Menschen beim Wandern
Vor Beginn des Festaktes konnten die Gäste bei einer Wanderung das "Grüne Band Thüringen" anschauen. Bildrechte: MDR/Ruth Breer

Natur und Geschichte Das Grüne Band ist Nationales Naturmonument

So groß wie der Nationalpark Hainich, aber 763 Kilometer lang: das ist das Grüne Band in Thüringen. Der Landtag hat es im vergangenen Herbst zum Nationalen Naturmonument ernannt. Vom Todesstreifen zur Lebenslinie - am Samstag ist das bei Creuzburg mit einer Wanderung und einem Festakt gefeiert worden. Mit der Entscheidung verbinden sich viele Hoffnungen.

von Ruth Breer

Menschen beim Wandern
Vor Beginn des Festaktes konnten die Gäste bei einer Wanderung das "Grüne Band Thüringen" anschauen. Bildrechte: MDR/Ruth Breer

Ein Parkplatz an der Bundesstraße 7 an der hessisch-thüringischen Landesgrenze zwischen Ifta und Rittmannshausen: Hier stehen noch Reste des alten Grenzzauns, parallel dazu führt der alte Kolonnenweg steil bergauf. Schon nach zweihundert Metern ist die Bundesstraße weit weg, es duftet nach Kräutern und blühendem Weißdorn. Warum Thüringen das Grüne Band als Nationales Naturmonument im vergangenen Herbst unter Schutz stellte, ist hier gut zu erleben: Wo einst Sperrzäune, Minen und Wachtürme die Flucht verhindern sollten, hat sich im Schatten des Grenzregimes ein Rückzugsort für seltene Pflanzen und Tiere entwickelt. Um das zu zeigen, hatte Umweltministerin Anja Siegesmund (Bündnis 90/Grüne) vor dem Festakt an diesen Ort zu einer Rundwanderung eingeladen.

Idee ist schon 30 Jahre alt

Gekommen waren viele Unterstützer und Begleiter des Grünen Bandes. Als einer seiner Väter gilt der Vorsitzende des Umweltverbands BUND, Hubert Weiger. Er hatte im Dezember 1989 in Hof gemeinsam mit Kai Frobel Naturschützer aus Ost und West eingeladen. Auf diesem Treffen entstand die Forderung, den ehemaligen Todesstreifen als Grünes Band zu bewahren. Damals ein irrealer Wunsch, erinnert sich Weiger. Denn nach der Grenzöffnung sei es überall darum gegangen, das Trennende niederzureißen und alte Verbindungen wieder herzustellen. Dass nun zumindest in Thüringen 763 Kilometer ehemaliger Grenzstreifen als Nationales Naturmonument dauerhaft geschützt und gesichert sind, das sei für ihn "ein Tag der Freude“, so Hubert Weiger.

Thüringen als Vorreiter

Thüringen hat damit erneut eine Vorreiter-Rolle übernommen: schon 1990 hatte das Bundesland gemeinsam Bayern als erstes die Grenzregionen kartiert, als erstes hatte es die Flächen vom Bund übertragen bekommen – nun das Nationale Naturmonument. Darauf kann Thüringen stolz sein, sagt Ministerin Anja Siegesmund – und hofft, dass möglichst bald Sachsen-Anhalt und die anderen Bundesländer folgen werden. Sie würde gern ein bundesweites Zentrum für das Grüne Band nach Thüringen holen und suchte dafür gleich vor Ort Unterstützer.

Natur und Geschichte werden geschützt

Was aber macht den besonderen Wert dieses neuen Prädikats aus? Es verbinde die einzelnen Biotope wie auf einer Perlenkette, sagt Siegesmund. Und es schützt sowohl die Natur wie auch die Geschichte, die mit dem Grenzstreifen verbunden ist. 88 Gemeinden in neun Landkreisen und der kreisfreien Stadt Eisenach sind Anrainer des Großprojekts – sie sollen von dem Nationalen Naturmonument profitieren, sagt die Ministerin. Einerseits sollen die Naturschätze touristisch aufgewertet und begehbar gemacht werden. Andererseits werde damit ein Weg geschaffen, auch 30 Jahre nach der friedlichen Revolution der Aufarbeitung der SED-Diktatur ein Gesicht zu geben, so Siegesmund: Dieses Gesicht sei das Grüne Band.

Kontakte in die Regionen sind wichtig

Das Land Thüringen hat in diesem Jahr 2,3 Millionen Euro für das Grüne Band eingeplant. Damit solle das Nationale Naturmonument "in Wert gesetzt werden“, so die Umweltministerin, beispielsweise durch touristische Infrastruktur. Die Stiftung Naturschutz Thüringen soll das Großprojekt mit Leben füllen. Ihr gehören 44 Prozent der Flächen am Grünen Band, die ihr das Land schon vor Jahren übertragen hatte. Geschäftsführer Dennis Peisker berichtet, dass die ersten drei Mitstreiter für die Geschäftsstelle gefunden sind.

Jetzt geht es um Kontakte in die Regionen, um mit allen zu sprechen, die bereits jetzt mit dem Grünen Band zu tun haben: Grenzlandmuseen, Gemeinden, Landschaftspflege- und Naturschutzverbände. Nicht alle seien Fans des Grünen Bandes, räumt Peisker ein. Mit ihnen zusammen soll das Konzept entwickelt werden – in einem breiten Konsens. Über den Sommer sollen die Stellen von acht Gebietsbetreuern besetzt werden. Für den "Pflege-, Entwicklungs- und Informationsplan“, den das Landesgesetz für das Nationale Naturmonument vorsieht, hat sich die Stiftung einen Zeitraum von fünf Jahren vorgenommen.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Das Fazit vom Tag | 18. Mai 2019 | 18:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 18. Mai 2019, 19:09 Uhr

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3 Kommentare

20.05.2019 12:52 Matthias Kirsten 3

Der Begriff GRÜNES BAND entstand auf einer Zusammenkunft von ca. 400 Naturschützern unmittelbar nach Maueröffnung im Dezember 1989 in Hof.
Da gab es noch gar kein "grünes" Umweltministerium in Thüringen. Da gab es nur ganz viel ehrenamtliches Engagement und Herzblut für dieses Erbe der Teilung.

19.05.2019 13:32 Thore 2

Diese eigentlich gute Sache verliert an Bedeutung, sobald sie von der grünen Ideologie der gleichnamigen Partei durch deren Vertreter (Fr. Siegesmund) missbraucht wird !
Deshalb finde ich die Bezeichnung "Grünes Band" unzutreffend....das war wohl der Preis für Förderung aus dem "grünen" Umweltministerium !
Vorschlag.....Deutsches Band !

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