Fotos und Trittspuren Hinweise auf komplettes Wolfsrudel in Thüringen

Trittspuren und Aufnahmen von Fotofallen zeigen es nach Expertenmeinung deutlich: In Wäldern bei Tambach-Dietharz lebt ein Wolfsrudel. Das Thüringer Umweltministerium will sich der Ansicht jedoch nicht anschließen.

von Michael Hesse

Thüringen hat offenbar sein erstes Wolfsrudel. Fotofallen-Fotos aus Wäldern bei Tambach-Dietharz im Kreis Gotha zeigen zwei verschiedene Wölfe - einen eher schlanken und einen kräftigen Wolf. Zudem lassen Spuren den Schluss zu, dass die Gruppe aus insgesamt sieben Tieren besteht - drei ausgewachsene Wölfe und vier Jungtiere.

Ein Jäger hat von den Spuren im Wald Gipsabdrücke gegossen. Experten schließen daraus auf ein ganzes Rudel. Allerdings werden diese Spuren noch offiziell geprüft. Zudem sind weitere Fotofallen aufgestellt worden, um Bilder vom gesamten Rudel zu bekommen. Das Thüringer Umweltministerium will wegen der "dünnen Faktenlage" die Existenz des Wolfsrudels bisher nicht bestätigen. Es lasse sich auch nicht ausschließen, dass die Spuren von der bekannten Wölfin vom Truppenübungsplatz Ohrdruf und ihren Hybriden-Jungen stammen, die ein Hund mit der Wölfin gezeugt hatte. Die Fotos zeigten jeweils nur ein Tier, bei dem es sich auch um die Wölfin von Ohrdruf handeln könnte. Nur weil die Hybriden nicht auf den Fotos seien, heiße das nicht, dass sie nicht dort gewesen sind. Die Fotos zeigen Tiere, die das typisch graue Fell der Wölfe tragen. Die Hybriden hingegen sind wie ihr Vater pechschwarz.

Zahlreiche Rotwild-Risse in der Gegend

Als weiteres Indiz für die Existenz eines Rudels werten Experten die zahlreichen Risse von Rotwild in den vergangenen Wochen in der Gegend, darunter der eines kapitalen Hirsches. Wildbiologisch gilt es als ausgeschlossen, dass einzelne Wölfe, Hybriden oder Hunde einen ausgewachsenen männlichen Hirsch attackieren. Nur in der Gruppe können Wölfe einen Hirsch erlegen.

Laut der Wolfsexpertin Elli H. Radinger planen Wölfe ihre Angriffe wie eine militärische Einheit. Ohne Konzept loszurennen, sei für sie bloße Energieverschwendung und gefährlich. Bei einem davonrennenden Hirsch sei der gefährlichste Ort direkt hinter oder vor ihm. Ein Tritt der scharfkantigen Hufe könne den Angreifer schwer verletzen, schreibt die Autorin in ihrem Buch "Die Weisheit der Wölfe". Die meisten Attacken werden deshalb, so Radinger, von mindestens zwei Wölfen durchgeführt, die an den Seiten des Hirsches laufen und ihn in die Hinterläufe schnappen.

Das Fotos und Spuren stammen aus einem Privatwald bei Tambach-Dietharz keine 20 Kilometer vom Übungsplatz Ohrdruf entfernt.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 20. Juli 2018 | 05:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 20. Juli 2018, 11:59 Uhr

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36 Kommentare

22.07.2018 02:02 Fritz 36

Die Einen finden Wölfe toll, die Nächsten Ratten, Riesenschlangen, Waschbären, Papageien, Braunbären, Schildkröten usw. Aber zwischen Zoo und Stadtpark sollten noch Unterschiede sein. Nicht alles passt, weil es ja so niedliche Tiere sind, in Wald und Flur. Erst sind es Stubentiere, dann werden sie ausgesetzt. Tierliebe sollte seine Grenzen haben. Wölfe sollten nicht mehr in unseren eng bebauten Gebiete selbstverständlich sein. Der Luchs ja.

21.07.2018 22:03 Leandra 35

An "Scharf": Sie sind hoffentlich darüber aufgeklärt, dass der Abschuss und das Töten von streng geschützten Wildtieren kriminell ist und unter Strafe steht? Deshalb zügeln Sie bitte Ihre äußerst unkompetente Aussage. Und Wolfsrudel in den Karpaten, die ganze Dörfer belagerten - Sie haben wohl zuviel Horrorfilme à Bram Stoker geschaut ...

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