Ehrenamt Viola Worsch aus Kornhochheim ist Thüringerin des Monats März

Viola Worsch hilft Menschen, die Gewalt oder noch schlimmeres erlebt haben. Sie steht ihnen zu Seite, gibt Hoffnung und Zuversicht. Beim Weißen Ring ist sie verantwortlich für den Ilmkreis - alles ehrenamtlich - und deshalb ist sie unsere Thüringerin des Monats März.

Viola Worsch
Sie hilft Menschen in Not - ehrenamtlich für den Weißen Ring: Viola Worsch aus Kornhochheim ist unsere Thüringerin des Monats März Bildrechte: MDR/David Dienemann

Viola Worsch aus Kornhochheim, einem Ortsteil der Gemeinde Nesse-Apfelstädt im Landkreis Gotha, engagiert sich seit acht Jahren ehrenamtlich im Weißen Ring und hilft Kriminalitätsopfern. Dafür haben sie MDR THÜRINGEN und die Thüringer Ehrenamtsstiftung nun ausgezeichnet.

Anspruchsvolle Aufgabe im Ehrenamt

Die Kinder sind aus dem Haus - das heißt: freie Kapazität. Mit diesem Anspruch hat sich die heute 63-jährige Sachsen-Anhalterin aus Salzwedel in ihrer Thüringer Wahlheimat vor knapp zehn Jahren auf die Suche nach einer ehrenamtlichen Aufgabe begeben. Beeindruckt war sie von einem Zeitungsartikel über die Arbeit des Weißen Rings und hat nach einem Gespräch mit Petra Kubis vom Landesbüro der Hilfsorganisation für sich entscheiden: "Okay, das kannst Du." Und die Aufgabe war gleich eine anspruchsvolle: Petra Kubis hat sie gebeten, die damals brach liegende Arbeit des Weißen Rings im benachbarten Ilm-Kreis zu übernehmen. Innerhalb kurzer Zeit ist es Viola Worsch gelungen, ein über den Kreis verteiltes Team aus fünf ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern für die Betreuung und Begleitung der Opfer von Gewalt und anderen Straftaten zu gewinnen.

Wenn jemand um Hilfe bittet, wird zunächst geprüft, wo sie oder er wohnt und wie der Fall thematisch gelagert ist. Jede und jeder im Team hat eine spezielle Qualifikation - so werden die Fälle dann aufgeteilt, wer sich um wen kümmert.

Ich stoße oft auf Menschen, die in Not geraten und dann die einfachsten Dinge nicht mehr können. Die sind so konfus, die können nirgendwo anrufen und um Hilfe bitten. Manche wären wirklich aufgeschmissen, wenn sie nicht jemanden von unserem Team an der Seite hätten, die für sie die Dinge auf den Punkt bringen. Ich kann einen Brief schreiben. Ich kann mit den Leuten zum Gericht gehen und eine Aussage machen, ohne dass ich vor Herzklopfen kein Wort mehr herausbringe, was den Opfern aber ganz oft so geht.

Viola Worsch

Und ein Punkt wird dabei meist unterschätzt: Manche Menschen haben, wenn sie in Not geraten sind, auch ein großes Geldproblem. Oft sind in Fällen häuslicher Gewalt Frauen mit ihren Kindern auf sich allein gestellt. Sie haben keinen Zugang auf das Konto oder das Arbeitslosengeld II geht direkt auf das Konto des Mannes. Im Frauenhaus sind sie ohne Geld, müssen sich aber eigentlich selbst versorgen und bekommen am Ende noch die Rechnung für den Aufenthalt.

Geld als Soforthilfe für Kriminalitätsopfer

In solchen Fällen kann der Weiße Ring auch mit Geld helfen, viel unkomplizierter, als das Ämter oder Institutionen könnten. "Wir haben ein sehr großzügiges System. Wir können vor Ort eine Soforthilfe geben - ohne Wenn und Aber. Wenn wir merken, das Geld wird gebraucht, dann leg ich es auch auf den Tisch", sagt Viola Worsch.

Mahr als 500 Fälle pro Jahr für den Weißen Ring in Thüringen

In mehr als 500 Fällen hilft der Weiße Ring in Thüringen jedes Jahr Opfern von Gewalt und anderen Straftaten. Im Ilm-Kreis sind es rund 30 Fälle im Jahr. Und häusliche Gewalt hat daran einen hohen Anteil. Von zehn neuen Fällen im Kreis in diesem Jahr betreffen laut Viola Worsch sechs den Bereich häusliche Gewalt. Meist sind Kinder mit involviert.

"Da bin ich wie meine Kolleginnen sehr empfindlich", sagt Viola Worsch, "egal was passiert ist, es berechtigt nichts und niemanden zu Gewalt. Und Kinder können sich ohnehin nicht wehren. Die haben weder Schuld an etwas, noch können sie aus der Situation raus."

Manche Fälle entwickeln sich zu "Lebensbegleitungen"

Die nötige Hilfe leistet der Weiße Ring im Ilm-Kreis in enger Zusammenarbeit mit dem Landratsamt, der Polizei und dem Frauenhaus in Erfurt. - Manche Fälle entwickeln sich auch zu "Lebensbegleitungen", wo man zum Beispiel nach drei Jahren die Opfer dann bittet, wieder allein klarzukommen.

Aber es gibt für unsere Thüringerin des Monats auch immer wieder die positiven Momente: "Wenn die Frau in Sicherheit ist, manchmal auch eine neue Wohnung bezogen hat und mit den Kindern untergebracht ist, dann können wir uns zurückziehen", erzählt Viola Worsch, "und wir können sagen: Wir haben einen guten Job gemacht. Der Frau und den Kindern geht es gut."

Quelle: MDR THÜRINGEN/ger/mam

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 27. März 2020 | 19:00 Uhr

1 Kommentar

Mario.Forker vor 9 Wochen

Ich habe großen Respekt und Hochachtung vor der Leistung aller ehrenamtlich tätigen Bürger, egal aus welcher Motivation heraus sie sich engagieren!
Im Fall von Frau Worsch, ist es hervorzuheben, was häusliche Gewalt auch für seelische Schäden bei den Betroffenen, besonders bei Kindern verursachen kann.
Kinder lieben ihre Eltern, können aber absolut nicht einordnen warum von der Hand die sonst streichelt, füttert und Schutz bietet plötzlich Gewalt, Schmerzen und Not ausgeht.
Dies ist leider sehr häufig derart traumatisch, daß die betroffenen schutzbedürftigen Kinder nicht anders können, als die Schuld bei sich selbst zu suchen. Eine verzögerte, oft auch gestörte Entwicklung der Persönlichkeit und des Selbstwertgefühls sind die schwerwiegensden aller möglichen Folgen.
In der derzeitigen, angespannten Situation ist einmal mehr wichtig zu erkennen und hervorzuheben, wie hoch das Gut der häuslichen Geborgenheit und der Schutz dessen ist!

Danke an Alle, wie auch an
Frau Viola Worsch

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