Süd-Thüringen-Bahn fährt durch eine karge Landschaft
Die Südthüringenbahn fährt wegen des Erdfallgebiets an der Stelle bei Oberrohn nur 10 km/h. Bildrechte: MDR/Heidje Beutel

Wartburgkreis Erdfälle bedrohen Bahnstrecke zwischen Eisenach und Bad Salzungen

Die Bahn kämpft zwischen Eisenach und Bad Salzungen mit ungewöhnlich instabilem Untergrund. Das Gleis bei Oberrohn ist zuletzt jährlich um 44 Zentimeter abgesunken. Bahn und Landkreis investieren fast eine Million Euro.

von Heidje Beutel

Süd-Thüringen-Bahn fährt durch eine karge Landschaft
Die Südthüringenbahn fährt wegen des Erdfallgebiets an der Stelle bei Oberrohn nur 10 km/h. Bildrechte: MDR/Heidje Beutel

Die Gegend um Tiefenort im Wartburgkreis ist als Erdfallgebiet bekannt. Hier tun sich öfter mal Erdkrater auf, weil Wasser das Material im Untergrund ausgewaschen hat. Anfang des Jahres erkannte der Leiter des Bahn-Regionalnetzes Uwe Krüger allerdings "Gefahr im Verzug": Der Hang direkt neben der Bahnstrecke drohte "in seiner Spitze auseinander zu brechen. Und wenn er unkontrolliert auseinander gebrochen wäre, dann wäre der Hang abgerutscht und wir hätten nicht gewusst, in welche Richtung er rutscht." Ob auf die Gleise oder auf den See daneben. Schuld ist der Bach Rohrgraben, der mit 23 Kubikmetern Wasser pro Stunde in den Untergrund fließt. Dort löst er Steinsalz so sehr auf, dass immer wieder Erde nachrutscht. Nach Messungen der Bahn hat sich das Bahngleis dadurch um 44 Zentimeter pro Jahr gesenkt. Betroffen ist ein etwa 500 Meter langer Gleisabschnitt. Die Züge der Südthüringenbahn dürfen an dieser Stelle höchstens zehn Kilometer pro Stunde fahren.

Erste Bauarbeiten im Jahr 2018

Abgetragener Hügel
Der Hügel wurde abgetragen, weil er einen Riss in der Mitte hatte und sonst auf die Gleise hätte fallen können. Bildrechte: MDR/Heidje Beutel

Vor einem halben Jahr haben Bahn und Landratsamt entschieden, dass der bedrohliche Hang abgetragen werden muss, der daneben liegende Teich wurde verfüllt. Der Bach Rohrgraben muss nun 250 Meter weit durch einen Schlauch fließen, damit er nicht mehr im Boden versickern kann. Das alles hat 820.000 Euro gekostet, die sich Landratsamt und Deutsche Bahn geteilt haben. Die Sanierung der Kreisstraße zwischen Oberrohn und Unterrohn für 80.000 Euro bezahlt nach Angaben des Beigeordneten Udo Schilling allein das Landratsamt. Er hofft, dass sich dadurch die Senkung verlangsamt. "Wir werden sie jedoch nie zum Stoppen bringen", befürchtet er. Die Züge dürfen weiterhin höchstens zehn Kilometer pro Stunde fahren.

Weitere Bauarbeiten geplant

Hände halten eine Karte
Die Karte der Bahn zeigt, wie sehr sich an zwei Stellen der Boden gesenkt hat. Bildrechte: MDR/Heidje Beutel

Für Uwe Krüger von der Bahn ist die Strecke bei Oberrohn ein "teures Krisenzentrum" - und für die Bahn das größte in Thüringen. Denn der Konzern wird für den Erhalt der Gleise auch 2019 Geld ausgeben - und zwar etwa eine halbe Million Euro. Nach Angaben von Uwe Krüger muss die Bahn zweimal im Jahr das Gleis nachstopfen - also den Schotter auffüllen. Dadurch werde jedoch der Schotterkegel immer höher und sei nicht mehr stabil. Dann müsse der Damm wieder aufgebaut werden, so dass die Schotterhöhe wieder eine reguläre Höhe bekomme. Das steht für den Sommer 2019 im Plan. Während der Bauarbeiten werde Schienenersatzverkehr eingerichtet.

Zukunft ungewiss

Schlauch führt durch einen Wald
Der Bach war in den Untergrund versickert und hatte den Untergrund ausgewaschen. Deshalb wurde der Bach in den Schlauch verlegt. Bildrechte: MDR/Heidje Beutel

Parallel lässt die Thüringer Landesanstalt für Umwelt und Geologie den Untergrund untersuchen und den Umfang der Auswaschungen in dem Gebiet bestimmen. Im Januar 2019 rechnet das Land mit ersten Ergebnissen. Messungen der Bahn zeigen an, dass die Bahnstrecke direkt über einer Stelle liegt, die sich besonders stark senkt. Die Bahn und Landratsamt rechnen also auch in Zukunft mit unvermeidbaren, hohen Kosten. Denn nach Angaben von Uwe Krüger kann man die Schienen nicht einfach verlegen, weil nicht bekannt ist, wo als nächstes der Boden absinkt. Eine Brücke müsste 200 Meter lang sein und wäre zu teuer. Sicher ist demnach nur, dass die Bahn bei Oberrohn auch weiterhin langsam fahren wird.

Quelle: MDR THÜRINGEN

AKTUELLES AUS THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | THÜRINGEN JOURNAL | 24. November 2018 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 24. November 2018, 20:00 Uhr

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6 Kommentare

26.11.2018 11:13 Sebastian Woelk 6

Diese besagte Stelle ist schon seit mehr als 30 Jahren ein Problemfall. Als ich selbst in den Jahren 1999 - 2002 regelmäßig nach Meiningen in die Berufsschule gefahren bin war dort abwechselnd eine Höchstgeschwindigkeit von 10; 30 oder maximal 40 km/h. Das ganze ist definitiv wie die Artikel vermuten lässt ein Fass ohne Boden. Eine Neutrassierung ist aber in diesem Bergbausenkungsgebiet (ex Kalisalz-Abbau) gar nicht so einfach und schon gar nicht günstig. Im schlimmsten Fall müsste der Bahnhalt Oberrohn aufgegeben werden und ein anderer Ort könnte Bahnanschluss bekommen. Die stillgelegte Strecke Oberrohn-Merkers ist von diesem Problem m.W.n. ähnlich betroffen so das dort nicht einfach eine Umfahrung mit Wiederanschluss von Merkers gebaut werden kann. Aber eine dauerhafte Lösung sollte gesucht werden, in 30 Jahren kann man dort genausoviel Geld versenken wie eine dauerhafte Lösung jetzt Kosten würde.

25.11.2018 21:32 Fass ohne Boden 5

Wahrscheinlich wäre die Neutrassierung der Bahnstrecke wirklich die bessere Lösung.
Natürlich nicht zwanzig Meter in Parallellage, sondern ganz woanders.

Aber das sagt sich so
einfach als Aussenstehender.

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