Nach Geheimverhandlungen Bilder des größten Gemälde-Raubs der DDR von 1979 wieder aufgetaucht

Es ist eine Sensation und ein Krimi gleichermaßen: Fast genau 40 Jahre nach dem spektakulärsten Kunstdiebstahl der DDR sind die damals in Gotha entwendeten Gemälde wieder da. Die alten Meister wurden nach monatelangen Verhandlungen an die Stiftung Schloss Friedenstein übergeben.

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Eines der gestohlenen Bilder: "Brustbild eines unbekannten Herrn mit Hut und Handschuhen" von Frans Hals. Bildrechte: Stiftung Schloss Friedenstein

40 Jahre nach dem spektakulärsten Kunstdiebstahl der DDR-Geschichte aus Schloss Friedenstein in Gotha sind die fünf verschwundenen Bilder wieder aufgetaucht. Wie die Stiftung Schloss Friedenstein am Freitag mitteilte, wurden die 1979 gestohlenen Gemälde alter Meister Ende September zurückgegeben. Die Bilder befänden sich im Rathgen-Forschungslabor der Staatlichen Museen Berlin, wo sie auf ihre Echtheit überprüft würden. Vorangegangen seien monatelange Verhandlungen in aller Stille, die der Gothaer Oberbürgermeister Knut Kreuch geführt habe. Kreuch war zum damaligen Zeitpunkt Vorsitzender des Stiftungsrats. Als erste Medien hatten Der Spiegel und die Frankfurter Allgemeine Zeitung über das Wiederauftauchen der Bilder berichtet.

Thüringen

Gotha Spektakulärer Kunstdiebstahl: Diese Gemälde alter Meister sind wieder da

1979 wurden fünf Gemälde alter Meister aus dem Schlossmuseum in Gotha gestohlen. Lange blieb das als "Kunstraub von Gotha" bekannt gewordene Verbechen ungeklärt. 40 Jahre später sind die Werke wieder aufgetaucht.

Das Gemälde "Alter Mann" von Jan Lievens
Das Werk "Alter Mann" von Jan Lievens gelangte unter Ernst II. nach Gotha. Das Gemälde ist eine Rembrandt-Kopie. Das Original befindet sich heute in der Sammlung der Universität Harvard in den USA. Bildrechte: MDR/Stiftung Schloss Friedenstein
Das Gemälde "Alter Mann" von Jan Lievens
Das Werk "Alter Mann" von Jan Lievens gelangte unter Ernst II. nach Gotha. Das Gemälde ist eine Rembrandt-Kopie. Das Original befindet sich heute in der Sammlung der Universität Harvard in den USA. Bildrechte: MDR/Stiftung Schloss Friedenstein
Das Gemälde "Brustbild eines unbekannten Herrn mit Hut und Handschuhen" von Frans Hals
Das "Brustbild eines unbekannten Herrn mit Hut und Handschuhen" ist ein Werk des Niederländers Frans Hals und seiner Werkstatt. Bildrechte: Stiftung Schloss Friedenstein
Das Gemälde "Heilige Katherina" von Hans Holbein dem Älteren
Die "Heilige Katherina" von Hans Holbein dem Älteren entstandt um 1509/1510. Dargestellt ist vermutlich die Tochter eines 1478 hingerichteten Ratsherrn. Bildrechte: MDR/Stiftung Schloss Friedenstein
Das Gemälde "Selbstbildnis mit Sonne" von Anthonis van Dyck
Das "Selbstbildnis mit Sonnenblume" von Anthonis van Dyck. Bei dem Werk handelt es sich um eine Kopie des 1632 bis 1633 entstandenen Selbstportraits. Das Original befindet sich in der privaten Sammlung des Duke of Westminster. Bildrechte: MDR/Stiftung Schloss Friedenstein
Das Gemälde "Landstraße mit Bauernwagen und Kühen" von Jan Brueghel dem Älteren
Die "Landstraße mit Bauernwagen und Kühen" von Jan Brueghel dem Älteren kam unter Herzog Ernst II. von Sachsen-Gotha-Altenburg in die Kunstkammer. Bildrechte: Stiftung Schloss Friedenstein
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Angeblich 5,25 Millionen Euro verlangt

Laut Stiftung nahm die Rückgabe ihren Anfang im Juli 2018: Ein Anwalt sei damals im Auftrag anonymer Personen an die Stiftung herangetreten, die behaupteten, im Besitz der Bilder zu sein. Laut Spiegel ist der Anwalt aus Süddeutschland darauf spezialisiert, Kunstwerke aus dubiosen Quellen wieder in den legalen Kreislauf zu schleusen. Der Jurist habe angegeben, eine Erbengemeinschaft zu vertreten, und laut Spiegel 5,25 Millionen Euro für die fünf Bilder von Frans Hals, Anthonis van Dyck, Jan Brueghel dem Älteren, Jan Lievens und Hans Holbein dem Älteren verlangt. Oberbürgermeister Kreuch spricht allerdings davon, dass es sich nicht um einen Anwalt, sondern eine Vertrauensperson der Erbengemeinschaft gehandelt habe.

"Finderlohn" in Aussicht gestellt

In die Verhandlungen wurde später auch die Münchner Ernst von Siemens Kunststiftung einbezogen. Laut der Gothaer Stiftung hat die Siemens-Stiftung den "zwischenzeitlichen Besitzern" eine "moderate Aufwandsentschädigung bzw. einen Finderlohn" in Aussicht gestellt, falls es sich um die Originale handeln sollte.

Martin Hoernes, Generalsekretär der Siemens-Stiftung, wollte die angebliche Forderung des Anwalts der Besitzer nicht kommentieren. Zur möglichen Zahlung an die Besitzer sagte er, in solchen Fällen seien zehn bis 15 Prozent des Marktwerts üblich. Der Marktwert eines solchen gestohlenen Bildes sei jedoch schwer zu berechnen. Er wolle deswegen keine Auskunft zur konkreten Summe geben. Oberbürgermeister Kreuch sagte, es gebe eine Vereinbarung, wonach die Bilder zurückgehen, wenn das Geld nicht aufgebracht werden könne. "Wir sind an einer gütlichen Einigung mit den Menschen interessiert, die die Bilder für uns bisher aufbewahrt haben."

LKA Berlin ermittelt gegen zwei Männer

Gegen zwei Männer im Alter von 46 und 54 Jahren ermittelt das Landeskriminalamt Berlin wegen des Verdachts der Erpressung und Kunsthehlerei. Es soll sich laut Spiegel um den Anwalt und den Einlieferer der Bilder handeln. Am Donnerstag gab es laut LKA Durchsuchungen. Die fünf Bilder waren in der Nacht zum 14. Dezember 1979 aus der Gemäldegalerie von Schloss Friedenstein in Gotha gestohlen worden. Seitdem wurde vergeblich nach den Bildern gesucht. Selbst über ein Verbrechen im Auftrag des Ministeriums für Staatssicherheit wurde immer wieder spekuliert.

Quelle: MDR THÜRINGEN/seg

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 06. Dezember 2019 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 06. Dezember 2019, 20:31 Uhr

10 Kommentare

Leachim-21 vor 10 Wochen

bleiben wir bei den Fakten , hier wurde über einen Anwalt gestohlene Bilder den eigentlichen rechtmäßigen Eigentümer sein Besitz für Zahlung einer bestimmten Summe angeboten. egal ob die Tat verjährt ist oder nicht es ist eine Schande wenn gezahlt werden sollte. aber es t ja au kein Wunder bei unseren Gesetzen veraltet und zu lasch . als ich vor einiger Zeit geschrieben hatte man sollte die Gesetze überarbeiten wurde ich als Dumm bezeichnet . wenn man jedoch diesen Artikel gelesen hat, zeigt dieser nur auf das ich Recht hatte. auch die Verjährungsfrist sollte genau überarbeitet werden und bei vielen wenn nicht sogar bei alle Straftaten abgeschafft werden.

altarnschter vor 10 Wochen

Also ich stimme mit meiner Meinung dahingehend mit einigen anderen überein,daß man nicht noch zahlen sollte denn die Bilder sind Eigentum des Gothaer Schlosses.Als der Raub 1979 stattfand nunja Gotha ist nicht allzu weit von der hessischen Landesgrenze,und damals Staatsgrenze zur alten Bundesrepublik entfernt könnte man spekulieren das sich damals jemand ganz Anderes bedient haben könnte denn die Museen der DDR waren voll Kunst das bestimmt auch Begehrlichkeiten im Westen geweckt hat,ich traue da sowieso niemanden es wird im Dunkeln bleiben,ich war damals 1982/1983 an der Grenze in Berlin was da so über die so "dicht" geglaubte Mauer ging und nicht nur LKW's mit Kies als Senatsreseve Westberlin,da haben wir uns schon so einige Male gewundert und beobachtet da wir damals ja nicht so einfach naja ist lange her...

part vor 10 Wochen

Rein rechtlich handelte es sich damals um einen Einbruchsdiebstahl, der heute allerdings verjährt ist, deshalb das plötzliche Auftauchen der Gemälde aus der Versenkung. Auch wenn die Besitzer nicht den Eigentümer darstellen, der bleibt das Museum in Gotha, können sie deshalb auch keine Entschädigungen nachträglich verlangen. Das LKA Berlin hält sich dabei an die möglichen Anklagepunkte. Jetzt wieder die Stasikeule zu schwingen halte ich für an den Haaren herbeigezogen, nichts Neues im MDR und bei einigen Neoliberalisten. Das aber für viele Kunstgegenstände es Auftragsbeschaffungen gibt zeigt die Menge an gestohlenen Kostbarkeiten, von denen manche für immer verschwunden sein werden.

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