Geplante Stromtrasse Thüringen protestiert weiter gegen Südlink

Die Bundesnetzagentur wies einen Vorschlag des Landes für eine alternative Südlink-Route zurück. Die Chancen sinken damit, dass Thüringen von der Stromtrasse verschont bleibt. In den Regionen regt sich neuer Protest.

In Thüringen wird gegen das Aus für den Südlink-Vorschlag des Landes protestiert. Der Landkreis Schmalkalden-Meiningen, der Wartburgkreis und die Stadt Eisenach lehnen die Stromtrasse auf ihrem Gebiet weiter ab. Am heftigsten fällt die Reaktion in Meiningen aus. Landrat Peter Heimrich (SPD) nannte das Verfahren der Bundesnetzagentur "intransparent und verlogen". Dass nun eine weitere Stromtrasse durch Thüringen laufen soll, zementiere bei vielen Bürgern das Gefühl, ost- und westdeutsche Interessen würden ungleich behandelt.

Die Bürgerinitiative gegen die Südlink-Trasse kündigte massive Proteste an. Der Vorsitzende, Christoph Friedrich, sagte, vor allem die Bewohner kleiner Gemeinden in der Rhön und im Grabfeld befürchteten massive Einschnitte in die Natur. In der Gemeinde Henneberg würde die geplante Trasse nur wenige Meter an den Wohnhäusern vorbeiführen.

Vorschlag: Trasse entlang der ehemaligen Grenze

Reinhard Krebs, Landrat des Wartburgkreises
Reinhard Krebs, Landrat des Wartburgkreises Bildrechte: MDR/Heidje Beutel

Auf Widerstand hofft auch der Landrat des Wartburgkreises, Reinhard Krebs (CDU). Es sei wichtig, dass die Bevölkerung den Protest unterstütze - wie auf hessischer Seite. Er wies aber auch darauf hin, dass noch nichts entschieden ist. Auch die Eisenacher Oberbürgermeisterin Katja Wolf (Linke) lehnt eine Stromtrasse durch die Stadt ab, weil sie die Entwicklungschancen beeinträchtige. Der Eisenacher Stadtrat hatte sich im Mai 2017 mit einer Resolution einstimmig gegen den Verlauf von Südlink im Stadtgebiet ausgesprochen.

Der Wartburgkreis, Eisenach, die Landkreise Schmalkalden-Meiningen und Unstrut-Hainich hatten sich zu einem "Salzunger Bündnis" gegen die geplante Stromtrasse zusammengeschlossen. Sie wollen sich bald treffen und weitere Schritte überlegen, kündigte Landrat Krebs an. Heimrich schlug außerdem vor, die Trasse entlang der ehemaligen innerdeutschen Grenze zu führen. Dort sei kein einziger Mensch betroffen - und aufgrund der Baufreiheit sei dies die wirtschaftlichste und kürzeste Variante.

Proteste auch in Nordthüringen

Die Stadt Mühlhausen überlegt, ob sie dem "Salzunger Bündnis" beitritt, um gemeinsam rechtliche Schritte einleiten zu können. Oberbürgermeister Johannes Bruns (SPD) sagte, er könne nicht nachvollziehen, warum nicht der direkte und damit kürzeste Weg für den Trassenverlauf gewählt wird - nämlich der durch Hessen. Eichsfelds Landrat Werner Henning (CDU) sagte, weder in Südniedersachsen und Nordhessen noch in Thüringen wolle man die Trasse haben. Thüringen sei jedoch schwächer. Deshalb habe man die Trasse hierher verschoben und werde sie wohl auch so bauen.

Am Dienstag hatte die Bundesnetzagentur mitgeteilt, einen Vorschlag des Landes Thüringen zu einem alternativen Südlink-Verlauf nicht weiter zu verfolgen. Das Land schlug in seinem Entwurf einen Korridor westlich von Thüringen vor, um zu verhindern, dass die Stromtrasse durch den Freistaat gebaut wird. Die Bundesnetzagentur prüft jetzt die von den Unternehmen Tennet und TransnetBW ursprünglich vorgeschlagenen Varianten. Die Trasse könnte demzufolge durch Thüringen, aber auch durch Hessen führen. Einem Verlauf durch Thüringen werden aber größere Chancen eingeräumt.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | THÜRINGEN JOURNAL | 24. Januar 2018 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 24. Januar 2018, 20:23 Uhr

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3 Kommentare

25.01.2018 18:23 observer 3

Hessen wird sich wehren, daß die Trasse über sein Gebiet führt. Der Schwächere (Thüringen) wird über den Tisch gezogen werden wie schon so oft.

25.01.2018 13:33 Dorfbewohner 2

“Bingo (1)

Verrückt !! Man könnte meinen, das sind alles Bürger die selbst keinen Strom brauchen. Und was andere brauchen an Strom, scheint ihnen egal zu sein. Hauptsache dagegen.”

Bingo, Bingo und wie wäre es, wenn dann die “andere”-n auch genau gleich an den Kosten beteiligt würden?

Aber sowas ist natürlich kein Thema...über Geld spricht man nicht oder?

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