Zwei Wölfe stehen nebeneinander
Die Bundesregierung diskutiert gerade darüber, das Naturschutzgesetz so zu ändern, dass der Abschuss von Wölfen erleichtert wird. Bildrechte: Colourbox.de

Crawinkel Wieder ein Fohlen gerissen - vom Wolf?

Im Landkreis Gotha ist ein weiteres Fohlen gerissen worden. Wie der betroffene Züchter sagte, wurde am Montag ein eineinhalb Tage altes Tier nahe Crawinkel getötet. Es ist seit März das vierte Fohlen des Züchters, das gerissen wurde. Rissgutachter sind der Meinung, dass ein Wolf dafür verantwortlich war. Ein abschließende genetische Untersuchung steht noch aus.

von Karin Lukas

Zwei Wölfe stehen nebeneinander
Die Bundesregierung diskutiert gerade darüber, das Naturschutzgesetz so zu ändern, dass der Abschuss von Wölfen erleichtert wird. Bildrechte: Colourbox.de

Nicht alles was aussieht wie ein Wolfsriss, muss auch ein Wolfsriss sein

Häufig sind Wolfsrisse genetisch schwer nachzuweisen, weil die Kadaver gerissener Tiere schon stark verunreinigt sind. Das kann an Wettereinflüssen liegen, aber auch daran, dass sich andere Tiere an der Beute bedient haben. Nach Ansicht des Wolfsexperten Silvester Tamàs vom Naturschutzbund (Nabu) ist nichts auszuschließen: "Vielleicht war das Fohlen auch schon vorher tot. Und der Wolf hat sich nur bedient" Selbst die Tatsache, dass beim vorletzten Riss 50 Kilo Fleisch aufgefressen wurden, ist für Tamàs kein endgültiger Beweis für einen Wolf: "Der frisst um die fünf Kilo." Seiner Ansicht nach könnte der Wolf genau wie Wildschweine, Füchse oder Greifvögel als Nachnutzer mitgeholfen haben, einen Kadaver zu beseitigen."

Der Wolfsriss als Geschäftsmodell?

Für den betroffenen Landwirt könnten gerissene Fohlen ein neues Geschäftsmodell sein. Das sagt Heinz Bley nach dem vierten Riss eines Fohlens aus seinem riesigen Freilandgehege in diesem Frühjahr. Rund 5.000 Euro bekommt er dafür. Der Züchter sieht sich durchaus nicht als gefühlskalt, sondern eher als pragmatisch. Wer unter dem Wolf leide, müsse dafür gut bezahlt werden. Und genau das geschehe in seinem Fall gerade. Erst am Nachmittag hat er sich darüber mit dem zuständigen Ministerium in Erfurt verständigt. Am besten wäre es nach Ansicht des Geschäftsführers der Agrar GmbH Crawinkel, wenn auch aus der EU entsprechende Finanzzuschüsse fließen würden.

Kein Geschäftsmodell für die Schäfer

Michael Meister, der seit dem 1. Mai wieder seine Tausend Schafe auf dem Truppenübungsplatz Ohrdruf weiden lässt, kann nicht nachvollziehen, weshalb man in Thüringen so entspannt zu sein scheint. 20 Schafe hat er in den vergangenen zwei Jahren verloren. "Wir kriegen nicht die Nachfolgeschäden ersetzt, sondern nur zwischen 110 und 175 Euro pro Tier". Im Frühjahr und Sommer finde der Wolf genügend Nahrung anderswo, das zeige die Erfahrung der vergangenen zwei Jahre. Aber im Herbst befürchtet Meister auch in diesem Jahr wieder Verluste in seiner Herde. "Wer braucht den Stress, wer braucht den Wolf?" fragt sich auch Schäfer Gerd Steuding. "Du gehst jetzt mit einem so einem unguten Gefühl morgens zur Herde. Am sichersten fühlen wir uns, wenn unsere Tiere im Winter im Stall sind." Niemand habe ihm die 200 Tiere bezahlt, die im vergangenen Jahr nicht gelammt hätten, weil der Stress durch den Wolf zu groß war. Bis zu 30.000 Euro seien seiner Agrargenossenschaft dadurch verloren gegangen.

Umweltministerium sieht keinen Problemwolf

Auch im Thüringer Umweltministerium ist man weit davon enfernt, von einem Problemwolf zu reden. Wenn es ein Problem gebe, dann hieße der Wolf "verhaltensauffällig", sagte Ministeriumssprecher Tom Wetzling. Und "verhaltensauffällig" sei, wenn ein Wolf wie in Niedersachsen zu neugierig wäre, dem Menschen zu nahe käme, oder wie in Schleswig- Holstein erheblichen finanziellen Schaden anrichten würde. Dann könnte einen Wolf für den Abschuss freigegeben werden. "Davon sind wir in Thüringen weit entfernt", so Wetzling. Geregelt sei das alles ganz genau im Wolfsmanagementplan und im Naturschutzgesetz. Allerdings wird in der Bundesregierung gerade darüber diskutiert, das Naturschutzgesetz so zu ändern, dass der Abschuss von Wölfen erleichtert wird.

Gibt es nun Nachwuchs beim Wolf oder nicht?

Dafür spricht, dass man die Wölfin seit gut zwei Wochen kaum vor die Überwachungskameralinse bekommen hat und das sei ein typisches Rückzugsverhalten, wenn eine Wölfin eine Wurfhöhle für ihre Jungen baue, erklärt Silvester Tamàs. Die Kameras seien mittlerweile so gut, dass sich mit ihnen körperliche Veränderungen an der Wölfin wie bei einer Schwangerschaft feststellen ließen. Solche Aufnahmen gibt es bisher nicht. Allerdings haben Umweltministerium und Nabu bisher auch nur einen eng begrenzten Bereich überwachen können. Erst vor wenigen Wochen ist man auf die Jäger zugegangenen und hat auch in deren angrenzenden Revieren Kameras aufgestellt. Schon im vergangenen Jahr war die Wölfin über mehrere Wochen komplett vom Radar verschwunden, bevor sie plötzlich wieder auftauchte, und zwar ohne Junge. Es darf also weiter gemutmaßt werden.

Quelle: MDR THÜRINGEN

[Anmerkung der Redaktion: Der Sprecher des Umweltministeriums hat darauf hingewiesen, dass er den Fohlenriss nicht eingeordnet hat. Wir haben den Artikel entsprechend geändert.]

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 07. Mai 2019 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 07. Mai 2019, 18:31 Uhr

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11 Kommentare

09.05.2019 16:32 Dorfbewohner 11

“Problemwolf 9

...Warum sollte er sich denn anstrengen? Der Mensch macht es ihm doch leicht.
Und wenn ich meine Tiere nicht schützen kann, dann sollte ich keine Tiere halten.
Eigentum verpflichtet.”

Können Sie sich in Ihrer Wolfs-Euphorie eigentlich vorstellen, wie unser Umland eigentlich aussehen würde, wenn es nicht beweidet wird und die Schäfer oder andere Weidetierhalter die Flinte ins Korn geworfen haben? Höchstwahrscheinlich nicht.

Übrigens, der ‘Staat’ als Eigentümer unseres Umlandes hat auch die Pflicht(!), unsere Kulturlandschaft zu erhalten. Warum, “Eigentum verpflichtet” oder?

09.05.2019 13:32 Senta E. Tangerstedt 10

"Es muss endlich gehandelt werden" ist reiner Populismus.
Die einzige Wölfin in Thüringen beweist doch, dass nicht die Zahl der Wölfe für die Zahl der Nutztierrisse ausschlaggebend ist, sondern Vorhandensein und Qualität des Herdenschutzes.
Ein "endlich Handeln" im Sinne einer generellen Bejagung ist eine reine Scheinlösung und Augenwischerei, da man die Wölfe schon wieder ausrotten müsste, um Nutztierrisse zuverlässig zu verhindern und aufwendige Herdenschutzmaßnahmen entbehrlich zu machen.

Mit einer "Obergrenze" bedienen sich die verbliebenen Wölfe aber weiterhin an ungeschützten Nutztieren, da sie menschliche Maßstäbe an "mein" und "dein" nun einmal nicht anlegen.

Den Tierhaltern ist mit einer Wolfsjagd jedenfalls nicht geholfen.

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