Bürgermeister gesucht Geisa hat die Wahl: CDU gegen CDU

In Geisa ist der Bürgermeisterposten frei geworden, der langjährige Amtsinhaber Martin Henkel (CDU) sitzt jetzt im Landtag. Am Sonntag geht es um seine Nachfolge. Das verspricht spannend zu werden, denn erstmals seit 14 Jahren treten zwei Kandidaten an. Beide sind Mitglieder der CDU. Woanders hat das schon zum Parteiausschluss geführt - in der Rhön nicht.

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von Ruth Breer

Der Ort Geisa von oben
In Geisa haben die Menschen am Sonntag die Wahl. Bildrechte: MDR/Ruth Breer

Die Kandidaten eint mehr, als sie trennt: beide sind Anfang 40, katholisch, engagieren sich ehrenamtlich, leben mit ihrer Familie in der Region. Beide führen seit November einen engagierten Wahlkampf, sind viel in Geisa und den elf Ortsteilen unterwegs zu Gesprächen mit den Bürgerinnen und Bürgern. Beide haben eine Bankausbildung mit Studium - und ein CDU-Parteibuch. Allerdings ist Matthias Breitenbach von der CDU Geisa offiziell nominiert worden. Manuela Henkel, ehrenamtliche Bürgermeisterin des Nachbarorts Schleid, hat dagegen als Einzelkandidatin ihren Hut in den Ring geworfen.

Parteiausschluss kein Thema

Der Vorsitzende des CDU-Stadtverbands, der bisherige Bürgermeister Martin Henkel - nicht verwandt mit der Kandidatin -, fühlte sich zunächst brüskiert, kritisierte die Kandidatur als Vertrauensbruch, ihr Verhalten schwäche die Partei und spalte die Wählerschaft.

In einem ähnlichen Fall hatte die CDU im Landkreis Gotha den Bürgermeister von Crawinkel, Heinz Bley, aus der Partei ausgeschlossen - er war bei der Bürgermeisterwahl in Ohrdruf gegen den von der CDU nominierten Kandidaten angetreten. Ein Parteiausschluss war im Wartburgkreis aber bisher kein Thema. Der Kreisvorsitzende Christian Hirte wollte sich auf Anfrage von MDR THÜRINGEN nicht zum Fall Geisa äußern. Und auch Martin Henkel hat seine Haltung offenbar inzwischen geändert: Es sei "das gute Recht von Manuela Henkel, gegen die CDU zu kandidieren". Die CDU sei eine breit aufgestellte Partei, deren Stärke es sei, alle Strömungen mitzunehmen.

CDU traditionell stark in der Rhön

Geisa hat knapp 5.000 Einwohner und liegt an der südwestlichen Landesgrenze Thüringens zu Hessen. Dort ist die CDU tatsächlich noch Volkspartei: Bei der Landtagswahl holte Martin Henkel gut 65 Prozent der Erststimmen, 53 Prozent der Zweitstimmen entfielen in der Stadt auf die CDU. Zwischen 2004 und 2014 bekam die Partei bei den Stadtratswahlen stets über 90 Prozent, im vergangenen Jahr rund 77 Prozent. Und bei der aktuellen Konstellation in Geisa ist immerhin eines gewiss: Auch künftig wird die Stadt von einem CDU-Mitglied regiert werden. Das ist ein Unterschied zum Fall im Landkreis Gotha: In Ohrdruf wurde letztlich ein Bürgermeister von der SPD gewählt.

Dankbar über die Konkurrenz

Bürgermeisterkandidat Matthias Breitenbach (CDU)
Matthias Breitenbach: Es ist wichtig, dass die Wähler aussuchen können. Bildrechte: MDR/Ruth Breer

Matthias Breitenbach, der offizielle CDU-Bewerber, war bislang politisch nicht aktiv. Anfang November hat ihn der Stadtverband gefragt, ob er für die Partei antreten möchte. Zwei andere Kandidaten hätten zurückgezogen, sagt er, eine missliche Lage für die CDU. Ihn reize die Aufgabe, er fühle sich mit seiner Familie wohl in Geisa, finde es toll, wie sich die Stadt entwickelt hat und wolle das in Zukunft gern fortsetzen.

Die Stadt sei auch eine Art Unternehmen, das geführt werden müsse - dafür sieht sich der 42-Jährige mit seiner langjährigen Erfahrung als Betriebswirt und Bankkaufmann gut geeignet. Dass er eine Gegenkandidatin bekommen hat, auch noch aus der eigenen Partei? Das finde er sehr gut, sagt Breitenbach, es sei wichtig, dass die Wähler aussuchen könnten. Wer dann als gewählter Bürgermeister im Rathaus sitze, habe "ein stabileres Rückgrat". Letzten Endes sei er der Gegenkandidatin für ihr Antreten dankbar.

Demokratie lebt von der Auswahl

Auch Manuela Henkel aus Kranlucken reizt das hauptamtliche Bürgermeisteramt. Sie ist bereits in der Kommunalpolitik aktiv als ehrenamtliche Bürgermeisterin der Gemeinde Schleid und als Kreistagsmitglied. Gemeinsam mit den Bürgern Dinge anschieben, um die Zukunft zu gestalten - das ist ihr Ziel. Mehrere Menschen hätten sie angesprochen, ob sie nicht in Geisa kandidieren wolle. Dass sie nun gegen einen offiziellen Kandidaten der CDU antritt, damit den Parteiausschluss riskiert?

Bürgermeisterkandidatin Manuela Henkel (CDU)
Manuela Henkel: Von der Auswahl lebt die Demokratie. Bildrechte: MDR/Ruth Breer

Sie trete als Einzelkandidatin an, um den Bürgern eine Auswahl zu geben - davon lebe die Demokratie, sagt Henkel, dafür sei sie als 14-Jährige zur Wendezeit auf die Straße gegangen. Und als überzeugte Christdemokratin wolle sie etwas bewegen in der Region und in der Partei. Die 44-Jährige hat im Bankwesen gearbeitet, bei der Caritas in der Öffentlichkeitsarbeit und ist jetzt freie Journalistin bei der Zeitung. Sie wisse, was auf sie zukomme, sagt Henkel.

Wahl bewegt die Menschen in Geisa

Die Bürgermeisterwahl beschäftigt die Menschen in der Region. "Ich kann’s nicht mehr hören…", lacht eine Frau, als sie auf die Kandidaten angesprochen wird. Es gebe kaum ein anderes Thema, sagt eine andere. Die meisten finden es gut, dass auf dem Stimmzettel zwei Namen stehen. "Endlich wieder eine Wahl", heißt es, oder: "zum ersten Mal spannend". Beide Kandidaten seien gut, meint ein anderer, die Wahl sei schwierig. Eine Frau bedauert, dass Diskussionen in der Stadt so emotional ausgetragen worden seien.

Bürger wollen stärker beteiligt werden

Der Wahlkampf war turbulent und intensiv. Beide Kandidaten haben ausführliche Gespräche in den Orten angeboten, die gut besucht waren. Und unabhängig voneinander haben beide ein Hauptanliegen ausgemacht: Die Menschen wollten besser informiert und eingebunden werden, sagt Manuela Henkel. Transparenz und Bürgerbeteiligung hätten ganz oben gestanden. Das bestätigt Matthias Breitenbach. Vermutlich sei in den vergangenen Jahren so viel so schnell umgesetzt worden, sagt er, dass die Bürger oft vor vollendete Tatsachen gestellt wurden. Deshalb wollen beide Kandidaten im Fall ihrer Wahl die Gesprächsrunden mit den Bürgern ganz sicher fortsetzen.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 24. Januar 2020 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 24. Januar 2020, 20:02 Uhr

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