"Das war zu früh, Herr. Das war viel zu früh" Busunglück im Wartburgkreis: Hunderte bei Klageandacht in Bischofroda

Autorenbild Ruth Breer
Bildrechte: MDR/Daniela Dufft

Volle Kirche in Bischofroda: Nach dem schweren Schulbusunglück in Berka vor dem Hainich haben am Freitagabend mehrere hundert Menschen an einer Klageandacht teilgenommen. In dem Dorf lebten die beiden Achtjährigen, die bei dem Unfall am Vortag starben. Der evangelische Landesbischof Friedrich Kramer wandte sich in persönlichen Worten an die Trauernden.

Kerzen und Blumen vor einem Baum abgelegt
Kerzen an der Unfallstelle in Berka vor dem Hainich Bildrechte: MDR/Oliver Gussor

Schon lange vor Beginn der Andacht sind alle Plätze in der kleinen Dorfkirche besetzt. Aber immer noch strömen die Menschen hinein, einzeln, zu zweit oder in kleinen Gruppen, Jung und Alt, Familien mit Kindern. Sie tragen sich am Eingang in ein Kondolenzbuch ein. Nach dem Glockengeläut ein zartes Orgelspiel.

Ein Klagegebet des Eisenacher Superintendenten Ralf-Peter Fuchs trifft die Stimmung dieser schweren Tage: "Herr, unser Gott, stell diesen gestrigen Tag noch auf Beginn, dreh noch mal die Uhren zurück. Alles noch mal auf Anfang. Nicht geschehen soll sein, was geschehen ist."

Gemeinsame Gebete für gestorbene Kinder in Berka

Er beschreibt Trauer und Verzweiflung, die Gewissheit, dass die toten Kinder bei Gott sein werden - aber auch: " Wir wollten die beiden lieber noch bei uns haben. Wollten sie noch in unserer Mitte haben. Da war doch noch eine ganze Menge Leben offen. Das war zu früh, Herr. Das war viel zu früh!" Landesbischof Friedrich Kramer spricht von einer unfassbar schweren Nachricht voller Schmerz und Verzweiflung. Es habe in diesem Dorf allen das Herz zerrissen. Aber es sei gut, dass alle zusammenstehen und Mitmenschlichkeit zeigen. Die Trauernden dürften nicht allein gelassen werden. "Wir haben jetzt keinen Trost, aber wir wissen von einem Trost, der uns sagt: Diese Kinder sind nicht verloren."

Kirche in Bischofroda
Die Kirche in Bischofroda Bildrechte: MDR/Oliver Gussor

Gemeinsam wird gebetet, gesungen und vor allem auch geschwiegen. Fürbitten werden vorgetragen - für die beiden gestorbenen Kinder, Erik und Florentine, für ihre Familien, Freunde und Mitschüler, für die Verletzten, den Busfahrer, die Schule, die vielen Helfer und Retter und das gesamte Dorf.

Anschließend kann jeder eine Kerze im Altarraum abstellen und dort kurz für ein Gebet verweilen. Die Kirche bleibt vorerst geöffnet - auch in der Nacht.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 25. Januar 2020 | 06:00 Uhr

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