Ein Wolf läuft durch den Hainich, aufgenommen von einer Fotofalle nahe Heyerode. Wolf oder Wölfin ist unklar.
Dieses Tier wurde von einer Fotofalle im Hainich erfasst. Bildrechte: Wildtierland Hainich gGmbH

Erstes Wolfspaar in Thüringen Wolf findet Ohrdrufer Wölfin und bleibt

Seit sechs Monaten ist ein neuer Wolf mit der Ohrdrufer Wölfin unterwegs. Das Paar macht die Schäfer schon jetzt ratlos. Der Thüringer Bauernverband spricht von einer beunruhigenden Entwicklung. 114 Nutztiere hat der Wolf in diesem Jahr bereits getötet, so das Landesamt für Umwelt, Bergbau und Naturschutz.

Sandra Voigtmann
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

von Sandra Voigtmann

Ein Wolf läuft durch den Hainich, aufgenommen von einer Fotofalle nahe Heyerode. Wolf oder Wölfin ist unklar.
Dieses Tier wurde von einer Fotofalle im Hainich erfasst. Bildrechte: Wildtierland Hainich gGmbH

Thüringen hat sein erstes Wolfspaar. Eine Sprecherin des Landesamtes für Umwelt, Bergbau und Naturschutz sagte MDR THÜRINGEN, inzwischen habe sich auch ein Wolf auf dem Truppenübungsplatz bei Ohrdruf angesiedelt. Dieser wird als resident eingestuft. Im Frühjahr galt der Wolf noch als durchziehendes Tier. Doch er scheint Gefallen an der Ohrdrufer Wölfin und am dortigen Revier gefunden zu haben. Inzwischen ist er seit sechs Monaten mit der Ohrdrufer Wölfin unterwegs, hieß es von der Oberen Naturschutzbehörde. Beide Tiere tappen immmer wieder in die Fotofallen. Es muss damit gerechnet werden, dass das Wolfspaar im nächsten Jahr reinrassigen Nachwuchs bekommt. Auch die fünf Hybriden leben noch. Wölfe töten oft den Nachwuchs anderer Männchen. Das ist hier nicht der Fall. Die zwei schwarzen und drei grauen Hybriden sind auch regelmäßig auf Fotos zu sehen, hieß es.

Schäfer sind ratlos

Die Wölfin hat in den letzten Wochen vermehrt Nutztiere rund um den Truppenübungsplatz Ohrdruf im Landkreis Gotha getötet. Allein in dieser Woche waren es fünf. Schäfer rechnen täglich mit neuen Rissen. Die Ohrdrufer Wölfin macht die Schäfer ratlos. Der Thüringer Bauernverband spricht von einer beunruhigenden Entwicklung. 114 Nutztiere hat der Wolf in diesem Jahr bereits laut Landesamt für Umwelt, Bergbau und Naturschutz getötet.

Esel sollen den Wolf fernhalten

Die 1,20 Meter hohen Schutzzäune sind für die Wölfin und ihre Nachkommen offenbar kein Hindernis. Problemlos überspringen sie diese Höhen, sagt Schäfer Michael Meister.

Eine Wölfin
Nutztiere sind offenbar leichter zu erbeuten als Wildtiere. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Manche Thüringer Schäfer arbeiten inzwischen mit Herdenschutz-Hunden. Doch da diese Hunde nur möglichst einen Hundeführer haben sollen, ist der Einsatz in großen Agrarbetrieben kaum möglich, so Olaf Broneske von der Agrargenossenschaft Drei Gleichen in Mühlberg. Einige Landwirte haben in ihre Herden Esel gestellt. Heinz Bley von der Agrar GmbH Crawinkel hat nach eigenen Angaben gute Erfahrungen damit gemacht. Seitdem die Esel in den Herden mit Jungtieren stehen, bleibt der Wolf fern. Doch auch bei ihm hat der Wolf schon zugeschlagen. Fünf Fohlen, drei Kälber und eine Stute gehen in diesem Jahr aufs Konto der Wölfin. Auffällig sei, dass die Wölfin verstärkt bei ihm auf den Weiden jage, wenn die Schäfer ihre Tiere vom Spätherbst bis ins Frühjahr im Stall halten, sagt Bley.

Sorge um Nutztiere wächst

In der Nacht zum Montag wurde bei Mühlberg ein Schaf komplett gefressen, ein weiteres angefressen. Zwei Lämmer wurden durch die in Panik ausbrechende Herde totgetrampelt. Die Herde wurde kilometerweit auseinander getrieben, sagt Schäfer Michael Meister. In der Nacht zum Dienstag griff die Wölfin eine wenige Kilometer entfernt stehende Herde auf dem Truppenübungsplatz bei Ohrdruf an und riss ein Schaf. Im Jahr 2017 wurden nach dem ersten Hybridenwurf 84 Nutztiere von der Wölfin und ihren Nachkommen getötet. 2018 waren es im gesamten Jahr 61. In diesem Jahr hat das Rudel bereits fast doppelt soviele Schafe, Ziegen, Kälber und Fohlen getötet. Die Sorge wächst, dass es mit einem Wolf und weiteren Nachkommen noch mehr gerissene Tiere werden.

Thüringer Bauernverband fordert Abschussgenehmigung

Die Wölfin und ihre Nachkommen haben bereits ein Verhaltensmuster aufgebaut, leicht zu erbeutende Nutztiere zu jagen statt Wildtiere. Das bestätigen sowohl der Bauernverband als auch die Landesanstalt. Schutzzäune sind offenbar kein Hindernis für die Wölfe. Der Thüringer Bauernverband hat deshalb seine Forderung nach einer Abschussgenehmigung für die Wölfin erneuert. Der Antrag liegt derzeit wieder bei der Oberen Naturschutzbehörde. Zuvor hatte der Bauernverband noch einige juristische Fragen klären müssen, hieß es. Wann es eine Entscheidung gibt, ob die Wölfin geschossen werden darf und wenn ja wann, ist noch offen.

Entschädigung nach Wolfsrissen "zu bürokratisch"

So wie der Bauernverband auf eine Entscheidung wartet, warten viele Viehhalter auf die Entschädigungen nach Wolfsrissen in ihren Herden. Laut Landesanstalt für Umwelt, Bergbau und Naturschutz wurden 17 Anträge bewilligt und ausgezahlt. In Summe sind das 24.305,39 Euro. Vom Antrag bis zur Bewilligung vergehen im Schnitt 32 Tage. Die Bearbeitungsdauer hängt von der Vollständigkeit der Anträge ab, erklärt das Amt. Landwirte und Schäfer nennen das Verfahren "zu bürokratisch". Es gibt Landwirte, die warten schon seit drei Monaten auf ihr Geld.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 09. Oktober 2019 | 17:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 09. Oktober 2019, 17:34 Uhr

9 Kommentare

Ekkehard Kohfeld vor 4 Wochen

Geben sie doch bitte mal die Quelle an wo sie Anzeige wegen Tierquelrei erstattet haben und wo man das einsehen kann ansonsten haken wir das unter FAKE - News ab.

Ekkehard Kohfeld vor 4 Wochen

Hybridisierung
Der Wolf erfüllt sowohl auf globaler wie auch europ.
Ebene nicht einmal annähernd eines der Kriterien einer bedrohten Art.
Den sog. günstigen Erhaltungszustand für derart mobile
Arten schätzt man inzw. auf 250 Tiere und dieser ist bei
der deutsch-polnisch-baltischen Population mit vielen
Tausend Tieren seit Jahren übererfüllt. Der aktuelle
Schutzstatus mit Anhang 4 der FFH-Richtlinie hat keine
reale Grundlage und muss geändert werden. Ansonsten wird
die Vermischung mit Hunden in den europ.
Ländern die Art Wolf auf längere Sicht für immer genetisch
zerstören. Die Forensiker können schon jetzt nur schwer Unterschiede
finden (Quelle: Bundestagsanhörung 2018)

Ekkehard Kohfeld vor 4 Wochen

Dr Sapiens

Auch ist die Harmlosigkeit gegenüber dem Menschen inzw. wissenschaftlich widerlegt:
( Nachgewiesen sind inzw. 9000 Tote in Frankreich in 250 Jahren vor der Ausrottung
abzüglich 44 % Tollwut aber bereits nach Sichtung von 15 % des Archiv-Materials,
Stand Ende 2017, 12 jährige Studie u. d. L. v. Prof Moriceau, Univ. Caen )
Im Versuchsgebiet Deutschland schützt uns Erwachsene lediglich
die aktuell zu hohe Dichte der Rehe (Beuteverfügbarkeit).
Einen solchen Überbestand gab es in Frankreich vor der Ausrottung
der Wölfe natürlicherweise nicht. In unserem heute extrem fragmentierten
Nutzflächengebiet kann die Beutedichte nicht auf Dauer flächendeckend bestehen.
Ein Wolf benötigt täglich durchschnittlich 5.4 kg Beute bzw. 4,2 kg reines Fleisch.

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