Eisenach Stadt fordert Schadensersatz für Naphthalin-Sanierung der Wartburgschule

Die Stadt Eisenach wird Schadensersatz für die Naphthalin-Sanierung der Wartburgschule im Jahr 2015 fordern. Sie sieht sich durch ein gerichtliches Gutachten in ihrer Position gestärkt, sagte der Leiter des Bau- und Umweltamtes, Arno Minas, MDR THÜRINGEN. Nach Ansicht der Stadt hätte das Architekturbüro, das die Komplettsanierung der Schule vier Jahre zuvor geplant hatte, die Altlasten erkennen können.

Die Wartburgschule in Eisenach
Die Wartburgschule in Eisenach (Archivbild). Nach der Sanierung 2011 war in Decken, Fußböden und Wänden Naphthalin entdeckt worden. Bildrechte: MDR/Kathleen Sturm

Bei einem sogenannten "selbstständigen Beweisverfahren" am Landgericht Meiningen habe ein Sachverständiger den Fall geprüft. Mit dem Ergebnis sei die Stadt sehr zufrieden. Der Gutachter habe die Tatsachen bestätigt, die die Stadt brauche, um Schadenersatz einzufordern. Jetzt sei die Verwaltung dabei, den Schaden zu beziffern, um bis spätestens Mai die Ansprüche der Stadt geltend zu machen, sagte Minas. Notfalls werde vor Gericht über die Höhe entschieden.

Die Regelschule im Norden der Stadt war in den 1960er-Jahren gebaut und im Jahr 2011 nach umfangreicher Sanierung wiedereröffnet worden. Nur drei Jahre später waren Naphthalin und naphthalinhaltige Stoffe in teerhaltigen Schichten in Decken, Fußböden und Wänden entdeckt worden. 350 Schülerinnen und Schüler mussten vorübergehend ausziehen und wurden in zwei Ausweichquartieren unterrichtet. Die Stadt gab insgesamt 1,3 Millionen Euro aus, um die Schule erneut zu sanieren und die Schadstoffe zu entsorgen.

Was ist Naphthalin und was kann es bewirken? Naphthalin zählt zu den Kohlenwasserstoffen (PAK), die größtenteils als krebserzeugend eingestuft sind. Es wird sowohl in Teerkleber, Teerfarben als auch in Teerpappen sowie in wasserabweisenden Anstrichmitteln auf Teerbasis gefunden. Nach Angaben des Innenraum-Hygienikers Heinz-Jörn Moriske handelt es sich bei Belastungsfällen um kein flächendeckendes Problem, sondern um Einzelfälle. Oftmals sei Naphthalin in Teerpappen als Feuchtigkeitssperre verbaut worden und gase manchmal unter neuen Bodenbelägen aus. Bei schwerer Belastung helfe nur das Entfernen der alten und neuen Bodenbeläge, bei leichter sei auch das Verwenden einer dämmenden Folie denkbar.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | MDR THÜRINGEN Regional | 18. Januar 2019 | 11:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 18. Januar 2019, 14:12 Uhr

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1 Kommentar

18.01.2019 15:02 Jakob 1

Erkennen können heißt noch nicht auch erkennen müssen.

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