Bundespolizei Razzia gegen mutmaßliche Schleuser aus China in Thüringen

Eine Geschäftsfrau aus China steht im Verdacht, Landsleuten dabei geholfen zu haben, illegal nach Deutschland einzureisen. Die 55-Jährige wohnte zunächst in Hennef und zog dann nach Bad Liebenstein in Thüringen. In beiden Städten gab es am Donnerstag Razzien der Bundespolizei. Im alten Kurkrankenhaus in Bad Liebenstein sind mindestens 14 Unternehmen gemeldet - möglicherweise nur Briefkastenfirmen.

von Axel Hemmerling, Bastian Wierzioch und Ludwig Kendzia

Polizeifahrzeuge vor einem Gebäude
Am Donnerstag hat die Polizei das alte Kurkrankenhaus in Bad Liebenstein durchsucht. Der Verdacht: Hier waren Schleuser am Werk. Bildrechte: MDR/Axel Hemmerling

Es ist ein schwerwiegender Verdacht: Von der kleinen Kurstadt Bad Liebenstein im Wartburgkreis aus soll ein Schleuserring Chinesen nach Deutschland geholt haben. Nach Recherchen von MDR THÜRINGEN laufen seit Monaten verdeckte Ermittlungen von Spezialisten der Bundespolizei, die unter anderem Schleuserkriminalität bekämpfen. Beteiligt daran ist auch die für Organisierte Kriminalität zuständige Staatsanwaltschaft Gera. 

Thüringen

Fotos: Polizei durchsucht Räume in Bad Liebenstein

Polizeifahrzeuge vor einem Gebäude
Die Razzia in Bad Liebenstein im Wartburgkreis hat am Donnerstagmorgen begonnen. Bildrechte: MDR/Axel Hemmerling
Polizeifahrzeuge vor einem Gebäude
Die Razzia in Bad Liebenstein im Wartburgkreis hat am Donnerstagmorgen begonnen. Bildrechte: MDR/Axel Hemmerling
Polizisten vor einem Gebäude
Die Bundespolizei und die für Organisierte Kriminalität zuständige Staatsanwaltschaft Gera ermitteln wegen Schleuserkriminalität. Bildrechte: MDR/Axel Hemmerling
Polizeifahrzeuge vor einem Gebäude
Im Mittelpunkt der Ermittlungen steht eine chinesische Geschäftsfrau. Sie hatte Anfang 2015 das alte Kurkrankenhaus in der Bahnhofstraße in Bad Liebenstein gekauft. Bildrechte: MDR/Axel Hemmerling
Polizisten vor einem Gebäude
In dem Gebäude wollte die Frau ein Hotel, eine Sprachschule und eine Klinik für Fernöstliche Heilmedizin einrichten. Ob es auf diesen Geschäftsfeldern in dem Gebäude tatsächlich Aktivitäten gibt, scheint unklar zu sein. Bildrechte: MDR/Axel Hemmerling
Ein großes Gebäude mit einer chinesischen Hinweistafel von außen.
Vielmehr gehen die Ermittler davon aus, dass sich hier Briefkastenfirmen ansiedelten. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Ein großes Gebäude mit einer chinesischen Hinweistafel von außen.
Sie sollen als Anlaufstelle für einreisende Chinesen gedient haben. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
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Ermittlungen gegen chinesische Investorin in Bad Liebenstein

Im Mittelpunkt der Ermittlungen steht eine 55-jährige chinesische Unternehmerin, die Anfang 2015 das alte Kurkrankenhaus in der Bahnhofstraße in Bad Liebenstein gekauft hatte. Damals hatte die Investition für viel Aufmerksamkeit gesorgt. Die Chinesin, die bereits seit Ende der 1990er-Jahre in Deutschland lebt und zuvor in Hennef (Nordrhein-Westfalen) wohnte, wollte in dem alten und maroden Gebäude ein Hotel eröffnen. Dazu sollten auch eine deutsch-chinesische Sprachschule und ein Zentrum für fernöstliche Heilmedizin entstehen. Bis heute scheint nur die Fassade und ein Teil der Innenräume saniert zu sein.

Offenbar Netz von Briefkastenfirmen

Doch was bereits ein Jahr nach dem Kauf des Gebäudes auffiel: An der Adresse siedelten sich Firmen an. Nach MDR THÜRINGEN-Recherchen finden sich inzwischen im Handelsregister rund 14 Unternehmen, die alle von Chinesen gegründet wurden und ihren Sitz in dem Gebäude in Bad Liebenstein haben. Die Geschäftsfelder reichen von der IT-Branche, über Kosmetikvertrieb bis zum Lebensmittel-Großhandel. Doch die Ermittler gehen davon aus, dass es sich nur um Briefkasten-Firmen handelt.

Mit diesen Scheinfirmen sollen die eingereisten Chinesen eine Selbstständigkeit vorgetäuscht haben, heißt es von der Bundespolizei. Dabei sollen auch Immobilien gekauft worden sein. Den Ermittlungen zufolge soll die Hauptbeschuldigte für diese Vermittlungen zwischen 20.000 und 200.000 Euro kassiert haben. In weiteren Fällen steht die Frau im Verdacht, bei der Erschleichung von Visa behilflich gewesen zu sein.

Behörden registrierten Einreisen aus China nach Thüringen

Nach MDR THÜRINGEN-Recherchen wurden die sich steigernden Einreisebewegungen nach Thüringen bereits im Herbst 2016 deutlich. Denn die zuständige Ausländerbehörde des Wartburgkreises registrierte eine enorme Zunahme von Chinesen, die sich um eine Aufenthaltserlaubnis in der Stadt bemühten. Das bestätigte sogar Landrat Reinhard Krebs in einem Artikel der Südthüringer Zeitung vom September 2016. Auf die plötzliche Zunahme solcher Anträge angesprochen, sagte er damals, dies bedeute für die Ausländerbehörde des Landkreises "einen Lernprozess, auf den wir uns aber einstellen werden und müssen". Zugleich begrüßte Krebs damals das Engagement der in Bad Liebenstein agierenden chinesischen Unternehmerin. Doch nun steht die im Verdacht, als Kopf eines Schleuserrings Chinesen illegal nach Deutschland geholt zu haben. Auch die Fahnder der Bundespolizei registrierten die starke Einreisebewegung nach Bad Liebenstein und begannen mit ihren Ermittlungen.

Polizisten vor einem Gebäude
Eine chinesische Unternehmerin kaufte das Gebäude in der Bahnhofstraße in Bad Liebenstein, wollte Hotel und Heilzentrum dort errichten. Saniert wurde scheinbar bisher nur die Fassade und ein Teil der Innenräume. Bildrechte: MDR/Axel Hemmerling

Verfassungsschutz in Thüringen prüft Spionageverdacht gegen Chinesen

Die illegale Einreise von Chinesen und die Schleuserkriminalität aus China ist seit Jahren ein Thema. So warnte der Bundesnachrichtendienst (BND) bereits 2005 vor erhöhten Aktivitäten von Schleuserringen, die aus der Volksrepublik China gesteuert werden. In einer Vielzahl der Fälle geht es dabei um das Untertauchen in Deutschland und anderen europäischen Länder, besonders in Großbritannien. Die meisten der illegal eingereisten Chinesen arbeiten dann in der Gastronomie und im Lebensmittelhandel. Allerdings werden auf diesem Weg auch immer wieder Agenten der chinesischen Auslandsspionage geschickt. Nach Angaben des Bundesamtes für Verfassungsschutz ist Deutschland ein bevorzugtes Ziel chinesischer Spione, besonders im Bereich der Industrie-Spionage. Nach Informationen von MDR THÜRINGEN interessiert sich deshalb auch der Thüringer Verfassungsschutz für die Vorgänge in Bad Liebenstein. Aus Kreisen des Nachrichtendienstes heißt es, dass mögliche Spionageaktivitäten genau geprüft werden müssten.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 05. Dezember 2019 | 11:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 05. Dezember 2019, 20:42 Uhr

6 Kommentare

Davao vor 6 Wochen

Seltsam...die Bewohner der Stadt Bad Liebenstein haben von Anfang an den Verdacht geäußert, dass dubiose Machenschaften dahinterstecken. Nur die Herrschaften der Stadtverwaltung, inkl. Bürgermeister waren Feuer und Flamme ob der "Investorin", haben sich sogar auf eine "Besichtigungstour" nach China einladen und an der Nase herum führen lassen. Es laufen jetzt wohl auch Ermittlungen gegen die Mitarbeiter der Stadtverwaltung/Bürgermeisteramt wegen Beteiligung und Veruntreuung. Sollte sich dies bestätigen, greift hoffentlich schonungslos die volle Härte der Justiz.

Burgfalke vor 6 Wochen

Mehr gibt es da wohl dazu nicht zu sagen?

An dieser Stelle kann man nur hoffen, daß man nicht wegsieht, sondern im Rahmen der geltenden Gesetze handelt.

Elsburg vor 6 Wochen

Naja +bitte bedenken Sie dazu auch, daß wir diese "Parallel-Gesellschaften >schon immer< hatten seit mehr als 100'Jahren! Danken Sie dazu nur an die lange garnicht seßhafte "Landfahrer", Sinti sowie Roma in DtLd, deren eigene Werte-u. Rechtsordnung m, Blutrache, Fememord u.ä. incl absolute Schweigepflichten nach außerhalb des CLans, der eigene, traditionelle Gerichtsbarkeit(en) mitsamt Oberstem Richter, angeblich in/bei Mannheim +auch Clan-intern als (einzige) Richtschur anerkannt, verbindliche Richt-schnur anerkannt ist in den CLans +sowie da auch!! übliche,arrangierte Zwangsheiraten +faktische Verbot sich 'Partner' außerhalb des Clans zu nehmen !
Frauen haben allgemein geringere Rechts- u. Ansehens-postitionen im Clan; msnchmsl gibt's due hochangesehene Superfrau, die im CLan auvh de Männer dominert!
Angeblich wurde noch in 60'er Jahen letzten Jhds in Haftanstalt Nbg eine Minderjährige einem verurteilten Sträfling arrangiert zur Heirat zugeführt !

Altmetall sammeln="Schrotten"...

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