Anja Siegesmund
Thüringens Umweltministerin Anja Siegesmund (Bündnis 90/Die Grünen) sieht sich im Recht. Bildrechte: MDR/Karina Heßland-Wissel

Abschuss von Hybriden "Wolfsfreunde" zeigen Umweltministerin Siegesmund an

Nach dem Abschuss dreier Wolfshybriden wollen selbsternannte Tierschützer gegen Thüringens Umweltministerin vorgehen. Das Ministerium reagiert gelassen - und beruft sich auf das Wolfskompetenzzentrum des Bundes.

Anja Siegesmund
Thüringens Umweltministerin Anja Siegesmund (Bündnis 90/Die Grünen) sieht sich im Recht. Bildrechte: MDR/Karina Heßland-Wissel

Der Verein "Wolfsschutz Deutschland" hat Thüringens Umweltministerin Anja Siegesmund (Grüne) angezeigt. Hintergrund ist der Abschuss von drei Wolfshybriden in Thüringen. Der Abschuss sei widerrechtlich und müsse gerichtliche Konsequenzen haben, sagte die Vereins-Vorsitzende Brigitte Sommer. Die Staatsanwaltschaft Erfurt bestätigte den Eingang der Anzeige. Jetzt werde geprüft, ob Ermittlungen eingeleitet werden, sagte Sprecher Hannes Grünseisen.

Nach Ansicht der Tierschützer setzte sich das Ministerium über geltendes Recht hinweg. Die Mischlinge seien genauso wie Wölfe streng geschützt und könnten nicht einfach abgeschossen werden. In Thüringen waren in den letzten Wochen drei Hybriden erlegt worden, die die Ohrdrufer Wölfin mit einem Hund gezeugt hatte.

Näheres zum Verein "Wolfschutz Deutschland"

Wolf in freier Wildbahn von einer Fotofalle aufgenommen
Mama Wolf soll ein Accessoire bekommen: Einen Funksender, um sie auf Schritt und Tritt verfolgen zu können. Bildrechte: Bundesforst

Der Verein "Wolfsschutz Deutschland" befindet sich nach Recherchen von MDR THÜRINGEN seit neun Monaten in Gründung. Wenn alle nötigen Unterlagen vorliegen, dauert es nur wenige Wochen, bis ein Verein in dieses Register eingetragen wird. Wichtig dabei: Es muss eine Gründungsversammlung gegeben haben. Ob das im Fall der Wolfschützer geschehen ist, bleibt unklar.

Der selbsternannte Verein gibt an, sich aus einer Facebook-Gruppe entwickelt zu haben. Als bisher nicht eingetragener Verein ist er auch nicht rechtsfähig und kann auch keine Anzeigen erstatten. Renommierte Wolfsbefürworter wie der bayerische Förster Ulrich Wotschikowsky sprechen dem Verein jegliche Befähigung zum Wolfschutz ab und nennen ihn skurril und absonderlich.

Umweltministerium verweist auf Artenschutz

Schafe im Schafstall Agrarprodukte Schwabhausen
Zumindest die Schafe könnten sich über den Abschuss der Wolfshybriden freuen. Vermutlich sind sie aber ahnungslos. Bildrechte: MDR/Jörg Pezold

Das Umweltministerium reagierte gelassen auf die Ankündigung des Wolfsschutz-Vereins. Ein Sprecher sagte MDR THÜRINGEN, das Ministerium habe rechtskonform und mit Genehmigung der oberen Naturschutzbehörde gehandelt, als es die Tötung der Jungtiere anordnete. Die Ankündigung des "Wolfsschutz" komme auch nicht überraschend. Schon in anderen Bundesländern hatten nämlich Tierschützer nach dem Abschuss von Wölfen Landesbehörden rechtliche Konsequenzen angedroht.

Das Thüringer Ministerium verweist auf die Empfehlungen des sogenannten Wolfskompetenzzentrums. Diese vom Bund geschaffene Einrichtung ist dafür, Wolf-Hund-Hybriden aus der Natur zu "entnehmen" - weil ansonsten das Erbmaterial von Wölfen durch Hundegene verfälscht werden kann. Das Argument lassen die Wolfsschützer nicht gelten. Auf der Webseite des Vereins wurde auch eine Beschwerde an die EU angekündigt.

Fangversuche vorerst beendet

Die erfolglosen Fangversuche für Wolfshybriden auf dem Bundeswehr-Übungsplatz Ohrdruf wurden im März vorerst beendet. Die Kasten- und Schlingfallen wurden abgebaut und eingemottet.

Das Gebiet um den Truppenübungsplatz in Ohrdruf
Der Truppenübungsplatz bei Ohrdruf: Hier ist das Revier der Wölfin und ihrer Nachkommen. Bildrechte: MDR/Jörg Pezold

Als Grund nannte das Thüringer Umweltministerium den Beginn der sogenannten Setzzeit von Wildtieren. In der Zeit von Anfang April bis Mitte Juli bringen die meisten Junge zur Welt. Das Risiko sei zu hoch, dass die Jungtiere durch den Fang eines Muttertiers sterben. Weil zudem die Weidesaison der Schafe unmittelbar bevorsteht, soll weiter versucht werden die verbliebenen Hybriden abzuschießen.

Die Behörden gehen davon aus, dass noch zwei Hybriden mit der Wölfin über den Truppenübungsplatz ziehen, obwohl letzte Bilder von Fotofallen nur noch ein Jungtier zeigen sollen. Falls die Hybride bis zum Herbst nicht abgeschossen sein sollten, werden die Fallen erneut aufgebaut. Das Ministerium will außerdem, dass die Wölfin gefangen und mit einem Sender versehen wird, um mehr über ihr Verhalten zu erfahren.

Drei Abschüsse und ein Todesfall

Im März hatte das Umweltministerium den Abschuss von drei Hybrid-Wölfen bestätigt. Sie waren daraufhin ins Leibniz Institut für Zoo und Wildtierforschung für wissenschaftliche Forschung gebracht worden. Wie das Institut MDR THÜRINGEN mitteilte, werden die Tiere nach dem gleichen Untersuchungsprotokoll wie Wölfe untersucht. Ein viertes Jungtier - nach Einschätzung des Rissgutachters ebenfalls ein Hybrid - wurde tot am Bahndamm in der Nähe von Gotha entdeckt. Eine Gen-Analyse wird in den nächsten Tagen vom Senckenberg Institut erwartet.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 03. April 2018 | 13:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 03. April 2018, 20:32 Uhr

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26 Kommentare

05.04.2018 20:30 G. Schmitz an martin 26

Sie haben recht, es war der Butler - man lernt eben täglich dazu.

Einen schönen Abend.

G. Schmitz

05.04.2018 18:55 martin 25

@23 G.Schmitz: Nach Reinhard Mey war der Mörder aber doch der Butler.

DIe Wahrheit bzgl. Fasan, Hase & Co liegt aber in der Tat näher beim Gärtner. Der ist der industriellen Landwirtschaft näher als der Butler ....

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