Frühere Mitarbeiterin des Amtsgericht Gotha vor dem Landgericht Erfurt.
Die Angeklagte am Tag der Urteilsverkündung im Landgericht Erfurt. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Urteil am Landgericht Erfurt Bewährungsstrafe für untreue Ex-Kassiererin der Justiz in Gotha

Frühere Mitarbeiterin des Amtsgericht Gotha vor dem Landgericht Erfurt.
Die Angeklagte am Tag der Urteilsverkündung im Landgericht Erfurt. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Das Landgericht Erfurt hat die frühere Leiterin der Zahlstelle des Amtsgerichts Gotha wegen Veruntreuung von über 200.000 Euro zu einer Bewährungsstrafe verurteilt. Das Gericht verhängte zwei Jahre Haft und setzte diese Strafe für drei Jahre zur Bewährung aus. Richter Dirk Apel sagte in der Urteilsbegründung, das Gericht habe sich wegen der günstigen Sozialprognose der Frau für eine Haftstrafe mit Bewährung entschieden.

217.000 Euro zurückgezahlt

Die Richter sahen es als erwiesen an, dass die 62-jährige Frau mindestens 391 Mal Geld aus der Justizkasse entwendet hat. Dabei ist allein in der Zeit von 2012 bis 2017 ein Schaden von mindestens 209.000 Euro entstanden. Die Frau war voll geständig. Sie hat Taten über den angeklagten Tatzeitraum hinaus eingeräumt und bereits 217.000 Euro zurückgezahlt. Die Frau akzeptierte das Urteil.

Staatsanwaltschaft prüft Revision

Staatanwalt Rainer Kästner-Hengst hatte auf eine Freiheitsstrafe von drei Jahren und drei Monaten ohne Bewährung plädiert. Er sagte MDR THÜRINGEN, er prüfe, ob er in Revision gehe. Die Verteidigung der Frau hatte für eine Bewährungsstrafe geworben. Das Gericht sollte berücksichtigen, dass sie bereits zwei Suizid-Versuche unternommen habe.

Wenn Kontrolle drohte, stimmte die Kasse

Die Griffe in die Kasse waren wegen mangelnder Kontrollen nicht aufgefallen. Vor Gericht sagte eine Bezirksrevisorin als Zeugin aus, alle Justizzahlstellen würden einmal im Jahr unangekündigt kontrolliert. In Gotha sei das fast immer in den ersten drei Monaten des Jahres passiert. Geprüft würden dann immer die vorhergehenden 14 Tage.

Ertappt wegen 50 Cent

Ertappt wurde die Chefkassiererin eher zufällig: Als im Februar 2017 ein Fehlbetrag von 50 Cent in der Gothaer Justizkasse festgestellt wurde, schaute sich die Bezirksrevisorin die Unterlagen der vergangenen Jahre an. Dabei fiel auf, dass in den ersten Monaten eines jeden Jahres - bis zur Revision - keine Fehlbeträge zu verzeichnen waren. Kaum waren die Kontrolleure wieder weg, habe Geld in der Kasse gefehlt.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 22. März 2019 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 22. März 2019, 14:53 Uhr

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10 Kommentare

24.03.2019 12:08 martin 10

Eine Bewährungsstrafe erscheint auf den ersten Blick in der Tat "sehr mild". Allerdings: Wenn die Angeklagte Beamtin war und nun zu einer zweijährigen Haftstrafe verurteilt wurde, wird (wurde) sie meines Wissens nach aus dem Beamtenverhältnis entfernt.

Damit verliert sie ihre Pensionsansprüche und wird "nur" in der gesetzlichen Rentenversicherung nachversichert - und die ist ohne die "betriebliche Altersvorsorge" des öffentlichen Dienstes deutlich niedriger als die Pension. Ich finde durchaus, dass dies eine weitere Strafkomponente ist - denn die Chancen auf einen (vielleicht auch noch gut bezahlten) Job dürften für die Dame berechtigterweise ziemlich schlecht sein.

Darüber hinaus ist auch zu bedenken, dass die Haftzeit dem Steuerzahler weitere erhebliche Kosten aufbürden würde. Ob das dann in meinen Augen insgesamt eine Aussetzung zur Bewährung rechtfertigt, kann ich aufgrund fehlender Details nicht einschätzen.

24.03.2019 01:56 R.H. Paul 9

[MDR THÜRINGEN: Kommentar gelöscht. Bitte verzichten Sie auf Beleidigungen.]

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