"Schlammschlacht" am Hirzberg Den Bewohnern der Siedlung wird der Hahn zugedreht

Ab 1. August wird kein Trinkwasser mehr die Siedlung am Hirzberg in Herrenhof im Landkreis Gotha erreichen. Nicht das einzige Problem für die Bewohner: Die Zuläufe der Abfluss-Gruben müssen auch verschlossen werden.

Die Siedlung Hirzberg in Herrenhof im LK Gotha.
Die Siedlung Hirzberg in Herrenhof im Landkreis Gotha hat ein Abwasserproblem. Bildrechte: MDR/Sandra Voigtmann

Einfach mal einen Kaffee kochen, die Toilettenspülung benutzen, Wäsche waschen oder duschen - all das wird ab Anfang August eine Herausforderung für die Bewohner der Siedlung am Hirzberg in Herrenhof im Landkreis Gotha. Die Überläufe der Ausfaulgruben sind schon dicht seit Ende Juni. Die Zuläufe der Gruben sollen auch verschlossen werden und nächste Woche wird auch das Wasser abgestellt.

Grund dafür - zu viele Menschen wohnen inzwischen dauerhaft in der Wochenendsiedlung. Dafür sind die vier alten Ausfaulgruben schlicht zu klein. Die stinkende Suppe lief deshalb immer wieder in den Flößgraben. Ein Straftatbestand, so Wolfgang Orlepp, Amtsleiter des Umweltamtes im Landkreis Gotha. Bereits Mitte 2019 wurde deshalb durch seine Behörde der Verschluss der Überläufe angeordnet. Allerdings sei bald klar gewesen, dass die Gemeinde dort zu spät reagieren würde, so Ortlepp. Deshalb habe man die Kommunalaufsicht um Amtshilfe gebeten und diese auch bekommen.

Bürgermeister kündigt Trinkwasser-Vertrag

Herrenhofs Bürgermeister Axel Nagel (CDU) drohten strafrechtliche Konsequenzen. Er musste handeln. Er ließ die Überläufe der Ausfaulgruben verschließen. Doch weil die Gruben schon ziemlich alt seien, so Nagel, sei es jederzeit möglich, dass ungeklärte Abwässer wieder in den Flößgraben gelangen. Damit das nicht geschehe, würden deshalb zeitnah auch die Zuläufe zu den Ausfaulgruben verschlossen, sagte der Bürgermeister. Und wenn Abwässer nicht aufgefangen werden könnten, so Nagel, dann darf eben auch keines entstehen.

Deshalb kündigte er den Wasserliefervertrag mit dem Wasser- und Abwasserzweckverband Apfelstädt-Ohra. Ab 1. August wird kein Trinkwasser mehr die Siedlung am Hirzberg erreichen. Ausgenommen ist die Hirzbergbaude, die einen eigenen Wasseranschluss besitzt, weil der Wirt eine abflusslose Grube auf seinem Grundstück gebaut hat und somit alles wasserrechtlich dicht ist.

Anwohner sollen Erschließung zahlen

In den Brunnen sei das Kind trotzdem nicht gänzlich gefallen, sagte Herrenhofs Bürgermeister Nagel MDR THÜRINGEN. Es gebe mehrere Lösungen.

Die Siedlung Hirzberg in Herrenhof im LK Gotha.
Die Wochenendsiedlung soll zum Wohngebiet werden. Bildrechte: MDR/Sandra Voigtmann

Zum einen Investitionen durch die Anwohner, um damit das Projekt Anschluss an Abwasser- und Wasserleitungen zum Abschluss zu bringen. Darum ringe man mit den Anwohnern schon seit sechs Jahren, sagte er. Nur so könne sicheres Wohnen geschaffen werden. Eine abgespeckte Möglichkeit sei, wenn sich Menschen bereit erklären, einen Verein oder ähnliches zu gründen und sich selbst um die Entsorgung und Versorgung in Sachen Wasser und Abwasser kümmern. Doch all das kostet viel Geld. Nicht jeder sei in der Lage, Summen im fünfstelligen Bereich für die Erschließung seines Grundstückes zu zahlen, so die Anwohner. Aber nur mit einer solchen Erschließung kann der vom Gemeinderat beschlossene Bebauungsplan umgesetzt und aus der Wochenendsiedlung ein Wohngebiet werden, erklärte Adler dem MDR.

Fronten sind verhärtet

Alexander Freytag hat vor drei Jahren am Hirzberg ein Haus gekauft. Er möchte hier eine Familie gründen und alt werden. Er wusste von der Problematik der Wochenendsiedlung und den fehlenden Anschlüssen oder abflusslosen Gruben. Dass das Gebiet nicht erschlossen ist, war ihm bewusst. Auch, dass es weiterer Schritte bedarf. Dass dies aber mit so hohen Kosten von mehreren zehntausend Euro in seinem Fall verbunden ist, damit habe er nicht gerechnet. Schon lange bevor Freytag auf den Hirzberg zog, wurde auf und um den Hirzberg gestritten. Die Fronten sind verhärtet. Er hofft dennoch auf eine Lösung.

Judith Holland-Nell hat ihr Haus 2006 gekauft. Inzwischen ist sie nur noch selten hier. Verantwortlich fühlt sie sich aber trotzdem noch. Sie würden nicht gegen etwas streiten, sagte sie, sondern für etwas. Sie möchte, dass die Gemeinde ihrer Verpflichtung nachkommt und für alle Bürger, die auf dem Hirzberg wohnen, eine akzeptable, rechtskonforme und tragbare Lösung findet.

Neuer Streitpunkt aufgetaucht

Doch seit Freitag gibt es schon einen weiteren Streitschauplatz - die Brücke zur Siedlung.

Die Siedlung Hirzberg in Herrenhof im LK Gotha.
Wegen dieser Brücke entbrennt jetzt der nächste Streit. Bildrechte: MDR/Sandra Voigtmann

Schon immer ist sie nur für Fahrzeuge mit einem Gewicht von bis zu sechs Tonnen zugelassen. Das soll nun auch durchgesetzt werden, so der Bürgermeister. Außerdem wurden Betonpoller gesetzt. Fahrzeuge, die breiter als zwei Meter sind, dürfen die Brücke ebenfalls nicht mehr befahren. Größere Fahrzeuge der Abfallwirtschaft oder zum Abpumpen der Gruben kommen seit Freitag nicht mehr in die Siedlung am Hirzberg in Herrenhof.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Das Fazit vom Tag | 24. Juli 2020 | 18:25 Uhr

6 Kommentare

maheba vor 31 Wochen

Klarer Fall, immerhin heiß es doch "Eigentum verpflichtet ". Wer es sich leisten kann ein Wochenendgrundstück zu besitzen und zu unterhalten, sollte auch diese Kosten im Auge haben. Und wer dort ein Grundstück kauft um es als Wohnsitz zu nutzen sollte auch vorher rechtssichere Tatsachen schaffen oder sich dahingehend informieren.

Rotti vor 31 Wochen

Wer Wind sät, wird Sturm ernten, heißt es in der Bibel.
Die Bürokratie, besonders die aus der EU heraus, ist unerträglich und unmenschlich. Möchte mal wissen, wie viele ähnliche Siedlungen davon in Griechenland oder Italien existieren und nicht solche Probleme haben.

Lothar Thomas vor 31 Wochen

Wie denn nun, was ist es nach dem Gesetz?

Eine Schrebergarten Siedlung oder eine reguläre Wohnanlage?

Wenn man es jahrelang Geduldet hat, dass sich Leute dort etwas aufgebaut und ständig dort aufgehalten haben, dann hat doch die Verwaltung gepennt.

Da hätte doch der Bürgermeister längst einschreiten müssen und nicht erst jetzt, wo das Kind in den Brunnen gefallen ist.

Das ist doch zuerst ein Problem der Verwaltung.
Die Verwaltung genehmigt doch Käufe und Verkäufe, die Verwaltung genehmigt doch alle baulichen Veränderungen, dort muss doch zuerst auffallen, wie groß solch eine "Gartenlaube" wird.

Oder wird hier wieder einmal offensichtlich, dass mitunter für ein kleines Backschich mehr genehmigt wurde wie erlaubt?

Wo anders muss auch auf das ursprüngliche Bauwerk zurück gebaut oder abgerissen werden.

Nur jetzt so Knall auf Fall, das geht gar nicht.

Da muss die Gemeinde eben eine Vollerschliessung machen und das Gebiet in eine Wohnsiedlung umwandeln und eine richtige Brücke bauen

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