Karneval in Vacha Vom Bürgermeister zum Faschingsprinzen

Die fünfte Jahreszeit ist da. Die Narren sind in den Karnevalshochburgen unterwegs. In Vacha feiert der Carnevals Club, CCV, seine 60. Saison und hat sich dazu ein besonderes Prinzenpaar ausgesucht: Bürgermeister Martin Müller und seine Frau Ariane geben in diesem Jahr das Aushängeschild für das närrische Treiben. Ein Rollenwechsel von der Politik in den Karneval.

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von Ruth Breer

Ein Mann und eine Frau mit Narrenkappe und Prinzenpaar-Ornat.
Ein schmuckes Paar: Prinz Martin und Prinzessin Ariane vom Carnevals-Club Vacha. Bildrechte: MDR/CCV

Im Rhön-Städtchen Vacha feiert der Carnevals-Club seinen 60. und hat sich mit dem CDU-Bürgermeister und seiner Frau ein besonderes Prinzenpaar gewählt. Zum Auftakt der Saison im November wurde das Ehepaar inthronisiert. Ein spannender Moment für Ariane Bassiner-Müller und ihren Mann Martin. Wie würde das Publikum reagieren? Wäre es schockiert, würde es Buh-Rufe geben? Nichts von alledem.

Es wurde gejubelt und gefeiert – und die frisch gebackene Prinzessin stellte fest: auf der großen Bühne zu stehen, sei auch "total cool". Die Beiden hätten das "super gemacht", sagt der Präsident des CCV, Christian Seibt, zum gelungenen Auftakt. Spannend war aber auch die Zeit davor. Seit dem Sommer mussten sie das Geheimnis hüten: die drei Verantwortlichen und das ausgewählte Prinzenpaar. Alles habe man genau bedenken müssen, sagt Martin Müller, nichts durfte die Pläne verraten. Wenn er vier Kartons Sekt eingekauft habe, dann lieber in Bad Salzungen als in Vacha. Und seine Frau bestellte ihr erstes Prinzessinnenkleid sicherheitshalber im Internet.

Nicht von der Prinzenrolle geträumt

Eine Frau im gelben Pullover lacht in die Kamera, an ihrer Seite ein Mann im Hemd, der stolz auf sie schaut.
Im zivilen Leben sind sie Lehrerin und Bürgermeister. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

"Ach wär ich nur ein einz‘ges Mal – ein schmucker Prinz im Karneval" – anders als in diesem Schlager hat Martin Müller nicht von der Rolle als Prinzenpaar geträumt. Er sei aber immer gern zum Karneval gegangen, sagt er. Seine Frau hat sogar festgestellt, dass ihr Mann mit den Jahren als Bürgermeister immer mehr zum Karnevalisten geworden ist. Für sie persönlich war Weiberfastnacht stets ein fester Termin. Beide sind aber nicht Mitglied im CCV und wurden von der Anfrage des Vereins überrascht. Bedenkzeit gab es im Sommerurlaub. Bedeutet so ein Einsatz als Prinzenpaar doch nicht nur materiellen Aufwand, sondern auch viel Zeit und Organisationstalent. Das närrische Amt sei aber eine große Ehre, sagt Müller, so ein Highlight bekomme man nur einmal im Leben angeboten.

Kinder wandern von Oma zu Oma

Als Lehrerin und Bürgermeister sind Auftritte vor Publikum nichts Ungewohntes für das Ehepaar. Allerdings: "Mein Leben ist gut ausgefüllt", sagt Ariana Bassiner-Müller, die am Gymnasium in Meiningen arbeitet. Drei Söhne im Alter von drei, sieben und zehn Jahren gehören zur Familie. Über die tollen Tage werden sie von Oma zu Oma wandern und hoffentlich alle gesund bleiben, erzählen die Eltern. Sie selbst werden einige Tage Urlaub nehmen, um für alle Verpflichtungen Zeit zu haben. Die erste große Bewährungsprobe wartet am Samstag auf die Familie - dann wird das Haus des Prinzenpaares im Ortsteil Oberzella geschmückt. Das bedeutet: Der ganze Verein mit Freunden und Kapelle ist zu Gast. Es wird ein Zelt aufgebaut, um alle unterzubringen. Außerdem muss noch der Wagen für den Rosenmontagszug gestaltet werden - auch dabei gibt es Hilfe aus der Familie.

Prinz sein ist schöner

Wenn der Bürgermeister der Karnevalsprinz ist, fallen dann die Büttenreden zahmer aus? Nein, sagen Prinz und Präsident einhellig. In Vacha werde ohnehin nicht über den Bürgermeister hergezogen, sagt Christian Seibt. Es werde schon mal ein Späßchen geben auf Kosten der Stadtpolitik – aber freundlich. Für Martin Müller gibt es durchaus Parallelen zwischen dem politischen und dem närrischen Amt. Das Repräsentieren gehöre bei beidem dazu. Prinz zu sein sei aber schon schöner, sagt Müller. Da gebe es weniger Kritik.

Ein Mann im schwarzen Pulli schaut freundlich in die Kamera.
Rollentausch: Christian Seibt ist aktuell der "Chef" des Bürgermeisters. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Außerdem sei es angenehm, als Prinz "mal geleitet zu werden, nicht immer, wie als Bürgermeister, sagen zu müssen, wo es langgeht". Eine Leibgarde umsorgt die närrischen Hoheiten. Selbst zur Toilette gehe sie nicht allein, werde ihr der Weg gebahnt, hat Ariane Bassiner-Müller festgestellt. In den tollen Tagen ist der Bürgermeister also mal nicht Chef. Das ist der CCV- Präsident Christian Seibt, der die Termine für das Prinzenpaar macht. Seibt gefällt das gut. Im wahren Leben nämlich ist er bei der Stadt angestellt – und Martin Müller sein Chef.

Mit der Karnevalsrolle könne er sehr gut leben, sagt Seibt und lacht: "Die ist schöner als andersherum". Ab Aschermittwoch werden die Rollen wieder getauscht. Bis dahin sind es aufregende Zeiten - für Alle.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Ramm am Nachmittag | 13. Februar 2020 | 15:20 Uhr

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