"Zeigen, dass wir weiter da sind" Fröbel-Kindergarten in Schweina geht online

Autorenbild Ruth Breer
Bildrechte: MDR/Daniela Dufft

Die Kindergärten im Land sind nicht alle geschlossen, aber haben sich doch stark geleert. Nur wer in "systemrelevanten Berufen" arbeitet, kann seinen Nachwuchs dort noch "not"-betreuen lassen. Damit der Kontakt der Kleinen zum Kindergarten nicht abreißt, lassen sich viele Erzieherinnen etwas einfallen - und nutzen dazu Medien, die sie zuvor aus der Einrichtung verbannt hatten.

Außenaufnahme des Fröbel-Kindergarten in Schweina
Normalerweise gehören Computer und Smartphones nicht zum Alltag des Fröbel-Kindergartens in Schweina. Bildrechte: MDR/Ruth Breer

Seine Freundinnen und Freunde aus dem Kindergarten sieht der zweieinhalbjährige Enno nur noch selten. Wenn seine Mutter ihn mit dem Fahrrad an deren Wohnorten vorbeifährt, dann winken sie sich zu oder reden kurz am Gartenzaun. Viel ausführlicher kann er sie und auch seine Erzieherinnen derzeit am Computer erleben: auf Fotos und kleinen Videos, die der Friedrich-Fröbel-Kindergarten im Bad Liebensteiner Ortsteil Schweina auf einem eigens eingerichteten Blog einstellt. Jeden Werktag gibt es dort Neues zu erleben: Die Erzieherinnen erklären, wie man Salzteig zum Kneten herstellt oder Blumen faltet, singen Lieder, erzählen vom Nistkasten oder dem blühenden Kirschbaum im Garten. Andere Kinder präsentieren, was sie gerade zuhause gemalt oder gebastelt haben: eine Hand aus Gips beispielsweise oder ein Auto aus einer Klopapierrolle.

Morgenkreis bis Gute-Nacht-Lieder: Die Erzieherinnen sind quasi live dabei

Drei Kindergärtnerinnen nehmen ein Handy-Video auf
Aufnahme für den Blog: Kindergartenleiterin Ulrike Leuthold nimmt auf, Marlies Nürnberger singt und Ingrid Zimmer (eine Kollegin, die im Ruhestand ist) spielt Gitarre Bildrechte: MDR/Ruth Breer

Enno mag besonders gern die Lieder, sagt seine Mutter Jana Schmidt. Sie hat den Blog in den Alltag zuhause integriert und versucht, so Enno den gewohnten Ablauf zu bieten. Nach dem Frühstück kleine Themen-Videos als Morgenkreis. Vor dem Mittagsschlaf und am Abend Lieder der Erzieherinnen, gern auch mehrfach hintereinander. Die Elternvertreterin des Kindergartens ist selbst vom Fach und lobt das Engagement der Kolleginnen sehr. Es sei keine Selbstverständlichkeit. Die Erzieherinnen hätten "einfach versucht, die Bindung zu den Kindern zu halten - das sei der Hauptkern". Alle machten das auf ihre eigene individuelle Art. "Man sieht jetzt, welche Leute das System halten und stemmen", sagt Jana Schmidt.

Spaß an den modernen Medien

Drei Kindergartenkinder in Notbetreuung
Am Nachmittag sind noch drei Kinder in der Notbetreuung Bildrechte: MDR/Ruth Breer

Moderne Medien wie Computer und Smartphone gehörten bisher überhaupt nicht zum Alltag des Fröbel-Kindergartens, sagt Leiterin Ulrike Leuthold. Nun aber haben sie Einzug gehalten und die Erzieherinnen stellen fest: das macht Spaß, den Kindern, aber auch ihnen selbst. Aufregend sei es, sagt Marlies Nürnberger und berichtet von den ersten Videos, die sie daheim am Wohnzimmertisch gedreht hat. Immer wieder sei das Handy umgekippt - und schließlich kurz vor Schluss ihre 90-jährige Mutter hereingeplatzt, die habe mithelfen wollen. Gerade haben sie im Kindergarten ein altes Fröbel-Lied aufgenommen. Das soll am kommenden Dienstag in den Blog, zum 238. Geburtstag des berühmten Pädagogen, der in Schweina seinen Lebensabend verbrachte. Dazu vielleicht noch eine Falt-Anleitung für Blumen, die die Kinder dann auf sein Grab legen könnten, überlegen die Erzieherinnen.

Wichtig ist, die Bindung zu halten

Ein kleiner Junge schaut mit seiner Mutter auf einen Laptop
Enno und seine Mutter schauen sich den Kindergarten-Blog im Computer an Bildrechte: MDR/Ruth Breer

Die Ideen gehen ihnen nicht aus. Farben, Uhrzeit, Frühlingsthemen - "was uns vor die Füße fällt und wie wir es im Alltag auch machen würden", sagt Ulrike Leuthold. Auch von den Wünschen der Kinder lassen sie sich anregen. Schon nach kurzer Zeit verzeichnete der Blog 1.200 Klicks - und er steht nur den Kindergartenkindern und ihren Eltern zur Verfügung. Darauf sei man schon ganz schön stolz, sagt die Leiterin. Derzeit sind nur acht von insgesamt rund 100 Kindern in Notbetreuung. Es sei traurig, findet Marlies Nürnberger, "wir vermissen sie". Und Ulrike Leuthold ergänzt, es sei einsam geworden in dem Haus, das nur durch die Kinder lebe. Das wichtigste sei, die Bindung zu erhalten, "damit die Kinder sehen: wir sind noch da".

Quelle: MDR THÜRINGEN/mam

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Ramm am Nachmittag | 17. April 2020 | 16:40 Uhr

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