Große Nachfrage in der Krise Marksuhl: Ruhlamat baut Masken-Maschinen

Die Autobranche hatte schon vor Corona eine eigene Krise - beides zusammen bekommen auch Maschinenbauer zu spüren. Ein Unternehmen in Thüringen hat jetzt einen Weg gefunden, Kurzarbeit deutlich zu reduzieren. Ruhlamat in Marksuhl im Wartburgkreis baut Maschinen, die Schutzmasken produzieren - ein immer wichtigeres Produkt in der Pandemie.

Männer Arbeiten in einer Fabirkhalle
Die Montage der Ständer für die Maskenmaschinen bei Ruhlamat. Bildrechte: MDR/Ruhlamat GmbH

Die Entwicklung für die Masken-Maschine hatte das chinesische Tochterunternehmen der Ruhlamat GmbH schon in der Schublade, erzählt Thorsten Koch, Leiter des Vertriebsteams für Montagetechnik. In der Corona-Krise wurde es hervorgeholt, erst in China, nun auch in Thüringen. Als eine Woche vor Ostern schon nach kurzer Recherche innerhalb von drei Tagen zwölf Maschinen bestellt wurden, da war klar: Dieses Produkt ist außerordentlich gefragt.

Interesse an Schutzmasken auch von Autobauern

Inzwischen stehen im Vertrieb die Telefone kaum still, berichtet Thorsten Koch. Das Interesse sei riesig. Es fragen nicht nur Medizinprodukte-Hersteller an, sondern auch Unternehmen, die Sicherheitsbedarf anbieten. Selbst Autobauer wollen nun Masken produzieren, für die eigenen Mitarbeiter, wenn die Bänder wieder anlaufen. Nun geht es um Geschwindigkeit, sagt Koch, jeder Tag zählt. Es gilt, acht Wochen Lieferzeit einzuhalten. Die Maschinen aus Marksuhl fertigen sogenannte FFP-2-Masken, können aber auch einfachere OP-Masken herstellen. Die Materialien und Anbauteile wie Nasenbügel oder Ohrengummi werden zusammengeführt, verschweißt und ausgestanzt. 40 bis 50 Masken pro Minute schafft so eine Maschine, das sind mehr als 60.000 Stück innerhalb von 24 Stunden.

Bildmodell einer Maskenmaschine
Ein Bildmodell der Maskenmaschine von Ruhlamat. Bildrechte: MDR/Ruhlamat GmbH

Bau der Maschinen für Masken rund um die Uhr

Bei Ruhlamat ist mittlerweile ein Viertel der 320 Mitarbeiter mit den Masken-Maschinen beschäftigt. Die Kurzarbeit von bislang etwa 60 Mitarbeitern konnte deutlich reduziert werden. Gearbeitet wird an sechs Tagen die Woche rund um die Uhr. Fünf Maschinen entstehen pro Woche. Gebaut werden sie in Blockmontage, es werden also Einheiten immer gleich mehrfach aufgebaut. Es gibt genug Platz im Unternehmen, versichert Koch, damit sich die Mitarbeiter nicht zu nahe kommen bei der Arbeit. Es bedürfe aber einer sehr straffen Organisation, um die Anfragen umzusetzen.

Medizintechnik als Chance in der Corona-Krise

Kunden aus der Medizintechnik hatte die Ruhlamat GmbH schon vor der Corona-Krise, allerdings war der Anteil eher gering, sagt Vertriebsmann Koch. Das könnte sich jetzt ändern. Die Masken-Maschine sei die Chance, in der Branche besser Fuß zu fassen, hofft er. Gerade durch die vielen Kontakte jetzt ließe sich das Netzwerk des Maschinenbauers vergrößern. Die Entwicklungsabteilung von Ruhlamat ist bereits aktiv. Denn um langfristig in Deutschland Schutzmasken produzieren zu können, müssten die Maschinen stärker automatisiert werden, sagt Koch. Dazu gehöre beispielsweise auch ein Sterilisator und eine vollautomatische Verpackung. Es gibt also noch viel zu tun.

Weitere Informationen zum Coronavirus in Thüringen

Quelle: MDR THÜRINGEN/ls

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Regionalnachrichten | 20. April 2020 | 14:30 Uhr

4 Kommentare

Querdenker vor 16 Wochen

Im medizinischen Bereich ist das ja von Arbeitsablauf eher so, dass man die Maske aufsetzt und zum Patienten ins Zimmer geht. Danach wird sie weg geschmissen und beim nächsten Patienten eine neue Maske aufgesetzt. Weil die Patienten ja auch unterschiedliche Keime haben können. Das ist so halt eine saubere Sache.

Aber für den Bürger im privaten Bereich wäre eine preisgünstige wiederverwendbare Maske mit FFP2 Standard sinnvoll. Sozusagen als Pandemievorsorge.

Querdenker vor 16 Wochen

Auf längere Sicht sollten wir hin zu jahrelang haltbaren und wiederverwendbaren Masken aus zum Beispiel Plastik/Gummi. Da sollte im vorderen Bereich ein Schraub- oder Klickverschluss sein, bei dem man das Filtermaterial seiner Wahl einsetzen kann. Taschentuch, Baumwollstoff etc. bis hin zum hochwertigen FFP2 Filtermaterial. Sonst stehen wir doch bei der nächsten Pandemie wieder da.

Wir haben ja noch Glück, dass es sich in Anführungszeichen „nur“ um einen Coronavirus handelt. Stellt euch mal einen Virus vor, der sich so schnell wie Masern verbreitet (siehe „wiki Basisreproduktionszahl Beispielwerte für verschiedene Infektionskrankheiten“) und tödlich sein kann.

Für die Zukunft brauchen wir finde eine haltbare Maske für jeden, wo die Industrie im Ernstfall dann nur noch den Filterstoff in genormter Größe liefern muss. Für unter 10 Euro sollte das bei Massenproduktion machbar sein.

Bei den Wegwerfmasken fängt man doch immer wieder von vorne an. Ist eher für den medizinischen Bereich.

Quentin aus Mondragies vor 16 Wochen

Wie wäre es mit wiederverwendbaren Schutzmasken und eine Schutzmaskenaufbereitungsmaschine für Krankenhäuser. Bettwäsche der Infektionspatienten wird ja auch aufbereitet. Mittlerweile müsste ja man in der Lage sein, dass man atmungsaktive Stoffe aus Kunstfaser mit entsprechender Porengröße herstellen kann und ein Waschgang mit 90°C sollte allen Infektionserregern erstmal den Garaus machen, oder ist dies zu trivial gedacht? Geht vielleicht auch gegen MRSA.

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