entstehen für die Tiere und die Mitarbeiter. Anders herum bei der Weidewirtschaft: gut für die Tiere - aber dabei entstehen mehr schädliche Emissionen in die Umwelt. Das sei nur durch Kompromisse zu lösen, sagte Ministerin Birgit Keller, denn über beide Forderungen, Reagieren auf den Klimawandel und mehr Tierwohl, müsse man nicht diskutieren. Klar sei aber, dass alle gemeinsam die Mehrkosten zu tragen hätten.

Frust ist spürbar

"Fakten statt Vorurteile" - "Sachlichkeit statt Gefühlsduselei" - das erhoffte sich die IGS vom ersten Thüringer Schweinegipfel. Daraus spricht eine gründliche Portion Frust. Viele Bauern fühlen sich in der öffentlichen Diskussion so dargestellt, als hätten sie kein Interesse daran, die Bedingungen für ihre Tiere zu verbessern. Eine tierfreundlichere Landwirtschaft habe es nie gegeben, sagt André Telle etwas trotzig. Auch die Schweinehalter stünden für nachhaltiges Tierwohl - und wehrten sich nur gegen "ideologische und nicht bezahlbare Vorschriften".

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | MDR THÜRINGEN Nachrichten | 16. Mai 2019 | 06:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 16. Mai 2019, 07:34 Uhr

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