Innenstaatssekretär Uwe Höhn und Bad Salzungens Bürgermeister bei der symbolischen Scheckübergabe in Bad Salzungen
Übergab den symbolischen Scheck an Bad Salzungens Bürgermeister Jürgen Bohl: Staatssekretär Uwe Höhn. Bildrechte: MDR/Ruth Breer

Finanzielle Unterstützung Bad Salzungen erhält fast eine Million Euro aus Kurlastenausgleich

Zehn Millionen Euro stellt das Land Thüringen seit 2015 jährlich den Kurorten und Heilbäder im Freistaat zur Verfügung. Damit sollen die besonderen Belastungen ausgeglichen werden, die Kur und Tourismus mit sich bringen: mehr Ausgaben und weniger Einnahmen. Den dritthöchsten Betrag von knapp einer Million Euro hat jetzt Bad Salzungen bekommen.

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von Ruth Breer

Innenstaatssekretär Uwe Höhn und Bad Salzungens Bürgermeister bei der symbolischen Scheckübergabe in Bad Salzungen
Übergab den symbolischen Scheck an Bad Salzungens Bürgermeister Jürgen Bohl: Staatssekretär Uwe Höhn. Bildrechte: MDR/Ruth Breer

Seit bald einhundert Jahren ist Bad Salzungen Kurstadt. Ein "enorm wichtiger Standortfaktor", sagt Bürgermeister Klaus Bohl. Die Stadt hat die wirtschaftliche Bedeutung von Kur und Tourismus untersuchen lassen. Mehr als 40 Millionen Euro Wertschöpfung im Jahr bringen die Gäste, mehr als 1.000 Arbeitsplätze hängen in der Stadt direkt oder indirekt an dieser Branche. Doch von dem Geld komme "nur wenig bis gar nichts" in der Stadtkasse an, sagt Bohl. Das liegt daran, dass die Kurunternehmen überall in Deutschland weder Grund- noch Gewerbesteuern zahlen. Beliebig viel Industrie und Gewerbe anzusiedeln ist für Kurorte auch keine Wahl - denn sie punkten mit schöner Umgebung und guter Luft.

Dafür aber kostet es viel Geld, alle Anforderungen an einen Kurort zu erfüllen und ihn attraktiv zu halten. Allein der laufende Betrieb kostet die Stadt Bad Salzungen im Jahr etwa so viel, wie sie mit dem Kurlastenausgleich vom Land bekommt. Das Wegesystem instand halten, Parkanlagen pflegen, Prospekte drucken, die Tourist-Information betreiben, das Bad "Solewelt" mit Kurmittelabteilung und Sauna, Museum, Freibad, Bibliothek - bis hin zum Bootsverleih und den öffentlichen Toiletten.

Zwei große Vorhaben stehen an

Beschädigter Holzbalken im Gradierwerk Bad Salzungen
Muss saniert werden: das Gradierwerk Bildrechte: MDR/Ruth Breer

Dazu kommen aber noch die Investitionen. "Stillstand ist Rückschritt", sagt der Bürgermeister und weist darauf hin, wie wichtig es ist, im Wettbewerb der Kurorte mitzuhalten. Aktuell liegen zwei große Vorhaben vor der Stadt: zum einen muss das Gradierwerk-Ensemble saniert werden. Das Holz an der östlichen Wand ist bereits mehr als 200 Jahre alt und vom Salz angefressen. Außerdem steht in der "Solewelt" der zweite Bauabschnitt an: das Bad soll attraktiver werden. Beides zusammen bedeutet eine Investition in zweistelliger Millionenhöhe. Auch wenn die Stadt auf Fördermittel hofft, muss sie eine hohe Summe aus eigenen Kräften stemmen. Es wäre eine Katastrophe, sagt Klaus Bohl, wenn es Kurlastenausgleich nicht gäbe.

Mit dem Rückenwind des Landes und viel Engagement in der Stadt hat sich Bad Salzungen gut entwickelt. 2018 gab es mehr als 250.000 Übernachtungen. Im Jahr 2006 waren es noch 160.000. Das Angebot des städtischen Kur- und Tourismusunternehmens hat sich ausgeweitet. Es bietet jetzt eine PneumoKur für chronisch Lungenkranke an. Die Nachfrage danach geht weit über die Region hinaus, hieß es am Freitag. Selbst aus Schweden kam schon ein Patient nach Bad Salzungen.

Bad Salzungen erhält Geld aus Kurlastenausgleich

Der Erhalt der Kuranlagen kostet Geld, gleichzeitig hat Bad Salzungen finanzielle Einbußen durch steuerliche Erleichterungen für Kurkliniken. Deshalb bekommt die Stadt Geld vom Land.

Rathaus von Bad Salzungen
Der Marktplatz von Bad Salzungen mit dem Rathaus Bildrechte: MDR/Ruth Breer
Rathaus von Bad Salzungen
Der Marktplatz von Bad Salzungen mit dem Rathaus Bildrechte: MDR/Ruth Breer
Burgsee in Bad Salzungen
Der Burgsee Bildrechte: MDR/Ruth Breer
Gradierwerk Bad Salzungen
Das Gradierwerk Bildrechte: MDR/Ruth Breer
Im Gradierwerk Bad Salzungen
Hier atmen Kurgäste die feuchte, salzige Luft ein, um Lunge und Atemwege zu heilen und zu pflegen. Bildrechte: MDR/Ruth Breer
Innenstaatssekretär Uwe Höhn und Bad Salzungens Bürgermeister bei der symbolischen Scheckübergabe in Bad Salzungen
All diese Einrichtungen müssen erhalten werden, der Betrieb kostet Geld. Finanzielle Hilfe erhält Bad Salzungen dafür aus dem Kurlastenausgleich des Landes. Innen-Staatssekretär Uwe Höhn (li.) übergab am 18. Oktober einen symbolischen Scheck über knapp eine Million Euro an Bad Salzungens Oberbürgermeister Jürgen Bohl (re.). Bildrechte: MDR/Ruth Breer
Beschädigter Holzbalken im Gradierwerk Bad Salzungen
Eines der großen anstehenden Investitionsprojekte ist die notwendige Sanierung des Gradierwerks. Bildrechte: MDR/Ruth Breer
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Rund 973.000 Euro bekommt die Stadt in diesem Jahr aus dem Lastenausgleich - "sehr gut angelegtes Geld", stellte Innen-Staatsekretär Uwe Höhn bei der Übergabe des symbolischen Schecks fest. Die zehn Millionen Euro für den Sonderlastenausgleich werden vorab aus dem kommunalen Finanzausgleich genommen. Verteilt wird das Geld nach Übernachtungszahlen und Bettenkapazität. Den höchsten Betrag im Freistaat erhält Bad Liebenstein mit 1,3 Millionen Euro - die kleinste Summe fließt mit knapp 18.000 Euro in den Ilmenauer Ortsteil Stützerbach.

Quelle: MDR THÜRINGEN/dr

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 18. Oktober 2019 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 18. Oktober 2019, 20:31 Uhr

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