Wolf in freier Wildbahn von einer Fotofalle aufgenommen
Die Wölfin aus Ohrdruf und ihr Nachwuchs beschäftigen die Behörden mittlerweile seit Jahren. (Archivfoto) Bildrechte: Bundesforst

Ohrdruf Nachwuchs bei Wölfen löst neue Debatte um Abschuss aus

Die Wölfin aus Ohrdruf hat offenbar wieder Nachwuchs bekommen. Schäfer in Thüringen zeigen sich angesichts gerissener Nutztiere besorgt und fordern den Abschuss. Der Nabu sieht die Sache jedoch anders.

Wolf in freier Wildbahn von einer Fotofalle aufgenommen
Die Wölfin aus Ohrdruf und ihr Nachwuchs beschäftigen die Behörden mittlerweile seit Jahren. (Archivfoto) Bildrechte: Bundesforst

In Thüringen ist eine neue Debatte um die Ohrdrufer Wölfin entbrannt. Während Jäger und Schäfer den Abschuss des Muttertiers im Kreis Gotha fordern, sprechen sich Naturschützer dafür aus, die Wölfin zu verschonen. Anlass für die aktuelle Diskussion ist, dass die Wölfin offenbar erneut Wolf-Hund-Mischlinge bekommen hat.

Untypisches Verhalten? Antrag auf Abschuss der Wölfin in Thüringen

Laut dem Chef der Agrargenossenschaft Thörey, Siegmar Arnold, ist es für Europa vollkommen untypisch, dass die Wölfin bereits zum zweiten Mal Mischlingsnachwuchs bekommen hat. Er kündigte an, am Freitag in der Arbeitsgruppe Wolf des Landesverbandes einen Antrag auf Abschuss der Wölfin wegen artuntypischen Verhaltens zu stellen. Seiner Meinung nach habe das Umweltministerium die Wolfsproblematik vollkommen unterschätzt. Ein Rudel lebe überlicherweise in einem Umkreis von 25.000 Hektar. Das Gelände der Ohrdrufer Wölfin sei hingegen nur knapp 5.000 Hektar groß.

Gerissene Tiere bereiten Jägern und Schäfern Sorge

Jedes Mal, wenn sie Nachwuchs bekommen habe, hätten die Angriffe zugenommen, sagt Arnold. Dabei würden gezielt Nutztiere gerissen. Das könne so nicht weitergehen, forderte der Chef der Agrargenossenschaft. Pläne des Umweltministeriums, die Wölfe mit Fallen zu fangen, seien bislang erfolglos geblieben. Deshalb werde er am Freitag den Vorschlag zum Abschuss machen. Zuvor hatte die Thüringische Landeszeitung darüber berichtet.

Auch der Chef der Kreisjägerschaft, Niko Scheringer, hält das Tier in Ohrdruf für eine Problem-Wölfin. Sie und ihr erster Nachwuchs hätten 2017 etwa fünfmal so viele Nutztiere gerissen wie ein durchschnittliches Rudel in Deutschland.

Naturschützer bemängeln fehlende Nachweise für Wolfsrisse

Für Silvester Tamas vom Naturschutzbund (Nabu) Thüringen hingegen ist das Verhalten der Ohrdrufer Wölfin ganz normal. Sie verhalte sich nicht untypisch, wenn sie eine Schafsherde angreife. Einen Abschuss der Wölfin hält Tamas für fachlich überzogen und strafrechtlich relevant. Laut Tamas fehle der Nachweis, dass das Tier tatsächlich für die zahlreichen Schafsrisse verantwortlich ist. Es gebe nur maximal vier Fälle, in denen ein genetischer Fingerabdruck der Wölfin vorliege.

Tamas findet es jedoch verständlich, dass die Schäfer so reagieren. Doch aus dem Zeitalter, die Tiere einfach zu erschießen, sei man mittlerweile heraus. "Jagd auf Wölfe ersetzt keinen Herdenschutz", so Tamas. Seiner Ansicht nach sind die Schäfer gefordert, ihre Tiere noch besser zu schützen. Dabei müssten sie jedoch unterstützt werden. Thüringen sei schon gut aufgestellt, aber die Flächenprämie solle auch bald kommen.

Junge Wölfe in Thüringen sollen gefangen werden

Das Thüringer Umweltministerium hatte am Dienstag mitgeteilt, dass die Wölfin erneut drei Mischlingsjunge zur Welt gebracht hat. Vater ist vermutlich ihr eigener Hybridensohn, mit dem die Wölfin unterwegs war, ehe er im April erschossen wurde. Bei den neuen Hybriden soll zunächst wieder versucht werden, sie einzufangen. Gelingt das wie bei ihren Halbgeschwistern vor zwei Jahren nicht, sollen sie ebenfalls zum Abschuss freigegeben werden.

Die CDU im Thüringer Landtag fordert einen Strategiewechsel im Umgang mit der Ohrdrufer Wölfin. Zum zweiten Mal plane das Umweltministerium eine aufwändige und vermutlich vergebliche Jagd auf den Nachwuchs mit Lebendfallen, sagte der landwirtschaftspolitische Sprecher der Fraktion, Marcus Malsch. Angesichts mehrerer hundert gerissener Nutztiere sollte Umweltministerin Anja Siegesmund (B90/Grüne) die Wölfin und ihren Nachwuchs zum Abschuss frei geben. Es handele sich eindeutig um Problemwölfe, so Malsch.

Dem schließt sich die AfD-Fraktion an. Es müssten endlich andere Wege beschritten werden, forderte deren jagdpolitischer Sprecher Stefan Möller. Seiner Meinung nach muss der internationale Schutzstatus des Wolfes herabgesetzt werden. Der Abschuss sei ökologisch vertretbar, schließlich handele es sich nicht mehr um eine gefährdete Art. Die eurasische Wolfspopulation könne in ihrem Bestand als gesichert angesehen werden, so Möller.

Der Thüringer FDP-Landeschef Thomas Kemmerich sieht das ähnlich. Er nennt die Pläne von Ministerin Siegesmund "blauäugig". Der Wolf müsse ins Jagdrecht aufgenommen werden, so Kemmerich.

Hybride Bislang sind zwei Fälle in Deutschland nachgewiesen, bei denen sich Wolf und Hund gepaart haben: 2003 in Sachsen und 2017 in Thüringen. Da der Hund vom Wolf abstammt, sind solche Verpaarungen (Hybridisierungen) biologisch nicht ungewöhnlich. Die Regel in der Natur ist jedoch, dass Wölfe sich mit Artgenossen paaren. Zu sogenannten Hybridisierungen kommt es nur dann, wenn kein (Wolfs-)Geschlechstpartner vorhanden ist. Quelle: Wolfskompetenzzentrum Iden

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 24. Juli 2019 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 24. Juli 2019, 11:06 Uhr

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15 Kommentare

25.07.2019 18:59 martin 15

@14 dorfbewohner: Ob das bei Eseln spezielle Züchtungen sind, kann ich Ihnen nicht sagen. Mir ist in den Alpen bei einer freilaufenden Herde mal ein solches Exemplar über den Weg gelaufen - also eher ich der Herde. Das Tier hat mir sehr deutlich gemacht, dass ich besser daran tue, der Herde nicht näher zu kommen ...

Bei Hunden ist es eine Mischung aus Züchtung und Erziehung, die einen "Schoßhund" (wenn ich das mal als Gegenpol nehmen darf) von einem "Arbeitshund" unterscheidet. Wie genau das bei Eseln funktioniert kann ich nicht sagen - mir fehlt jegliche Phantasie, wie man einen Esel erziehen kann. Allerdings bin ich an dem Punkt kein Fachmann.

25.07.2019 13:57 Dorfbewohner 14

"martin 10

...Ein sinnvoller Ansatz beim Herdenschutz ist es zutreffenderweise nicht, die Landschaft mit Zäunen zu verbarrikadieren, sondern der Einsatz von Herdenschutzhunden und -eseln. Wölfe sind lernfähig und werden sich nicht mit einem Schutzhund oder -esel anlegen…"

Ich lese überall Esel, Esel Esel. Sind das noch unbekannte Neuzüchtungen? Über normale Esel und Wölfe las ich z.B. gestern auch dies hier und zitiere im Auszug die TLZ, Seite 4 von gestern unter der Überschrift:

"Abschuss der Wölfin gefordert

... Erstmals wurden in diesem Jahr auch Fohlen gerissen. Im April, auch noch im Mai, gab es eine Serie von Wolfsangriffen auf die Fohlen von Crawinkels Bürgermeister Henz Bley. Er stellte, zur Abschreckung, Esel auf die Koppel, doch half das nichts…"

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