Mittelgebäude des Gradierwerks in Bad Salzungen
Das Mittelgebäude des Gradierwerks in Bad Salzungen beherbergt Gastronomie und Toiletten. Es soll auch energetisch saniert werden. Bildrechte: MDR/Ruth Breer

Deutschlandweiter Austausch Heilsame Luft: Betreiber von Gradierwerken treffen sich in Bad Salzungen

Mehr Salz als in der Seeluft: Für Menschen mit Atemwegserkrankungen sind Gradierwerke heilsam. Ihr Erhalt allerdings ist eine Herausforderung. Über die baulichen Probleme haben sich jetzt in Bad Salzungen Gradierwerksbetreiber aus ganz Deutschland ausgetauscht. Der Gastgeber hat seine millionenschweren Sanierungspläne vorgestellt.

von Ruth Breer

Mittelgebäude des Gradierwerks in Bad Salzungen
Das Mittelgebäude des Gradierwerks in Bad Salzungen beherbergt Gastronomie und Toiletten. Es soll auch energetisch saniert werden. Bildrechte: MDR/Ruth Breer

Schwarzdorn muss es sein: Durch das dornenreiche Reisig der Schlehe läuft die Sole im Holzgerüst des Gradierwerks nach unten. Früher sollte so Wasser verdunsten, um die Sole immer höher zu konzentrieren. Dann wurde weniger Brennmaterial gebraucht, um Salz zu gewinnen. Heute geht es um die winzigen Soletröpfchen, die den Atemwegen gut tun - je höher die Gradierwand, desto feiner zerstäuben sie. Seeluft im Binnenland.

Aufwendiger Betrieb der Gradierwerke

Der Betrieb allerdings ist aufwendig. Oft sind die Anlagen alt und stehen unter Denkmalsschutz. Sie bestehen vor allem aus Holz, das sich nach Jahrzehnten zersetzt. Regelmäßig ausgewechselt werden muss auch das Schwarzdorn-Reisig, das fast alle aus Polen beziehen. Und so tauschten sich die Betreiber bei der Tagung in Bad Salzungen lebhaft darüber aus, wie sie ihre Gradierwerke erhalten und pflegen. Dabei gab es einige Unterschiede: Während die einen auf Holzrinnen für die Sole schwören, nutzen andere Kunststoffleitungen. Die einen bringen gebrauchtes Reisig als Grünschnitt auf die Deponie - andere wie in Bad Kreuznach müssen es teuer als Sondermüll entsorgen, weil die Sole radioaktives Radium enthält, das sich in den Zweigen anreichert.

Gradierwerk und Co: Bad Salzungen erhält Geld

Der Erhalt der Kuranlagen kostet Geld, gleichzeitig hat Bad Salzungen finanzielle Einbußen durch steuerliche Erleichterungen für Kurkliniken. Deshalb bekommt die Stadt Geld vom Land.

Rathaus von Bad Salzungen
Der Marktplatz von Bad Salzungen mit dem Rathaus Bildrechte: MDR/Ruth Breer
Rathaus von Bad Salzungen
Der Marktplatz von Bad Salzungen mit dem Rathaus Bildrechte: MDR/Ruth Breer
Burgsee in Bad Salzungen
Der Burgsee Bildrechte: MDR/Ruth Breer
Gradierwerk Bad Salzungen
Das Gradierwerk Bildrechte: MDR/Ruth Breer
Im Gradierwerk Bad Salzungen
Hier atmen Kurgäste die feuchte, salzige Luft ein, um Lunge und Atemwege zu heilen und zu pflegen. Bildrechte: MDR/Ruth Breer
Innenstaatssekretär Uwe Höhn und Bad Salzungens Bürgermeister bei der symbolischen Scheckübergabe in Bad Salzungen
All diese Einrichtungen müssen erhalten werden, der Betrieb kostet Geld. Finanzielle Hilfe erhält Bad Salzungen dafür aus dem Kurlastenausgleich des Landes. Innen-Staatssekretär Uwe Höhn (li.) übergab am 18. Oktober einen symbolischen Scheck über knapp eine Million Euro an Bad Salzungens Oberbürgermeister Jürgen Bohl (re.). Bildrechte: MDR/Ruth Breer
Beschädigter Holzbalken im Gradierwerk Bad Salzungen
Eines der großen anstehenden Investitionsprojekte ist die notwendige Sanierung des Gradierwerks. Bildrechte: MDR/Ruth Breer
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Gradierwerke in Bad Sulza und Bad Salzungen werden saniert

In Thüringen gibt es zwei große Gradierwerke, beide sind gerade mit Sanierungsprojekten beschäftigt. In Bad Sulza ist der erste Bauabschnitt bereits geschafft. Am Gradierwerk "Louise" ist der Schwarzdorn ausgetauscht und das Gebälk erneuert worden. Im zweiten Schritt sollen bis Ende 2020 die Solerinne und das Geländer erneuert werden. Außerdem wird die Inhalationshalle auf den neusten Stand gebracht, damit sie die Vorgaben des Arzneimittelgesetzes erfüllt, so Kurdirektorin Melanie Kornhaas. Insgesamt kosten die Arbeiten rund 1,5 Millionen Euro, die die Stadt dank des Kurlastenausgleichs des Landes schultern kann, sagt Bürgermeister Dirk Schütze (SPD). Außerdem gibt es Geld von der Städtebauförderung.

Das gilt auch für Bad Salzungen. Allerdings fällt das Sanierungsvorhaben dort deutlich größer aus: Auf mehr als zwölf Millionen Euro beziffert der Vorstand des städtischen Kur- und Tourismus-Unternehmens, Daniel Steffan, die Kosten. Der Zustand der beiden 80 Meter langen Gradierwände ist schlecht. Rund 80 Prozent der Holzteile müssen nach Steffans Angaben ausgetauscht werden. Saniert werden auch die beiden Brunnenhäuser an den Wänden und der Mittelteil dazwischen, ein gut 100 Jahre alter Fachwerkbau. Darin sind ein Restaurant und Toiletten untergebracht. Das Gebäude soll kleine seitliche Anbauten erhalten und energetisch saniert werden.

Nachfrage nach Heilmitteln bei Atemwegserkrankungen

Eine Investition in die Zukunft, sagt Daniel Steffan, denn Atemwegserkrankungen seien weit verbreitet und natürliche Heilmittel sehr gefragt. Deshalb werden in Deutschland auch wieder neue Gradierwerke gebaut, allein acht in den vergangenen 15 Jahren. Eines davon hat Oelsnitz im Erzgebirge errichtet - zur Landesgartenschau im Jahr 2015.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Regionalnachrichten | 24. Oktober 2019 | 19:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 24. Oktober 2019, 20:16 Uhr

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