Bildung Wie eine Regelschule in Bad Liebenstein ihren Corona-Alltag meistert

Autorenbild Ruth Breer
Bildrechte: MDR/Daniela Dufft

Nach dem ersten Corona-Lockdown hat die Politik ihre Ziele neu gesteckt: anders als im Frühjahr sollen die Schulen möglichst geöffnet bleiben. Deshalb gelten dort klare Regeln - von Maskenpflicht bis Einbahnverkehr. Falls sich jemand ansteckt, gilt ein Ampelsystem mit schrittweisen Einschränkungen. Eine der ersten Schulen in Thüringen, bei denen die Ampel nach dem Sommer auf "Gelb" sprang, war die Regelschule "Altensteiner Oberland" in Bad Liebenstein.

Fünf Schüler in einem Klassenzimmer
Matti, Natalie, Adina, Matthes und Sina aus der zehnten Klasse freuen sich über den normalen Präsenzunterricht. Im Klassenraum geht das auch ohne Maske. Bildrechte: MDR/Ruth Breer

Schulbetrieb bei Phase Grün: Normalität im Klassenzimmer. Niemand trägt Maske, alle sitzen wie sonst nebeneinander. Nur gibt es jetzt in jedem Raum Seifen- und Papiertuchspender neben den Waschbecken. Und außerhalb der Unterrichtsräume gelten Corona-Regeln: Einbahnstraßenschilder und Pfeile auf dem Boden zeigen an, in welcher Richtung es durch das Schulgebäude geht.

Auf den Gängen tragen alle Mund-Nasen-Schutz, da, wo außerhalb des eigenen Klassenverbands der Abstand nicht eingehalten werden kann. Das gilt derzeit auch noch auf dem Schulhof, weil dort wegen Bauarbeiten weniger Platz ist als sonst. Nach den Herbstferien dürfen die 264 Schülerinnen und Schüler dort die Masken abnehmen.

Zwei Frauen stehen in einem Flur.
Um Begegnungsverkehr zu verhindern, gilt im Schulgebäude Einbahnverkehr. Daran erinnern Pfeile auf dem Boden. Bildrechte: MDR/Ruth Breer

Probleme mit Einbahn-Regelung

Pausen und Essen gibt es zeitversetzt, um den Betrieb zu entzerren. Bei Elternabenden kann jeweils nur ein Elternteil kommen, weil die Räume sonst zu klein sind. Es wird ausführlicher gereinigt und desinfiziert und regelmäßig gelüftet.  Die Lehrer kontrollieren Abstand und Masken auf dem Schulhof, am Bus und an den Eingangstüren.

"Das fordert viel Kraft und Verantwortung von allen Seiten", sagt Schulleiterin Carmen Heß. Doch eigentlich funktioniert alles ganz gut, meint ihre Stellvertreterin Claudia Scharfenberg. Nur die Einbahn-Wege-Regelung, mit der gebe es ab und zu Probleme.

Das bestätigen auch einige Schüler der zehnten Klasse. Viele würden sich nicht daran halten, sagt Adina. Denn das bedeutet auch mal einen zeitraubenden Umweg, wenn der reguläre Weg zum Nachbarraum über den Schulhof führt.

Zwei Frauen stehen vor einem Gebäude.
Schulleiterin Carmen Heß (rechts) und ihre Stellvertreterin Claudia Scharfenberg haben den ersten Ernstfall schon hinter sich: gleich nach den Sommerferien wurde ein Schüler positiv auf das Corona-Virus getestet. Bildrechte: MDR/Ruth Breer

Ansonsten haben sie sich an den Corona-Alltag gewöhnt. Manchmal merkt man die Maske gar nicht mehr, sagt Sina. Auch Matthes meint, nach etwas Umgewöhnen sei die Maske jetzt eigentlich normal und gar nicht mal so lästig. Natalie findet es schade, dass sich die Schüler in der Pause nicht vermischen können. Sonst sei es "wie vor Corona".

Schwieriges Arbeiten zu Hause

Die Zehntklässler sind vor allem froh, dass sie wieder in der Schule lernen können und nicht mehr zuhause. Die Zeit des Homeschooling fanden die meisten schwierig. Ihre Eltern hätten sie sehr unterstützt, erzählt Natalie, deshalb sei es nicht so schlimm gewesen.

Aber das Glück habe ja nicht jeder. "Per Mail erklären ist nicht so schön, wie wenn ein Lehrer vor Dir steht und erklärt", sagt Matthes. Zuhause sei es anstrengend gewesen, sich zu motivieren, sagt Sina. Und auch Adina findet, in der Schule sei ihr der Unterricht viel lieber - und verständlicher.

Quarantäne nach Corona-Fall

Dabei haben sie alle schon kurz nach den Sommerferien erlebt, was es heißt, wenn die Schulampel auf Gelb umspringt. Gleich eine Woche nach dem Start ins neue Schuljahr war ein Schüler positiv auf das Corona-Virus getestet worden. Turbulent sei das gewesen, sagt Schulleiterin Carmen Heß, am Wochenende musste alles geregelt und mit den verschiedenen Behörden abgesprochen werden.

Weil in manchen Fächern klassenübergreifend unterrichtet wird, standen alle 53 Schülerinnen und Schüler der neunten Jahrgangsstufe unter Quarantäne - und dazu neun Lehrerinnen und Lehrer. Das war mehr als ein Drittel des Lehrerkollegiums.

An einer Glasscheibe hängt ein Plakat.
Das Schulgebäude der Regelschule "Altensteiner Oberland" darf nur mit Maske betreten werden. Bildrechte: MDR/Ruth Breer

Die jüngsten Schüler der Klassen 5 und 6 durften weiter wie bisher täglich zur Schule gehen. Für die anderen gab es einen Wechsel zwischen Präsenzunterricht und Aufgaben für zuhause. Die Lehrer, für die keine Quarantäne galt, übernahmen Unterricht für die Kollegen, die zuhause bleiben mussten.

Die wiederum bereiteten Aufgaben vor, die die Schüler zuhause im "Distanzunterricht" erledigen sollten. "Den Umgang mit der Krise, gleich zu Beginn ins kalten Wasser geworfen, haben wir gut hinbekommen", stellt Carmen Heß fest. "Alle Lehrer waren da, auch die mit Risikomerkmalen, keiner ist zuhause geblieben." Die Kollegen hätten "absolut mitgezogen" und auch Mehrstunden übernommen.

Lernen aus dem Ernstfall

In der gelben Phase wurde die Schule wieder ausführlicher gereinigt und desinfiziert, auch der Desinfektionsspender wieder an den Eingang gestellt. Zum Glück blieb es bei dem einen Fall, nach zwei Wochen galt wieder "Grün" für die Regelschule. Was sie gelernt haben? "Ich nehme meine Bücher jetzt immer mit nach Hause", sagt Claudia Scharfenberg.

So hat sie sie im Fall der Fälle bei sich. Und: alle müssen immer erreichbar sein. Bei den Aufgaben für zuhause müssten sich die Kollegen besser abstimmen, sagt Carmen Heß. Da seien Kinder allein von der Menge her doch überfordert gewesen.

Die Regelschule Altensteiner Oberland in Bad Liebenstein.
An der Regelschule "Altensteiner Oberland" in Bad Liebenstein lernen derzeit 264 Schülerinnen und Schüler. Bildrechte: MDR/Ruth Breer

Den ersten Gelb-Test hat die Regelschule "Altensteiner Oberland" bewältigt. Doch bei aller Grün-Normalität stellt die Schulleiterin fest, dass die Corona-Situation manche Schüler doch sehr belaste. "Die jüngeren Schüler sind relativ entspannt, die älteren beschäftigt das mehr." Und mit Blick auf ihre Kollegen sagt Claudia Scharfenberg, man merke, dass die Kraft nachlasse.

"Es ist gut, dass jetzt erstmal zwei Wochen Pause sind. Es wird danach garantiert nicht einfacher, davon gehen wir aus." Für Matti aus der 10. Klasse gibt es aber noch einen Albtraum: wenn kurz vor den Herbstferien noch ein Corona-Fall bekannt würde. "Wenn wir jetzt zwei Wochen in Quarantäne mussten, wo alle ihre Ferien schon geplant haben - das wäre schrecklich."

Infos zur Karte

In Thüringen gilt gegenwärtig ein Ampelsystem für Schulen und Kindergärten. Bei Stufe Grün herrscht normaler Betrieb mit vorbeugendem Infektionsschutz. Bei Stufe Gelb ist in der Einrichtung eine Corona-Infektion nachgewiesen worden. Diese Person und alle in Kontakt stehenden Personen dürfen die Schule nicht mehr betreten und stehen unter Quarantäne. Bei Stufe Rot lässt sich nicht klären, wer die Kontaktpersonen sind oder alle Schüler und Lehrer gelten als Kontaktpersonen. Dann wird die Schule vorübergehend geschlossen.

Jedoch müssen nicht alle geschlossenen Einrichtungen zwangsläufig die Stufe Rot aufweisen. Das ist beispielsweise dann der Fall, wenn eine Schule oder Kita vorsorglich schließt oder den Betrieb nicht aufrechterhalten kann, weil sich Lehrerinnen oder Betreuerinnen in Quarantäne befinden. Das Bildungsministerium gruppiert die Einrichtungen dann unter Umständen trotzdem in Stufe Gelb ein.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Regionalnachrichten | 15. Oktober 2020 | 05:30 Uhr

0 Kommentare

Mehr aus der Region Eisenach - Gotha - Bad Salzungen

Mehr aus Thüringen